Aufgedeckt:

Kaninchen-Leid in Blutfarmen

Kaninchen - Unsere Tiere - Tierschutz-CH - Niki Storybild - Sendung 28042019
© István Varga - Pixabay.com
Auch heute werden noch immer tausende Kaninchen für die Herstellung medizinischer Diagnostikprodukte eingesetzt.
OE24 auf Google bevorzugen

Aus ihrem Blut werden Antikörper gewonnen, die in Laboren weltweit eine zentrale Rolle spielen: Sie helfen dabei, im Blut von Patientinnen und Patienten Hormone, Entzündungsmarker oder Krankheitserreger zuverlässig nachzuweisen. Millionen Menschen profitieren täglich von diesen Tests – oft ohne zu wissen, dass ein Teil dieser Produkte weiterhin auf tierischer Antikörperproduktion basiert.

Im Zentrum der Kritik steht der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers. Für bestimmte Labor- und Diagnostiktests werden Antikörper benötigt, die teilweise noch aus Kaninchenblut gewonnen werden. Dazu werden die Tiere wiederholt mit Fremdstoffen immunisiert, damit ihr Immunsystem bestimmte Antikörper produziert. Anschließend wird ihr Blut entnommen und verarbeitet. Am Ende ihres Einsatzes werden die Tiere getötet und ausgeblutet.

Besonders brisant: Tierschutzorganisationen veröffentlichten in den vergangenen Jahren mehrfach Undercover-Aufnahmen aus Zulieferbetrieben in Deutschland. Die Bilder zeigen Kaninchen in engen Drahtkäfigen, routinemäßige Manipulationen und einen groben Umgang mit den Tieren. 2025 sorgten neue Recherchen bei einem Zulieferbetrieb nahe Augsburg erneut für öffentliche Kritik.

Doch die eigentliche Debatte geht inzwischen weit über die dokumentierten Missstände hinaus. Denn nach Angaben von Wissenschaftlern und Tierschutzorganisationen existieren seit Jahren tierfreie Verfahren zur Herstellung von Antikörpern. Moderne Technologien wie Phage-Display-Verfahren oder Zellkultursysteme können Antikörper erzeugen, ohne dass dafür Tiere genutzt werden müssen. Auch europäische Fachgremien empfehlen seit Jahren, auf tierfreie Methoden umzusteigen.

Für viele Tierschutzorganisationen ist klar: Solange tierfreie Verfahren verfügbar sind, gibt es keine ethische Rechtfertigung mehr für den Einsatz von Kaninchen in der Antikörperproduktion.

Auch im medizinischen Alltag rückt damit die Frage nach Transparenz stärker in den Fokus. Krankenhäuser und Labore sind darauf angewiesen zu wissen, auf welchen Produktionsmethoden ihre Diagnostikprodukte basieren. Gleichzeitig bleibt für Patientinnen und Patienten meist unsichtbar, unter welchen Bedingungen einzelne Bestandteile dieser Tests entstanden sind.

Am 27. Juni wird Siemens Healthineers im Zuge einer Großdemo in Kissing, bei Augsburg in Bayern aufgefordert, die Kaninchenblut-Produktion zu beenden und auf die vorhandenen Alternativen umzusteigen.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden