Millionen-Raub

"Keine Kontrollen, nichts!" MAK schwer in der Kritik

Außenansicht des Museums für Angewandte Kunst (MAK) in Wien mit Autos und Passanten davor.
© APA/ZOE-SOPHIE ZIMMERMANN
Drei Tage nach dem millionenschweren Blitzcoup im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) gibt es weiter Kritik am Sicherheitskonzept.
OE24 auf Google bevorzugen

Wie eine Zeugin des Raubes am Sonntag der Tageszeitung "Die Presse" (online) sagte, "gab es für diese Ausstellung keinerlei Sicherheitsvorkehrungen, keine Taschenkontrollen, nichts". Sie sprach von einer "beschönigenden" Darstellung des MAK. Generaldirektorin Lilli Hollein hatte gegenüber der APA auf höchste Sicherheitsstandards verwiesen.

"Ich betrat die Ausstellung mit meiner Handtasche, die relativ groß ist. Niemand sah mich auch nur an", erinnerte sich die Besucherin der vom Raub betroffenen "Glanzstücke"-Schau. Nur kurze Zeit nach Besichtigung des Colliers habe sie eine Ecke weiter ein "sehr lautes, dumpfes Klopfen" gehört. Die Trennwände der Ausstellung hätten davon vibriert.

Zeugin: "Aber warum geht dann kein Alarm los?"

Eine Besucherin sei aus Richtung des Geräusches zu ihr gekommen und habe ihr erzählt, dass gerade jemand eine Vitrine einschlage. "Aber warum geht dann kein Alarm los?", zitierte das Blatt die Zeugin. Nach Ende der Klopfgeräusche habe Teilnahmslosigkeit unter den Besucherinnen und Besuchern geherrscht. Sie sei daraufhin zurück zur Vitrine gegangen und habe das Ausmaß der Zerstörung gesehen. Auch zu diesem Zeitpunkt seien "noch immer keinerlei Sicherheitspersonal oder andere Museumsmitarbeiter vor Ort" gewesen, hielt die Frau fest. Währenddessen war es laut ihren Schilderungen möglich, auch anderen Schmuck wie etwa Ohrringe entnehmen zu können. Erst als sie einige Vitrinen weiterging, kam laut ihren Angaben ein Mitarbeiter und bat, die Ausstellung zu verlassen.

Prächtiges Collier mit mehreren Reihen funkelnder Diamanten auf schwarzem Hintergrund.
© APA/LANDESPOLIZEIDIREKTION WIEN

Die Frau bereitete sich daraufhin auf einen längeren Aufenthalt im Museum vor und rechnete mit Befragungen. "Aber nichts dergleichen geschah. Alle Besucher spazierten entweder in andere Teile des Museums oder - wie ich - hinaus", erzählte sie. "Ich verließ das Museum sehr zögerlich, hielt sogar Ausschau nach Polizisten, um zu fragen, ob ich tatsächlich einfach gehen könne. Die ganze Situation ließ mich an Kottan denken."

Metalldetektoren im Einsatz

Im Vorfeld des Raubes am Donnerstagnachmittag hatte das Museum bereits auf zehn Securitys sowie Videokameras gesetzt. Für die Ausstellung sei ein umfangreiches Sicherheitskonzept erarbeitet worden. "Als es dennoch zu dieser bewaffneten Tat kam, haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonnen reagiert, die vorgesehenen Abläufe eingehalten und richtig gehandelt", hatte es am Freitag in einer Aussendung geheißen.

Im MAK sind seither Metalldetektoren beim Eingangsbereich im Einsatz. Rucksäcke und Taschen müssen zudem an der Garderobe abgegeben werden. Museen müssten zwischen der Sicherheit der gezeigten Objekte und der Offenheit gegenüber Besucherinnen und Besuchern abwägen, betonte Hollein zuletzt gegenüber der APA. Die Metalldetektoren sollen jedenfalls bis zum Ende der Ausstellung am 27. September bleiben, womöglich auch darüber hinaus, wie die "ZiB" am Samstag in Berufung auf Hollein berichtete.

Die beiden mutmaßlichen Täter waren am Donnerstag mit einer Pistole und einem Hammer ins Museum gekommen, hatten die Vitrine eingeschlagen und waren binnen weniger Minuten mit dem millionenschweren Diamantencollier des französischen Nobeljuweliers Van Cleef & Arpels geflüchtet. Das Landeskriminalamt hat die beiden Männer bereits international mit Fotos zur Fahndung ausgeschrieben. Zum derzeitigen Ermittlungsstand wollte die Landespolizeidirektion am Sonntag gegenüber der APA nicht ins Detail gehen.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden