Die am Donnerstag in Kraft getretene Paketsteuer verteuert viele Online-Bestellungen. Versandhändler mit mehr als 100 Mio. Euro Umsatz in Österreich müssen die Steuer in Höhe von 2,40 Euro (inkl. Umsatzsteuer) pro Paket oder Bestellung bezahlen.
Mehrere Online-Händler wollen klagen, darunter
- Amazon,
- Otto und viele mehr.
- Zalando hat bereits eine Klage gegen das Paketsteuergesetz beim österreichischen Verfassungsgerichtshof eingereicht.
- Auch der Handelsverband strebt eine Klage an. Eine Binnenmarktbeschwerde bei der EU-Kommission ist hier das Mittel der Wahl.
- Viele Händler werden auch die Steuerbescheide bekämpfen und dann den Instanzenzug gehen.
“Das ist das dümmste Gesetz, das ich je gesehen habe.”
Rainer Will, Chef des Handelsverbands zu oe24
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15 große Händler, 4.000 KMU in Österreich betroffen
Amazon, Otto und Zalando, sehen juristische Mängel bei der Paketabgabe und wollen eine rechtliche Klärung.
Versandhändler können sich entscheiden, ob sie die Steuer pro Paket oder pro Bestellung berechnen und abführen. Wie bisher bekannt, verrechnen die meisten, von Amazon bis Otto, pro Bestellung.
Betroffen sind 15 große Händler aber auch viertausend kleine Unternehmen in Österreich, die über deren Marktplätze verkaufen.
Shop-Apotheke und Co
“Nicht alle leben in Ballungszentren. Wer nicht so mobil ist, für den ist das eine große Belastung.”
Kunde aus Niederöstereich
Betroffen sind Amazon, Temu und Zalando, aber auch Shop-Apotheke, Ebay.at/Ebay.de, Otto, Best Secret, AliExpress, Mediamarkt, Apple, Universal, Ikea, Shein und XXXLutz.
Die Paketsteuer sorgt für Ärger, weil viele bis zum 1. Oktober dachten, dass Regierung mit der 2,40€-Paketsteuer auf China-Händler abziele. Erst die Massenmails von Amazon und Co zeigten dann, das ab jetzt auf fast jede Online-Bestellung die Steuer gilt.
“Die Paketsteuer betrifft jede 2. Online-Bestellung in Österreich und jeden dritten Webshop.”
Rainer Will, Chef des Handelsverbands zu oe24
Amazon verschickte Donnerstagfrüh eine Nachricht an seine Kunden: "Ab 1. Oktober 2026 siehst du sie bei Lieferung nach Österreich als eigene Position an der Kasse mit 2,40 Euro (inkl. USt.), bevor du die Bestellung abschließt", hieß es in der E-Mail. Die Paketsteuer falle einmal pro Bestellung an, unabhängig davon, wie viele Artikel man bestelle oder in wie vielen Paketen die Bestellung ankomme.
Der US-Handelskonzern nahm auf seiner Website auch Stellung zur steuerlichen Behandlung von Spar-Abo-Lieferungen. "Die Paketsteuer ist derzeit im Gesamtbetrag der ersten Bestellung enthalten. Für die wiederkehrenden Lieferungen im Rahmen von Spar-Abos wird die Paketsteuer nicht verrechnet", erklärte Amazon.
“Wir werden gegen die Steuerbescheide Beschwerde einlegen.”
Otto-Österreich-Chef Harald Gutschi
Bis zu zehn Händler könnten gegen Paketsteuer klagen
Otto-Österreich-Chef Harald Gutschi rechnet mit bis zu zehn Händlern, die rechtlich gegen die Paketabgabe vorgehen werden. Man werde gegen die Steuerbescheide Beschwerde einlegen, sagte Gutschi oe24.
Der Otto-Österreich-Chef sieht keine Notwendigkeit für eine nationale Paketsteuer, um die Paketflut nach Europa einzudämmen, weil die EU gehandelt habe. Seit Anfang Juli wird ein EU-Pauschalzoll in Höhe von drei Euro für Artikel aus Drittstaaten und ab November eine EU-Handling-Fee von zwei Euro pro Artikel (!) eingehoben. Wer dann noch aus Fernost bestellt, zahlt in Österreich mindestens 7,40 Euro Gebühr. Es kann aber noch deutlich mehr werden, weil der Pauschalzoll für Warengruppen eingehoben wird und die Fee pro Artikel.
“Die Regierung hat offen zugegeben, dass es bei der Steuer um eine Geldbeschaffung geht, um die Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel auszugleichen.”
Rainer Will, Chef des Handelsverbands zu oe24
Das Finanzministerium erhofft sich ein Paketsteueraufkommen von bis zu 400 Mio. Euro pro Jahr. Dies soll die Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel gegenfinanzieren. Ursprünglich war noch eine Plastiksteuer geplant, wurde wegen der Inflation aber wieder verworfen.
"Jetzt treibt die Regierung die Inflation mit der Paketsteuer zusätzlich an", so Will zu oe24. "Und sie schadet Austro-Händlern: Viele große Unternehmen hüten sich vor einem weiteren Online-Ausbau, weil sie ja nicht über die 100 Millionen-Grenze kommen wollen. Sie investieren stattdessen im Ausland. Uns gehen so bis zu 2.800 Jobs verloren."
Der Online-Marktplatz für generalüberholte Produkte, Refurbed, ist aktuell doch nicht von der Paketsteuer betroffen. "Wir wussten aufgrund der Formulierung des Gesetzes lange nicht, ob uns die Paketsteuer trifft", hieß es von Refurbed. Der Jahresumsatz habe zwischen 90 und 110 Millionen Euro geschwankt. "Nun lag der Umsatz in Österreich unter den 100 Millionen Euro", erklärte der Marktplatz.
Ob Refurbed weiter in Österreich investieren wird ist bei dieser Steuer zumindest strategischen Überlegungen unterworfen. Sobald sie über die Grenze kommen, schadet es ihnen. Der Umsatz liegt hierzulande knapp unter 100 Millionen.
"Es ist eine Ungerechtigkeit, dass deutsche Händler mit weniger als 100 Millionen Umsatz in Österreich bevorzugt werden. Ganz egal, ob sie viele 100 Millionen Umsatz in Deutschland haben", klagt ein Experte des Handelsverbands.
Rücksendungen: Unternehmen kulant
Bei Rücksendungen nach erfolgreicher Paketzustellung bleibt die Steuerpflicht bestehen. Amazon, Otto Österreich und Zalando wollen bei vollständigen, zeitnahen Retouren den Kunden die Paketsteuer aber zurückerstatten, teilten die Unternehmen mit. Das ist reine Kulanz.
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