Verhandlung

Paukenschlag um Benko: Kommt er heute frei?

Mehrere Polizisten begleiten einen Anzugträger mit Akte in einen Gerichtssaal.
© APA/EXPA/ JOHANN GRODER
Signa zählte einst zu den größten Immobilien-Unternehmen Österreichs, dann kam die Pleite und Gründer René Benko in U-Haft. Jetzt - um 10 Uhr - hat die OGH-Sitzung begonnen, wo man über die bisherigen - nicht rechtskräftigen - Schuldsprüche entscheidet.
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Paukenschlag um Benko! Heute Donnerstag seit 10 Uhr befasst sich der Oberste Gerichtshof (OGH) mit dem ersten Urteil gegen René Benko wegen betrügerischer Krida. Der Signa-Gründer war im Oktober 2025 erstinstanzlich teilschuldig gesprochen und zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Benko soll seiner Mutter 300.000 Euro geschenkt und so seinen Gläubigern vorenthalten haben.

Benko sitzt seit Jänner 2025 in U-Haft. Kommt er heute frei? Damit ist nicht direkt zu rechnen, heißt es von der OGH-Medienstelle zu oe24. Wenn das OGH die bisherigen - nicht rechtskräftigen - Schuldsprüche aufheben sollte, dann wird vor dem Landesgericht Innsbruck erneut verhandelt. oe24 berichtet über die OGH-Entscheidung.

Der tiefe Fall

Der Aufstieg des einstigen Immobilientycoons René Benko klingt zunächst wie aus dem Bilderbuch: Aus einfachen Verhältnissen und ohne Schulabschluss schaffte es der Tiroler zu einem der reichsten Unternehmer Österreichs. Doch spätestens 2023 wurde deutlich, dass er und seine Signa-Gruppe in der Krise steckten. Am Ende standen Insolvenzen und Benko vor Gericht. Am heutigen Donnerstag dürfte die erste höchstrichterliche Entscheidung im Strafverfahren gegen Benko fallen.

Ein Mann im Anzug mit weißem Hemd und dunkelblauer Krawatte sitzt in einem Raum mit grauer Wand und Holzvertäfelung.
Rene Benko vor Gericht Ende 2025. © APA/EXPA/JOHANN GRODER

Schon als Schüler erregte der Sohn eines Gemeindebediensteten und einer Kindergärtnerin Mitte der 1990er-Jahre Aufsehen. Als 17-Jähriger organisierte er für einen befreundeten Innsbrucker Baumeister den Ausbau von Dachböden in bester Stadtlage.

Benko im Ferrari

Dass er damit gutes Geld verdiente, stellte er auch zur Schau. Benko rollte vor ihm geleasten Ferrari. Benko galt in seinem Umfeld als "Blitzgneißer" mit gutem Geschäftsinstinkt, als "super Netzwerker" und vor allem als sehr arbeitswillig - nach eigenen Angaben stand er jeden Tag um halb fünf in der Früh auf und arbeitete bis kurz vor Mitternacht. Nur die Schule hat Benko nicht so ernst genommen. "Das ist wahrlich so, ich war im letzten Schuljahr, im Maturajahr, so wenig in der Schule, dass ich dann aufgrund der vielen Fehlstunden nicht mehr zur Matura zugelassen wurde", erzählte er vor vielen Jahren in einem ORF-Interview.

Signa wurde eines der größten Immo-Unternehmen Österreichs

Benko gelang es früh, Reiche und Prominente von seinen Geschäftsideen zu überzeugen. Kurz nach Gründung der Immofina, aus der später die 2000 gegründete Signa-Gruppe hervorging, traf er auf den Stroh-Tankstellenerben Karl Kovarik, der sich 2001 in Benkos Unternehmen einkaufte. Mit Kovariks Geld, einem zweistelligen Millionenbetrag, wuchs die Signa Holding zu einem der größten österreichischen Immobilienunternehmen heran, das seine Fühler längst auch ins Ausland, vor allem nach Deutschland, ausgestreckt hat.

Der erste große Deal, mit dem der Tiroler 2004 auf sich aufmerksam machte, war die Übernahme des Kaufhauses Tyrol in Innsbruck. Später kamen Immobilien in der Wiener Innenstadt wie das "Goldene Quartier" inklusive dem Hotel Park Hyatt, das Bank Austria Kunstforum Wien und die vom Jugendstil-Architekten Otto Wagner konzipierte Österreichische Postsparkasse ebenso hinzu wie das Gebäude der Deutschen Börse in Eschborn, das Hotel Bauer Palazzo in Venedig, das Chrysler Building in New York, das Nobelkaufhaus Selfridges in London, das Warenhaus Globus in der Schweiz oder der Elbtower in Hamburg, dessen Bau ebenso gestoppt wurde wie das Kaufhaus Lamarr in der Wiener Mariahilfer Straße. Das sind nur einige Beispiele für das einst milliardenschwere Immobilienimperium um Benko und seine Signa-Gruppe.

Umgeben von Promis

Benko ist auf Diskretion bedacht, wenn es um sein Privatleben geht. Der mehrfache Familienvater, der ein Ex-Model heiratete, beschränkte seine öffentlichen Äußerungen und Auftritte auf ein Minimum. Seine Verschwiegenheit galt auch für seine Geschäftsergebnisse - in die Bücher seiner bewusst nicht börsennotierten Beteiligungsgesellschaft Signa Holding ließ er Außenstehende in der Regel nicht blicken, insbesondere Gewinn- und Reservezahlen behielt er lieber für sich.

Benko umgab sich gerne mit Prominenten aus Politik und Wirtschaft, die ihm immer wieder beträchtliche Summen anvertraut hatten. Zu seinem herbstlichen Törggelen, dem Südtiroler Brauch mit Maroni-Essen und jungem Wein, erschienen alljährlich Menschen von Rang und Namen aus Wirtschaft, Politik, Medien und Kultur.

Der Unternehmer baute sich ein hochkarätiges Netzwerk auf. In den Aufsichtsräten seiner Gesellschaften saßen unter anderem Ex-SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer, die Wüstenrot-Chefin und Ex-FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess-Hahn, der frühere Bank-Austria-Creditanstalt-Chef Karl Samstag, Ex-RBI-Chef Karl Sevelda sowie der französische Geschäftsmann Robert Peugeot und der Finanzvorstand der deutschen RAG-Stiftung, Jürgen-Johann Rupp.

Der umtriebige Tiroler beließ es nicht beim Immobiliengeschäft, sondern baute nach und nach auch ein Handelsimperium mit teils recht attraktiven Immobilien in zentraler Lage auf. 2012 übernahm er gemeinsam mit dem israelischen Diamantenhändler Beny Steinmetz das berühmte Kaufhaus des Westens, das KaDeWe, in Berlin.

Nachdem sich Benko 2019 auch den Karstadt-Konkurrenten Kaufhof einverleibt hatte, fusionierte er die beiden Kaufhäuser unter dem Dach der "Galeria Karstadt Kaufhof GmbH". Was folgte waren Zahlungsschwierigkeiten, zwei Schutzschirmverfahren, Filialschließungen und die Kündigung Tausender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Österreich stieg Benko kurzzeitig mit Kika/Leiner in den Möbelhandel ein und erwarb Beteiligungen an "Kronen Zeitung" und "Kurier".

Der "Tiroler des Jahres 2011" war nicht unumstritten. Benko stand regelmäßig im Fokus wegen seiner Immobiliengeschäfte, dem Geschäftsgebaren der Signa-Gruppe, seiner offenbaren Nähe zu Politikern und dem Vorwurf der politischen Einflussnahme in Österreich. Im Herbst 2022 hatte es Hausdurchsuchungen bei der Signa-Gruppe durch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gegeben. Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid warf Benko vor, dieser habe ihm einen Job im Signa-Konzern angeboten, wenn Schmid im Gegenzug millionenschwere Steuerangelegenheiten für ihn "auf Schiene" bringe. Benko bestritt sämtliche Vorwürfe.

Nobles Leben trotz Konkurs

Das Jahr 2024 war für Benko nicht gerade gut. Neben der Insolvenz unzähliger Firmen aus der Signa-Gruppe musste der Gründer des eingestürzten Signa-Konglomerats auch als Unternehmer Konkurs anmelden. Die Passiva belaufen sich laut Gläubigerschützer KSV auf 2,43 Mrd. Euro - damit nahm er Rang zwei in der Negativ-Hitparade der sieben größten Pleiten 2024 ein.

Allerdings änderte das vorübergehend - zum Unmut vieler - wenig an seinem Lebensstil. Nach wie vor wohnte der insolvente Unternehmer laut Medienberichten dank Mamas Geschenken in schlossartigen Villen, fuhr mit dem Motorboot auf dem Gardasee und ging mit Politikern jagen. Am 23. Jänner 2025 war dann Schluss damit: Benko wurde in Innsbruck wegen Verdunkelungsgefahr und Tatbegehungsgefahr festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Im Oktober 2025 wurde Benko in Innsbruck wegen betrügerischer Krida nicht rechtskräftig zu zwei Jahren Haft verurteilt, in einem anderen Punkt jedoch freigesprochen. In einem zweiten Verfahren im Dezember desselben Jahres fasste Benko ebenfalls wegen betrügerischer Krida 15 Monate bedingte Haft aus. Nach eingebrachten Rechtsmitteln der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) und der Verteidigung ist auch das zweite Urteil nicht rechtskräftig. Mitte Juni 2026 erhob die WKStA die dritte Anklage gegen Benko und zwar wegen schweren Betrugs und betrügerischer Krida. Benko wies bisher immer alle Vorwürfe zurück.

Heute entscheidende Sitzung

Heute am Donnerstag befasst sich der Oberste Gerichtshof (OGH) mit dem ersten Urteil gegen Benko wegen betrügerischer Krida. Sowohl die WKStA als auch Benkos Verteidigung haben Nichtigkeitsbeschwerden bzw. Berufung eingebracht, über die die Höchstrichterinnen und Höchstrichter nun entscheiden. Auch die Rechtsmittel zum zweiten Prozess liegen bereits beim OGH vor, über die er zu einem späteren Zeitpunkt beraten wird.

Die Aufarbeitung in der Causa Signa geht unterdessen weiter. Die WKStA führt Ermittlungen mit inzwischen 17 voneinander getrennten Sachverhaltssträngen. Benko ist allerdings keineswegs in allen Ermittlungssträngen der Beschuldigte, Vorwürfe betreffen auch andere hochrangige Signa-Funktionsträger.

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