Ukraine-Krieg

Raketen gegen Russland: Trump gibt grünes Licht

Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj sitzen im Gespräch beim NATO-Gipfel in Ankara 2026.
© Getty Images
US-Präsident Donald Trump will der Ukraine eine Lizenz zur Herstellung von Patriot-Abwehrraketen erteilen.
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"Wir haben das Unternehmen noch nicht darüber informiert, aber das wird schon gut gehen", sagte Trump am Mittwoch vor einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Rande des NATO-Gipfels in Ankara. "Das ist ziemlich cool". Patriot-Raketen spielen eine zentrale Rolle in den Bemühungen der Ukraine, den russischen Raketenkrieg zu unterbinden.

Für Selenskyj ist diese Aussicht ein großer Erfolg. Einzig US-amerikanische Flugabwehrsysteme des Typs Patriot sind nach ukrainischen Angaben in der Lage, von Russland eingesetzte ballistische Raketen abzuwehren. Der ukrainische Präsident warb angesichts der verheerenden russischen Angriffe seit Wochen für eine eigene Produktion von Patriot-Flugabwehrraketen. Ungeklärt sind jedoch Fragen zur Finanzierung des Baus einer Produktionsstätte und in welcher Zeit eine Fertigung auf die Beine gestellt werden könnte. Für Russland wäre der Standort auch ein Ziel für Angriffe. Bisher wird die Ukraine von europäischen NATO-Staaten mit Patriot-Systemen beliefert. Deutschland gehört zu den wichtigsten Lieferanten.

Trump lobte die Leistungen des ukrainischen Präsidenten im Krieg gegen Russland und kündigte ein Telefonat mit Kreml-Chef Wladimir Putin an. Dieser wünsche sich ein Treffen in Moskau, sagte der US-Präsident. Trump fragte Selenskyj in diesem Zusammenhang, ob er für Gespräche nach Moskau reisen würde. "Dort ist es derzeit gefährlich, zu viele ukrainische Drohnen", scherzte Selenskyj. Er hatte zuvor gesagt, dass er Putin überall treffen wolle, ausgenommen in Moskau, meldet die Nachrichtenagentur Ukrinform.

Zwei Raffinerien tief im russischen Hinterland brennen

Die Ukraine hat am Mittwoch ihre Schläge gegen den russischen Ölsektor fortgesetzt. In den Raffinerien von Saratow an der Wolga und Nischnekamsk in Tatarstan tief im Hinterland brachen Brände aus, wie ukrainische und russische Telegramkanäle berichteten. Das ukrainische Militär griff zudem neun Tanker der russischen Schattenflotte im Asowschen Meer mit Drohnen an, womit die Gesamtzahl der in den vergangenen 72 Stunden angegriffenen Schiffe auf 19 stieg.

In Saratow knapp 800 Kilometer von der Ukraine entfernt wurde nach Angaben von Gouverneur Roman Bussargin ein Mann getötet. Er bestätigte ansonsten nur Schäden an der zivilen Infrastruktur. Nischnekamsk liegt etwa 1.200 Kilometer von ukrainischem Gebiet entfernt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, bis in der Früh seien über russischem Gebiet 415 feindliche Drohnen abgefangen worden. Solche Zahlen sind nicht unabhängig überprüfbar, sie deuten aber auf einen großen Angriff hin. Ein Brand wurde auch von einem Militärflugplatz im Gebiet Woronesch südlich von Moskau gemeldet.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Attacken auf die beiden Raffinerien. Seinen Angaben nach hat das ihm unterstellte Militär zudem auch Ziele in den Regionen Woronesch und Baschkortostan angegriffen. Das genaue Ziel dieser Attacken nannte er dabei nicht.

Getroffene Tanker waren laut russischem Gouverneur leer

Der Gouverneur der westrussischen Region Rostow, Juri Sljussar, bestätigte in der Früh zumindest Schäden an zwei Schiffen. Diese seien leer gewesen, somit auch kein Öl ins Meer ausgelaufen, schrieb er bei Telegram. Seinen Angaben nach wurden zwei Seeleute bei der Attacke verletzt. Rettungskräfte hätten die Besatzung eines Tankers von Bord gebracht, fügte er hinzu.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Ihre Gegenangriffe auf die russische Ölindustrie haben bereits eine Treibstoffkrise in vielen Regionen verursacht. Mit den Angriffen auf Öltanker soll die Versorgung der vor zwölf Jahren besetzten ukrainischen Halbinsel Krim gestört werden. Auch dort gibt es eine massive Treibstoffkrise, weil die Krim über den nach der Invasion im Jahr 2022 eingerichteten Landkorridor über ukrainisches Gebiet nicht mehr zuverlässig versorgt werden kann.

Kreml: Türkei soll Ukraine von Angriffen auf Energieanlagen abbringen

Der Kreml forderte die Türkei und andere Staaten auf, ihren Einfluss zu nutzen, um die Ukraine von Angriffen auf Energieinfrastruktur abzubringen. Russland wirft der Ukraine vor, die Gazprom-Pumpstation Krasnodarskaja angegriffen zu haben. Über die Anlage wird Erdgas durch die Blue-Stream-Pipeline in die Türkei exportiert. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnet den Angriff vor Journalisten als "sehr gefährlich". Russland ergreife Maßnahmen, um die Gefahr derartiger Angriffe zu minimieren. In der Türkei findet derzeit ein Nato-Gipfel statt.

Heftige Kämpfe in der Südostukraine

Indes dauerten auch die Kämpfe an der Front im Südosten der Ukraine in unverminderter Heftigkeit an. Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte sprach am Dienstag in seinem abendlichen Lagebericht von insgesamt 219 bewaffneten Zusammenstößen an verschiedenen Frontabschnitten. Schwerpunkt der Kämpfe lag bei Pokrowsk im Industrierevier Donbass, wo die russischen Streitkräfte nach Darstellung der Generalität in Kiew über 40 Angriffe gegen ukrainische Stellungen führten.

Russland setzte unterdessen auch seine Angriffe gegen zivile Ziele in der Ukraine fort. Kurz nach Mitternacht Ortszeit wurde die Hauptstadt Kiew von ballistischen Raketen getroffen. Im Zentrum der Dreimillionenstadt war Brandgeruch spürbar, wie ein Reporter berichtete. Bürgermeister Vitali Klitschko informierte bei Telegram über mehrere Brände in zwei Stadtteilen. Der Luftalarm wurde erst mit Verzögerung nach den ersten Explosionen ausgelöst. Dazu kamen Raketenangriffe auf die südukrainische Hafenstadt Odessa und die ostukrainische Großstadt Charkiw.

Sieben Tote bei russischen Angriffen

Bei den russischen Angriffen starben mindestens sieben Menschen. Bei einem Angriff mit Fliegerbomben auf die Stadt Mykolajiw seien eine Mutter und ihre Tochter gestorben, erklärte Regionalgouverneur Vitali Kim. Ihm zufolge wurden zwei weitere Menschen bei dem Angriff verletzt. Zwei weitere Menschen wurden Behördenangaben zufolge in der nordöstlichen Region Charkiw getötet, sowie zwei weitere in der südlichen Region Cherson. In der Region Dnipropetrowsk gab es nach Angaben der dortigen Behörden vier Verletzte durch russische Drohnen- und Artillerieangriffe. Zwei weitere Verletzte wurden aus Saporischschja gemeldet.

Merz sieht "keine Chance" für Sieg Russlands

Der deutsche Kanzler Friedrich Merz rief Russland indes zum Ende seines Feldzugs auf, weil er keine Erfolgsaussichten habe. "Wir werden der Ukraine weiter helfen", sagte er am Mittwoch vor Beginn des NATO-Gipfels in Ankara. "Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen", betonte der Kanzler. "Sie werden die Kriegsziele nicht erreichen, und je schneller wir diesen Krieg beenden, umso besser ist es für Europa, umso besser ist es für Russland und umso besser ist es für den Frieden in der Welt." Merz kündigte an, dass vom NATO-Gipfel eine "klare Botschaft" an Russland gesendet werde und verwies auf die Entscheidung, die Ukraine heuer und kommendes Jahr jeweils mit 70 Milliarden Euro bei seiner Verteidigung gegenüber dem Angreifer zu unterstützen.

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