Genua-Urteil
Nach Brücken-Katastrophe: Zwölf Jahre Haft für Ex-Autobahnchef
Der ehemalige Geschäftsführer der italienischen Autobahngesellschaft ASPI (Autostrade per l ́Italia), Giovanni Castellucci, wurde am Donnerstag von einem Gericht in der Hafenstadt zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Genua hatte 18 Jahre Haft gefordert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Castellucci wurde vorgeworfen, die Arbeiten an dem später eingestürzten Pfeiler Nummer neun verschoben zu haben. Der Manager sitzt in Mailand bereits eine sechsjährige Haftstrafe wegen eines Busunglücks auf der Autobahn A16 in der süditalienischen Provinz Avellino im Jahr 2013 ab. Damals starben 40 Menschen. Nach Darstellung seiner Anwälte, wird Castellucci zum "Sündenbock" gemacht. Dieser habe darauf beharrt, dass Arbeiten zur Verstärkung des Brückenpfeilers vorgenommen würden, sagte der Anwalt.
Die meisten Angeklagten erschienen nicht vor Gericht
Auch die ehemalige Nummer zwei und drei des Autobahnbetreibers ASPI wurden zu Strafen von fünf Jahren und sechs Monaten bzw. elf Jahren verurteilt. Gegen einen hohen für die Aufsicht der Autobahnen zuständigen Funktionär im italienischen Verkehrsministerium wurden fünf Jahre Haft verhängt. Die Staatsanwaltschaft hatte für die 57 Angeklagten insgesamt mehr als 400 Jahre Gefängnis gefordert wegen fahrlässiger Tötung, Gefährdung der Verkehrssicherheit und Urkundenfälschung.
Der Großteil der 57 Angeklagten beim Prozess in Genua, darunter mehrere Manager und Funktionäre des Verkehrsministeriums, erschien nicht vor Gericht. Eine Vertreterin der Opfer-Angehörigen kritisierte das vollständige Fehlen von Schuldeingeständnissen in dem Prozess. Erwartet wird, dass die Verurteilten Einspruch erheben, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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Mammut-Verfahren mit 283 Anhörungen
Das Gerichtsverfahren hatte vier Jahre gedauert, es gab 283 Anhörungen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hätte der Einsturz verhindert werden können, wenn die geplante Verstärkung von Pfeiler neun - jenem Brückenpfeiler, der schließlich versagte - nicht verzögert worden wäre. Die Verteidigung hingegen macht einen Konstruktionsfehler der Brücke verantwortlich. Dieser habe Korrosion begünstigt, die wegen eines verborgenen Mangels an den Tragseilen nicht habe erkannt werden können. Die riesigen Spannseile, die die Brücke trugen, hätten einen verdeckten Defekt aufgewiesen, der mit den damals verfügbaren Mitteln nicht feststellbar gewesen sei.
Die Staatsanwälte verwiesen dagegen darauf, dass der Konstrukteur der Brücke, Riccardo Morandi, selbst regelmäßige und gezielte Überprüfungen der Konstruktion empfohlen habe. Wären diese Kontrollen ordnungsgemäß durchgeführt worden, hätten sie nach Ansicht der Anklage die mangelnde Sicherheit der Brücke aufgezeigt.
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