Berglandmilch und Gmunder Molkerei erhöhen Preise

Im Laufen

Berglandmilch und Tirol Milch bald eins

Die Bildung des neuen Molkerei-Riesen ist in vollem Gange.

Der im Februar unter Auflagen von der Kartellbehörde genehmigte Zusammenschluss der größten österreichischen Molkerei Berglandmilch mit der Nummer vier, Tirol Milch ist voll im Gange, berichtete Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer im Gespräch mit der APA. Erste Synergien würden bereits gehoben, etwa in der Logistik, der Produktentwicklung und im Export.

Milchriese entsteht
Mit dem grünen Licht der Wettbewerbshüter ist ein "Milchriese" mit rund 16.000 Milchlieferanten, 1450 Mitarbeitern und einer jährlichen Milchanlieferung von rund 1.100 Mio. Kilogramm entstanden. Im Jahr 2009 erzielte die Berglandmilch mit ihren Marken Schärdinger und Desserta einen Umsatz von 604 Mio. Euro und die Tirol Milch 136 Mio. Euro, zusammen also rund 750 Mio. Euro. Die Nummer zwei am österreichischen Markt, die niederösterreichische NÖM, kam 2009 auf 345 Mio. Euro.

Tirol Milch bleibt als eigenständige Marke erhalten
"Wir stehen zu den Zusagen, die wir vor der Generalversammlung gemacht haben", stellte Braunshofer fest. Es gebe einen einheitlichen Milchpreis für alle Lieferanten und die Eigenständigkeit der Marke werde hochgehalten: "Wo Tirol Milch draufsteht, muss auch Tirol Milch drinnen sein." Es handle sich um eine starke und extrem gut verwurzelte Marke.

Gutes Klima und gegenseitige Befruchtung
Zum Klima beim Zusammenschluss der beiden Unternehmen erklärte er: "Wir verstehen uns mittlerweile sehr gut und befruchten uns gegenseitig." Die Herausforderung sei groß: Der Kampf im Regal zwischen Markenprodukten und Eigenmarken werde immer stärker. Es gelte, die Konsumenten mit Markenprodukten anzusprechen, bei denen der Mehrwert erkennbar werde.

Optimierung von Abläufen
Bei Berglandmilch und Tirol Milch werde man auch im täglichen Leben die Abläufe optimieren. Gewisse Tätigkeiten sollten gemeinsam erledigt werden, wo es vernünftig sei. So könnten interne Synergien realisiert werden. Beispielsweise bei Innovationen und Produktentwicklungen. Dazu könnten nun die beiden Ideenpools von Tirol Milch und Schärdinger genützt werden. Anschließend gebe es die Entscheidung, wohin welches Erzeugnisse besser passe.

Neue Produkte geplant
Braunshofer kündigte noch für das erste Halbjahr neue Produkte in den Bereichen "Weiß" (etwa Milch, Schlagobers, Joghurt, Topfen) "Bunt" (Milchprodukte mit Fruchtkomponente) und Käse an. Gewisse Exportprodukte sollten im Werk Wörgl produziert werden, weil dessen Abläufe besser entsprechen. Die Käsemengen sollen dort gesteigert werden, dazu seien auch Investitionen geplant. Auch aus Lienz werde das eine oder andere neue Erzeugnis kommen.

Optimierte Belieferung der Handelsketten
Als weiteres Beispiel für Synergien nannte Braunshofer die Geschäftsabwicklung zwischen Berglandmilch und den großen Handelsketten. Von dort kämen keine direkten Bestellungen mehr, sondern es werden über eine EDV-Leitung die Produkt-Abgänge gemeldet. Diese würden mit der nächsten Lieferung wieder aufgefüllt. Künftig werde auch die Tirol Milch in dieses System einbezogen. Ein Lkw liefere dann beide Marken und es gebe einen Lieferschein sowie eine Rechnung.

Gemeinsame Warenwirtschaft und Logistik
Eine gemeinsame Warenwirtschaft und Logistik werde in den kommenden Monaten umgesetzt. Die Exportquote sei bei den zwei Unternehmen bisher mit rund 45 Prozent ziemlich gleich hoch gewesen und werde es künftig auch bleiben. Doch könnten auch hier Synergien auf den Märkten gehoben werden. Auf das Personal kämen deswegen keine drastischen Einschnitte zu, es sei dies auch mit dem natürlichen Abgang zu bewältigen.

"Vernünftiger" Preis für die Bauern
Zum künftigen Milchgeld für die Bauern wollte Braunshofer nur so viel sagen, dass es für April konstant bleibe, danach werde man sehen. Das Ziel sei, einen "vernünftigen" Preis zu erwirtschaften.