Polen verkauft Warschauer Börse

63,8 Prozent

Polen verkauft Warschauer Börse

Wert des Finanzplatzes auf bis zu 500 Mio. Euro geschätzt.

Das polnische Schatzministerium hat den zum Verkauf stehenden Anteil an der Warschauer Börse (GPW) auf 63,8 Prozent festgelegt. Das geht aus einer Aussendung der Börse hervor. Die Nachrichtenagentur Reuters und die Zeitung "Rzeczpospolita" berichten außerdem unabhängig voneinander, dass die Berater der Regierung den Wert der Börse auf insgesamt 1,5 Mrd. Zloty bis 2 Mrd. Zloty (380 Mio. bis 507 Mio. Euro) schätzen.

Privatisierung
Die über die Börse geplante Privatisierung würde dem Staat demnach eine Einnahme von mindestens knapp 1 Mrd. Zloty bringen. Nach Angaben der "Rzeczpospolita" schätzen die Berater den Umsatz der GPW im laufenden Jahr auf 217 Mio. Zloty und im kommenden Jahr auf 252 Mio. Zloty. Der Nettogewinn soll von heuer 86,8 Mio. Zloty auf 119,5 Mio. Zloty im Jahr 2011 steigen. Der Börsengang der Warschauer Börse ist für den 9. November geplant.

Obwohl die Regierung die Mehrheit an der GPW verliert, will sie die Kontrolle über das Unternehmen behalten. Dafür sorgen mehrere Satzungsänderungen. So wird ein Miteigentümer unabhängig von der Größe seines Anteils nur über maximal 10 Prozent der Stimmen bei einer Aktionärshauptversammlung verfügen. Außerdem werden die staatlichen Aktien bevorzugt: Sie sollen bei Abstimmungen doppelt gewichtet werden, sodass der Regierung rund 52 Prozent der Stimmen vorbehalten bleiben.

Die Privatisierung der GPW an einen strategischen Investor war im vergangenen Jahr gescheitert, weil die großen internationalen Börsen kein Interesse bekundeten. Die Wiener Börse, die sich immer wieder ins Gespräch gebracht hatte, war von Warschau als Investor abgelehnt worden. Als Begründung hieß es, sie werde als Konkurrent der GPW in Mittel- und Osteuropa betrachtet.

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