Geglückt: Der Euro ist jetzt gerettet

Börsenhoch

Geglückt: Der Euro ist jetzt gerettet

Am Montag stiegen die Börsenkurse weltweit. Das 750 Milliarden Euro teure EU-Rettungspaket hat gefruchtet. Wie die 27 Finanzminister kämpften.

Gestern ab 9 Uhr früh jubelte Europa. Das größte Rettungspaket in der Geschichte der EU – bis zu 750 Mrd. Euro für die EU-Währung – hatte Früchte getragen. Die Börsenkurse stiegen weltweit klar an. Bereits um 2 Uhr früh beobachteten die 27 EU-Finanzminister gespannt den Börsenstart in Tokio. Und die Erleichterung im Justus-Lipsius-Gebäude in Brüssel war sichtbar. Nach elf Stunden emotionaler Verhandlungen reagierten die Börsen erstmals wieder optimistisch auf den Euro.

Die Stimmung unter den Finanzministern war "zum Zerreißen gespannt“, erzählt VP-Finanzminister Josef Pröll nach Ende der Sitzung um 2.15 Uhr. Es sei immerhin darum gegangen, die "Pleite der EU abzuwenden. Wir wären auf den totalen Kollaps zugesteuert“, sagt Pröll. Der eilig einberufene Sondergipfel der EU-Finanzminister am Sonntag geriet denn auch zum Politkrimi:

15 Uhr. Kollaps von Schäuble: Die 27 EU-Finanz­minister starten im Kommissionsgebäude in Brüssel ihre Beratungen. Eine Schlüsselrolle spielt Deutschlands Wolfgang Schäuble. Er sieht auffallend blass aus und sackt plötzlich zusammen. Der deutsche Finanzminister wird mit der Rettung abtransportiert. Unter den Kollegen bricht Unruhe aus. Alle wissen: "Wir brauchen heute eine Einigung, sonst kollabiert nach Griechenland auch Spanien und damit die EU.“

Der britische Finanzminister Alistair Darling schaltet auf stur: Er sehe nicht ein, warum Großbritannien für Euroländer zahlen solle. Die französische Amtskollegin Christine Lagarde ist empört: Hier gehe es um die „Rettung Europas“. Sie unterstützt das Modell der EU-Kommission. Diese will 600 Mrd. Euro an Krediten zur Verfügung stellen. Das lehnt Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel via Telefon ab. Sie schickt ihren Innenminister Thomas de Maizière von Berlin nach Brüssel. Um 19 Uhr wird die Sitzung unterbrochen. Indes trommelt Frankreichs Nicolas Sarkozy seine Minister zum Krisengipfel in Paris zusammen.

20 Uhr. Obama ruft dauernd an: De Maizière kommt an. Die Sitzung geht weiter. Er schlägt 440 Mrd. Euro bilaterale Hilfen für EU-Krisenländer vor. Jetzt meldet sich Pröll zu Wort: „Wir können nicht 13 Milliarden hergeben“ (das wäre Österreichs Anteil). Die Gespräche werden immer hitziger. Lagarde und De Maizière telefonieren mit ihren Regierungschefs. Sie berichten, dass US-Präsident Barack Obama ständig Merkel und Sarkozy anrufe. Er dränge auf ein großes Rettungspaket – vor Börsenstart, sonst drohe „eine Katastrophe“.

24 Uhr. Deutsche lenken ein: Deutschland bleibt zwar erst stur - es müssten bilaterale Kredite sein, sonst könnten sie geklagt werden. Die kleineren Länder weigern sich. Pröll & Co. treten für „Garantien“ statt Kredite ein. Die Sitzung steht vor dem Scheitern. „Dann geht Europa pleite“, sind sich die Minister um 1 Uhr einig. De Maizière lenkt ein: Deutschland gibt Kredite her, die Kleineren dürfen sich auf Garantien beschränken. Man einigt sich auf das 750-Milliarden-Paket. Die internationalen Börsen lohnen es ...

Nationalbank kauft Anleihen für 1 Milliarde

Österreichs Banken jubeln – nach der Euro-Rettung stieg am Montag nicht nur der ATX um 9,1 %, sondern die Aktien von Erste Group und Raiffeisen explodierten regelrecht: Die Erste-Aktie legte um 15,18%, die von Raiffeisen sogar um 17,5% zu. Hintergrund war – wie ÖSTERREICH aus Bankenkreisen erfuhr – nicht nur die Rettung des Euro durch die EU-Finanzminister, sondern eine „Milliardenspritze“ der Oesterreichischen Nationalbank.

Parallel zur Euro-Rettung durch die EU hatte die EZB (Europäische Zentralbank) gestern in einer Nachtsitzung beschlossen, in einer bisher einzigartigen Aktion europaweit von den Banken die unter Druck geratenen Griechen-Anleihen (aber auch „faule“ Portugal- und Spanien-Anleihen) zurückzukaufen. OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny bestätigte gegenüber ÖSTERREICH: „Die EZB hat beschlossen, auf Märkten zu intervenieren, um sie zu stabilisieren – wir leisten unseren Beitrag und kaufen in Österreich spekulationsgefährdete Anleihen auf.“

Transaktionen in Höhe von 1,2 Mrd. Euro in 5 Stunden

Der Notenbank geht es nicht darum, Banken Risiko abzukaufen, sondern es handelt sich um eine geldpolitische Maßnahme, um die nervösen Märkte zu beruhigen. Laut ÖSTERREICH-Recherchen hat die Nationalbank gestern in 5 Stunden „faule“ Griechen-Anleihen um fast 1,2 Mrd. Euro erworben. Es handelt sich um Käufe am Sekundärmarkt – am Primärmarkt wären es Subventionen. Gouverneur Nowotny betont, dass es sich bei dem Anleihen-Aufkauf um das „ganz normale Veranlagungsbudget der Nationalbank“ handelt.

Geldpolitische Maßnahme zur Beruhigung der Märkte

Wem die Anleihen abgekauft wurden, sagte die OeNB nicht. Fest steht, dass fast alle Banken griechische Staatsanleihen haben. Bei der Erste Group sind es rund 700 Mio. Euro. „Wir haben von unserem Griechenland-Exposure nichts an die Nationalbank verkauft“, so Erste-Group-Sprecher Michael Mauritz. Auch bei der RZB hieß es: „Wir haben keine griechischen Anleihen an die OeNB verkauft.“ Raiffeisen hat ein Griechenland-Exposure von rund 300 Mio. Euro, die Volksbank von 187 Mio. und die BAWAG von 90 Mio. Euro.

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