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Bilanz

BAWAG erhöhte 2011 Gewinn

Trotz hoher Abschreibungen auf Ungarn-Beteiligung stieg Gewinn um 13%.

Die BAWAG PSK hat 2011 wieder in den schwarzen Zahlen beendet und konnte dabei ihren Gewinn leicht steigern. Die Bank, die wegen der Karibik-Geschäfte 2006 am Rande der Pleite gestanden war und dadurch vier Jahre in Folge Verluste gemacht hatte, konnte im vergangenen Jahr ihren Vorsteuergewinn um 13 Prozent auf 156 Mio. Euro steigern, hieß es bei der Bilanzpressekonferenz der Bank am Freitag. Der Rückkauf von 300 Mio. Euro (Nominale) Hybridkapital vor wenigen Wochen hat dem Institut für heuer einen Gewinnpolster von mehr als 100 Mio. Euro beschert.

Für 2012 erwartet Bankchef Byron Haynes "langsameres Wachstum und einen härteren Markt" in Europa - die Situation in Österreich könnte sich vielleicht etwas robuster entwickeln als in Europa im allgemeinen. Die Situation sei wegen der noch nicht ausgestandenen Staatsschuldenkrise, niedrigen Zinsen und Druck auf die Margen schwierig. Für die europäische Schuldenkrise ist die BAWAG nach eigener Darstellung nur mehr geringfügig verwundbar, das Exposure gegenüber griechischen und spanischen Anleihen beträgt nach Griechenland-Abschreibungen von 32 Mio. Euro 2011 alles in allem nur mehr 23 Millionen.

Rotz der schwierigen Rahmenbedingungen will  die BAWAG ihren Expansionskurs (Filialen, Kundenbetreuung, E-Banking) fortsetzen, erklärte Haynes, der seit zweieinhalb Jahren an der Spitze des Instituts steht. Die laufende Modernisierung des Filialnetzes soll von 330 auf 500 Zweigstellen ausgedehnt werden.

Die BAWAG hat im vergangenen Jahr erstmals Banksteuer (20,2 Mio. Euro) gezahlt, für das staatliche Partizipationskapital hat sie 51,2 Mio. Euro Jahresdividende ausgeschüttet. Eine baldige Rückzahlung des staatlichen Partizipationskapitals (550 Mio. Euro) schloss Haynes angesichts der anhaltenden Unsicherheit im Bankensektor aus - "2012 und 2013 sicher nicht".

Die harte Kernkapitalquote ("Tier 1") befand sich Ende 2011 bei 9,6 Prozent und lag damit über dem von den europäischen Bankenaufsehern für 30. Juni 2012 verlangten Wert. Die BAWAG hat vergangene Woche aber Hybridkapital mit einem Abschlag von 30 Prozent zurückgekauft und erwartet sich daraus eine weitere Erhöhung der Tier-1-Quote im Ausmaß von 0,4 und 0,5 Prozentpunkten. Der Vorgang wird ferner zu Buchgewinnen in Höhe von 105 Mio. Euro führen (UGB).

In welchem Ausmaß die Abwertung eigener Anleihen 2011 zum Gewinn beigetragen hatte, wollte die BAWAG nicht beziffern - betont wurde dagegen, dass jedes Geschäftsfeld höheren operativen Gewinn gemacht habe und dass die Risikokosten/-vorsorgen um 45 Mio. Euro gesunken seien. In dem Posten sind auch 8 Mio. Euro Abschreibungen auf den bis vor kurzem 10-prozentigen Anteil an der ungarischen MKB enthalten. Inzwischen hat die Bank ihr Kapital erhöht, ohne dass die Österreicher mitgezogen wären, Ihr Anteil ist damit auf unter 5 Prozent gefallen.

Die US-Finanzgruppe Cerberus, die Anfang 2007 dem ÖGB um 3,3 Mrd. Euro die BAWAG abgekauft (und ihn damit gerettet) hatte, habe  sich vorerst von allen Ausstiegsgedanken verabschiedet, legte Haynes nahe. "Cerberus unterstützt unseren Wachstumskurs voll." Eine BAWAG-Beteiligung/Teilübernahme der ÖVAG wurde erneut ausgeschlossen.

Bedeckt hielt sich der BAWAG-Vorstand zum Ausmaß der 2011 vorgenommenen "Bewertungsanpassungen" für einen juristisch umstrittenen Zinsswap mit der Stadt Linz - eine Causa, zu der mehrere Verfahren laufen. Die Rechtsposition der BAWAG sei gut, ein Vergleich trotzdem nicht ganz auszuschließen, sagte Hyanes. "In der Zwischenzeit treiben wir die Verfahren voran."

Laut Finanzvorstand Andreas Arndt hat die Bank bei den jüngsten langfristigen Refinanzierungsgeschäften der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen 2 Mrd. Euro abgeholt, mit dem Ziel, damit andere kostenspieligere Finanzierungen zu ersetzen.

Die Bank gab am Freitag ferner die Bestellung eines weiteren Vorstands bekannt: Jochen Klöpper (41) übernimmt am 2. April die Position des Chief Risk Officers (CRO), die Vorstandschef Haynes bisher miterfüllte.
 

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