Dienstleistungs-Scheck entwickelt sich

Einnahmen steigen

Dienstleistungs-Scheck entwickelt sich

Die Einnahmen steigen zwar langsam, trotzdem ist das Projekt kein Hit.

Der Dienstleistungsscheck, ein Prestigeprojekt des damaligen Wirtschaftsministers Martin Bartenstein (V), beginnt sich langsam zu entwickeln. Wurden in der Anfangsphase des Projekts zur Legalisierung etwa von Putzfrauen und Gartenarbeitern kaum 100.000 Euro pro Monat eingenommen, sind es mittlerweile deutlich über 200.000. Trotzdem wird der Großteil dieser Haushaltshilfstätigkeiten schwarz erledigt. Pfusch-Experte Friedrich Schneider von der Uni Linz geht von einem Faktor acht aus.

Nur zum Teil legalisiert
Im Juni dieses Jahres haben insgesamt 2.359 Personen einen Dienstleistungsscheck eingelöst. Der Gesamtwert der in Zahlung gebrachten Scheine betrug 225.799 Euro. Das heißt, ein Beschäftigter kam im Schnitt auf monatlich gut 100 Euro. Schneider, der zahlreiche Studien zur Schattenwirtschaft veröffentlicht hat, ist überzeugt, dass diese Summe nicht dem wahren Einkommen entspricht, der Rest also schwarz bezahlt wird.

Vorstellen kann man sich das etwa so, dass eine Putzfrau wöchentlich in zehn Haushalten tätig ist. Zwei davon entscheiden sich dafür, sie legal zu entlohnen, der Rest zahlt schwarz. Sprich, die Arbeitskraft wird nicht zur Gänze legalisiert, sondern nur bei einem kleinen Teil ihrer Berufstätigkeit.

Zu bürokratisch?
Dass der Dienstleistungsscheck noch immer nicht so recht in Fahrt kommt, liegt nach Ansicht Schneiders an den Rahmenbedingungen. Mancher Haushalt wäre durchaus bereit, die Hilfskraft auf diesem Weg zu entlohnen, wäre das unbürokratischer möglich. Am besten wäre es nach Ansicht des Linzer Uni-Professors, wenn der Scheck einfach bei einer Trafik oder einer Bank einzulösen wäre.

Derzeit ist das nicht möglich. Zwar kann der Dienstgeber die Dienstleistungsschecks in Höhe von 5 bzw. 10 Euro bei Trafiken oder Postämtern erwerben, die Auszahlung erfolgt aber durch die Gebietskrankenkassen, bei denen die Dienstnehmer ihre Schecks einreichen müssen.

Österreicher "pfuschen" am meisten
Widersprochen wird von Schneider Theorien, wonach der Dienstleistungsscheck vor allem deshalb nicht im gewünschten Ausmaß läuft, da viele im Haushalt tätigen Personen wegen fehlender Arbeitsgenehmigung nicht auf dem Weg entlohnt werden können: "Zwei Drittel der Pfuscher sind selbstständig oder unselbstständig Beschäftigte Österreicher." Dazu kämen noch Hausfrauen und Pensionisten, wodurch am Ende nur noch 15 Prozent Pfuscher übrig blieben, die keine Arbeitsgenehmigung in Österreich hätten: "Die polnische Putzfrau, die illegal hier einreist und putzt, gibt es immer weniger."

Großer Schaden
Volkswirtschaftlicher Schaden wird durch die Schattenwirtschaft jedenfalls zur Genüge angerichtet. Laut Schneider-Studie lag der Pfusch im Vorjahr bei 20,50 Mrd. und soll heuer sogar auf 21,32 Mrd. oder 8,67 Prozent des offiziellen BIP wachsen. Das größte Volumen fällt auf das Baugewerbe (mit 39 Prozent), im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen (wie z.B. Nachhilfe, Friseur oder Babysitten) werden 17 Prozent des Schattenwirtschaftsvolumens erwirtschaftet.