Portugal

"Schnell unter Schirm nehmen"

Finanzexperte: EU-Rettung auch für Portugal

Portugal sollte unter Rettungsschirm schlüpfen, damit sich die Märkte beruhigen.

Eine Gefahr für die Stabilität des Euro bedeuteten Hilfen für das südeuropäische Land nicht, sagte der Direktor des Instituts für Finanzwissenschaft an der Universität Münster, Johannes Becker, gegenüber der dpa.

"Portugal ist einfach zu klein: Es hat ein Bruttoinlandsprodukt von 170 Mrd. Euro", sagte der Forscher. "Das ist im Vergleich zu den 2,4 Bill. Deutschlands sehr wenig. Wir sollten Portugal ruhig schnell unter den Schirm nehmen."

Defizit überschaubar
Das Defizit von Portugal betrage zurzeit 17 Mrd. Euro, sagte Becker. Das sei viel für Portugal, aber überschaubar im Vergleich mit dem EU-Rettungsschirm, der insgesamt 750 Mrd. Euro umfasst. Daher sei es zu verkraften, Portugal Mittel aus dem Rettungsfonds zur Verfügung zu stellen. "Zumal es sich erstmal um Bürgschaften handelt, die nicht direkt zu Zahlungen führen."

Ein schnelles Hilfesignal könne zudem bewirken, dass sich die Finanzmärkte beruhigen, sagte Becker. Der Forscher ist jedoch für strenge Schuldenregeln, sobald die Krise vorbei ist. Sie sollen sicherstellen, dass ein Staat nur bis zu einem geringen Prozentsatz Schulden macht. "Denn in guten Zeiten lässt die Haushaltsdisziplin wieder nach." Portugals Ministerpräsident Jose Socrates Socrates hatte zuletzt beteuert, sein Land werde - anders als Griechenland und zuletzt auch Irland - keine finanzielle Hilfe beantragen.

Keine Sorge um Spanien
An einen Dominoeffekt durch eine mögliche Aufnahme Portugals in den Schirm glaubt Becker nicht. "Es gilt eher das Gegenteil: Portugal in der Schwebe zu lassen, vergrößert die Nervosität an den Märkten." Eine schnelle und entschlossene Rettungsaktion könne hier Abhilfe schaffen. "Ein Problem gibt es erst, wenn Spanien und Italien ins Strudeln geraten." Spaniens Bruttoinlandsprodukt liege bei 40 Prozent von dem der Deutschen, da hätten auch die Defizite eine andere Dimension. "Aber die Spanier sind schon weit in ihrem Sparprogramm. Wenn es dabei bleibt, muss man sich keine Sorgen machen."