Griechen konsumierten zu viel

Seit dem Euro-Beitritt

Griechen konsumierten zu viel

Während der Staat sich verschuldete, war die Bevölkerung überaus glücklich.

Die Sicherheit der Währungsunion hat in Griechenland als "Schlafpille" gewirkt und vorhandene Ungleichgewichte zugedeckt. Die Griechen konsumierten fleißig, sie importierten mehr als sie exportierten und der Staat machte Schulden - mindestens 3,1 Prozent des BIP im Jahr. Dabei waren sie überdurchschnittlich glücklich - die Selbstmordrate lag mit 2,8 je 100.000 weit unter dem EU-Schnitt, merkte Gikas Hardouvelis von der griechischen Eurobank am Montag in einem Vortrag am Joint Vienna Institute in Wien an.

BIP mit hohem Anteil an Privatkonsum
Die Wirtschaft des Landes wuchs deutlich schneller als der EU-Schnitt, der Anteil des privaten Konsums am BIP lag zugleich mit 73 Prozent weit höher als in anderen EU-Staaten. Konsum von Haushalten und Staat machte 2001-2008 rund 90 Prozent des BIP aus - mehr als in den USA. Aber die Wirtschaft war nicht konkurrenzfähig. Die Schattenwirtschaft kam auf ein Viertel des BIP. Im Weltbank-Ranking, wie einfach es ist Geschäfte zu betreiben, kam Griechenland nur auf Platz 109 von 183 Staaten. Das wirkte sich neben den Defiziten bei Leistungsbilanz und Staatshaushalt in einer deutlich über dem EU-Schnitt liegenden Inflationsrate aus, so Hardouvelis.

Dafür stehen die griechischen Banken sehr gut da. Sie haben weder aufgeblähte Kredite noch toxische Papiere im Portfolio, lobt der Finanzprofessor an der Universität von Piräus: "Sie sind Opfer des Staatssektors."

Hardouvelles befürchtet weitere Vertrauenskrise
Hardouvelis zweifelt daran, dass Griechenland schon 2012 wieder das Vertrauen der Märkte haben wird. Der Privatsektor müsse wohl auf einen Teil seiner Forderungen verzichten (Haircut). Eine Auflösung der Eurozone komme nicht in Frage, dazu sei "zu viel politisches Kapital investiert worden". Und eine Stärkung der Eurozone in Richtung Transferunion sei wohl ebenfalls nicht realistisch.

"Ein Risiko für Griechenland" sei derzeit angesichts steigender Inflation die Europäische Zentralbank (EZB), meint Hardouvelis. Denn die Währungshüter könnten irgendwann sagen "vergesst die Südländer" und nicht nur die Zinsen deutlich erhöhen, sondern auch nicht mehr als Geldgeber am Markt aktiv sein. Deutsche Banken reduzierten zuletzt ihre Abhängigkeit von der EZB drastisch, das könnte den Druck auf Institute in Irland und Griechenland steiger.