Linken-Chef Tsipras droht mit Euro-Aus

Griechenland

Linken-Chef Tsipras droht mit Euro-Aus

 SYRIZA-Chef: "Am Sonntag ist die Angst vorbei!"

Der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (SYRIZA), Alexis Tsipras, will den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone und der EU "nicht um jeden Preis". "Wir sagen Ja zur Euro-Zone, Ja zum Euro, aber nicht, wenn das Volk sich dafür beugen muss - nicht um jeden Preis." Der Anführer des kritischen Linksbündnisses sprach auf einer Wahlkundgebung am Donnerstagabend in Athen.

Tsipras rief die griechische Linke dazu auf, sich hinter ihn zu stellen. Er werde in einer Regierung keinen Minister der sozialistischen PASOK dulden. Der SYRIZA-Chef zeigte sich überzeugt, nach der Parlamentswahl am Sonntag eine Mehrheit hinter sich zu haben. "Am Sonntag ist die Angst vorbei!", sagte er.

Tsipras für "Regierung aller Griechen"
"Das Memorandum des Bankrotts wird am Montag der Vergangenheit angehören", sagte SYRIZA-Chef Alexis Tsipras. Tsipras plädierte zugleich für eine "Regierung aller Griechen" nach den Wahlen. Am Montag werde SYRIZA im Falle eines Wahlsiegs eine "Regierung aller Griechen" aufstellen, die den Verbleib des Landes in der Eurozone sichern werde, versprach er. Seine Partei sei für den Euro und für einen "nationalen Plan zur wirtschaftlichen Erholung", der die Menschen vor einer Pleite bewahre.

Befürchtungen, seine Haltung könne in den Finanzmärkten eine Panik auslösen und die EU-Partnern verunsichern, wies der linke Politiker von sich. Es wehe ein "neuer Wind" in Europa, dies habe die Wahl des Sozialisten Francois Hollande in Frankreich gezeigt. Überdies zeige das Beispiel Spaniens, dass es möglich sei, ohne Sparauflagen im Euro zu bleiben.

Tsipras grenzte sich zugleich von seinem stärksten Kontrahenten Antonis Samaras ab, dem Chef der konservativen Nea Dimokratia (ND). Dieser stehe für das "Europa der Vergangenheit von (Bundeskanzlerin Angela) Merkel". Er hingegen verkörpere das "Europa der Zukunft". Bei der Wahl am Sonntag wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SYRIZA und den Konservativen erwartet.

Die Menge nahm die Rede begeistert auf. In Sprechchören wurde ein Votum gegen die Parteiführer Evangelos Venizelos der Sozialisten und Antonis Samaras der Konservativen gefordert. "Kein Venizelos, kein Samaras, für die Linke ist die Zeit gekommen", skandierten Zuhörer, die sich an dem sommerlichen Abend am Omonia-Platz zusammengefunden hatten. Bei der Schlusskundgebung zeigten auch kommunistische Splittergruppen innerhalb der Sammelbewegung SYRIZA ihre Stärke, so waren Dutzende Fahnen der "Kommunistischen Organisation Griechenlands" zu sehen.

Androsch: "Geschickte Argumentation"
Der frühere SP-Finanzminister Hannes Androsch nannte in der "ZiB2" die Worte von Tsipras eine "geschickte Argumentation". Griechenland könne die verpasste Therapie nicht tragen, eine "verkraftbare Therapie" sei notwendig. "Man wird nachlassen müssen", so Androsch, der für ein "ausgewogenes Gesamtkonzept" plädierte. Dieses würde mehrere Jahre in Anspruch nehmen, die Ursachen der Krise seien bisher nicht bekämpft worden. Ein Gesamtkonzept sei "in unserem Interesse" notwendig: "Es muss auf den Tisch, wir haben uns geholfen nicht den griechischen Banken". Die Transferunion gelte für ganz Europa. Österreich würde die Krise bis zu 11 Milliarden Euro kosten, Deutschland und Frankreich aber bis zu 200 Milliarden Euro.

Euro-Finanzminister halten Telefonkonferenz
Die Euro-Finanzminister wollen am Sonntagabend in einer Telefonkonferenz über das Ergebnis der Griechenland-Wahl beraten. Die Hauptsorge sei das Risiko von größeren Kapitalabflüssen, sollte sich Syriza eindeutig durchsetzen, sagte einer der Vertreter. Ein weiterer Vertreter ergänzte, es gehe hauptsächlich dabei noch nicht einmal hauptsächlich um einen Sturm auf die Banken am Montag. Durch Internetbanking sei es möglich, dass Kunden noch am Sonntagabend Transfers tätigten

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