Wall Street Börse

Preise purzeln

Industriestaaten fluten Märkte mit Öl

Benzin könnte bald billiger werden - Ölpreis stark gesunken.

Die Internationale Energieagentur (IEA) kündigte am Donnerstag an, 60 Millionen Barrel an Rohöl auf den Markt zu werfen, um damit die Förderausfälle aus dem kriegsgebeutelten Libyen auszugleichen.

Der Preis für ein Fass (je 159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank bis zum späten Donnerstagnachmittag deutscher Zeit um rund 4 Prozent auf unter 91 Dollar. Die Nordseesorte Brent gab ähnlich stark nach.

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Ausfälle in Libyen
Die IEA begründete den überraschenden Schritt damit, dass die Ausfälle in Libyen stärker seien als bisher angenommen. Zudem könnte der im Sommer übliche Anstieg der Nachfrage in den Ölraffinerien zu Engpässen führen. In der Organisation haben sich 28 Länder zusammengeschlossen, um nach den Erfahrungen der Ölkrise in den 1970-er Jahren ihre Versorgung sicherzustellen. Deutschland gehört zu den Gründungsmitgliedern.

Alleine 30 Millionen Barrel stellen die USA zur Verfügung. Dazu zapfen sie ihre strategischen Ölreserven an, wie das Energieministerium erklärte. Die Reserven seien derzeit auf einem historischen Höchststand von 727 Millionen Barrel. Das Öl gelangt nach und nach  in den kommenden 30 Tagen auf den Markt. "Wir werden die Situation weiter beobachten und stehen für zusätzlich nötige Schritte bereit", sagte Energieminister Steven Chu.

Österreich zapft Reserven nicht an
Weil Österreich nur weniger als als ein Prozent der angestrebten 60 Millionen Barrel freigeben müsste verzichtet die IEA auf einen österreichischen Beitrag. "Österreich hält seine Notstandsreserven grundsätzlich für tatsächliche physische Engpässe bereit, die es aber trotz der Folgen der Libyen-Krise nicht gibt", ließ der für Energiefragen zuständige Minister Reinhold Mitterlehner (V) erklären.

Mit Ende März hatte Österreich rund 116 Tage des Vorjahresverbrauchs auf Lager. Das entspricht circa 3,1 Millionen Tonnen bzw. 19,5 Millionen Barrel.

Minister verlangt Spritpreissenkung
Frankreichs Industrieminister Eric Besson forderte die Mineralölkonzerne zu einer sofortigen Spritpreissenkung auf. Die Mineralölkonzerne stünden nun in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Entscheidung der IEA auch bei den privaten Haushalten ankomme, erklärte Besson am Donnerstagabend in Paris. Der französische Mineralölkonzern Total habe seine Forderung bereits "zustimmend" zur Kenntnis genommen, erklärte Besson.

Der ÖAMTC forderte heute mit Verweis auf die fallenden Rohölpreise eine Senkung der Zapfsäulenpreise um mindestens 3 Cent je Liter.