Irland

Portugal, Spanien in Gefahr

Irland-Krise: Märkte fürchten Ausweitung

Trotz des Milliarden-Schutzschirms für Irland bleiben Anleger misstrauisch.

An den Finanzmärkten breiten sich trotz des Milliarden-Schutzschirms für Irland Ängste vor einem Ausweiten der Euro-Schuldenkrise aus. Misstrauische Anleger zwangen am Dienstag das hoch verschuldete Spanien dazu, für neue Kredite deutlich höhere Zinsen zu zahlen als bisher.

Auch die Gefahrenzulagen für die Staatsanleihen anderer schuldengeplagter Länder wie Irland, Griechenland und Portugal legten deutlich zu. Vor allem sorgte die politische Krise in Irland für Sorgenfalten bei den Anlegern. So blieb völlig unklar, ob die angeschlagene Regierung einen Nothaushalt auf die Beine stellen und damit den Weg für Finanzhilfen ebnen kann. Dagegen sicherte sich Griechenland mit seinen Sparanstrengungen weitere Milliardenhilfen von EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

Zinsen für Spanien verdoppelt
Spanien konnte sich am Finanzmarkt mit dem Verkauf von Staatsanleihen insgesamt 3,3 Mrd. Euro leihen. Dabei musste das Land aber trotz einer regen Nachfrage teilweise fast doppelt so hohe Zinsen zahlen wie noch Ende Oktober. "Verglichen mit der vorigen Auktion zeigt das, dass die Lage für Spanien brenzliger wird", erklärte Commerzbank-Stratege David Schnautz. Der Risikoaufschlag auf spanische Anleihen kletterte auf den höchsten Stand seit der Euro-Gründung.

Die Anleger sind nicht davon überzeugt, dass mit der Hilfe für Irland nun einen Schlussstrich unter die Haushalts- und Bankenprobleme vieler EU-Länder gezogen wird. "Die Märkte gucken noch immer, wer als nächstes dran ist: Portugal oder Spanien?", sagte der Anleihehändler Charles Berry von der Landesbank Baden-Württemberg. Für ihn war die Antwort klar: "Viele wirtschaftliche Kennziffern aus Portugal sind sogar schlechter als die irischen. Man muss also kein Prophet sein, um zu sagen, dass Portugal als nächstes mehr Geld brauchen wird."

Unsichere politische Entwicklung
Die politische Entwicklung in Irland schürt weitere Unruhe unter den Anlegern. Das Schicksal der Regierung von Ministerpräsident Brian Cowen in Dublin hängt am seidenen Faden - und damit auch die Auszahlung erster Hilfen unter dem Rettungsschirm von IWF und EU. Cowen will vor Neuwahlen zunächst einen Sparhaushalt durchs Parlament bringen - eine Voraussetzung für die Geldspritze aus Brüssel. Eine Mehrheit für das Budget ist ihm jedoch alles andere als gewiss und die Forderungen der Opposition nach sofortigen Neuwahlen werden lauter. Die Oppositionspartei Sinn Fein kündigte an, sich für einen Misstrauensantrag starkzumachen. Die EU forderte Irland deshalb erneut eindringlich dazu auf, den Sparhaushalt rechtzeitig zu verabschieden.