Indien ist schon jetzt die sechstgrößte Wirtschaftsmacht: Die Aussichten.
Bereits im Jahr 2023 hat Indien China als bevölkerungsreichstes Land der Welt überholt, und das wird so weitergehen, weil seine Bevölkerung viel jünger ist. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, das Chinas Bevölkerung bis 2050 auf 1,3 Milliarden Menschen schrumpft, während Indien dann fast 1,7 Milliarden Einwohner haben wird. Auch das Wirtschaftswachstum lag 2025 mit 6,5 Prozent deutlich über dem Chinas (5 Prozent). Laut Prognosen wird Indien bis zum Ende des Jahrzehnts mit diesem Tempo weiterwachsen, während Chinas Wachstum eher bei 4 Prozent liegen soll.
Doch während China mit seiner riesigen Industrie einen gigantischen Handelsbilanzüberschuss erwirtschaftet, ist Indien noch weniger stark entwickelt: Die Wirtschaftsleistung pro Kopf (BIP) liegt bei rund 2.800 Dollar, während es in China 13.800 Dollar sind. Viel aufzuholen also – und viel Potenzial. Derzeit ist Indien die sechstgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, bis zum Ende des Jahrzehnts könnte es die drittgrößte sein.
Neue Chancen
Chancen könnte das neue EU-Indien-Handelsabkommen vor allem für österreichische Industriebetriebe bringen, denn die Zölle, die bisher teilweise über 100 Prozent betrugen, werden schrittweise gesenkt. Viele Unternehmen sind bereits seit Jahrzehnten in dem riesigen Land präsent, rund 160 Niederlassungen österreichischer Unternehmen gibt es in Indien insgesamt. So hat etwa Leiterplattenhersteller AT&S im Vorjahr das 25-jährige Jubiläum seiner Fabrik in Nanjangud (Südindien) gefeiert.
Auch die voestalpine produziert seit langem Stahl vor Ort, der Maschinenbauer Andritz ist in Indien aktiv u.v.m. Das bedeutet freilich auch, dass manche dieser Unternehmen wohl kurzfristig nur wenig von Zollsenkungen profitieren würden, schließlich sind sie ja bereits vor Ort. Doch wenn zum Beispiel ein europäischer Maschinenbauer oder Autohersteller künftig mehr Produkte nach Indien liefern kann und dabei Stahl, Elektronik oder chemische Produkte aus Österreich verbaut, könnte sich das wohltuend in den Bilanzen niederschlagen. Mittel- bis langfristig könnte Indien laut Wifo für Österreichs Wirtschaft ebenso wichtig werden wie die USA oder China.
Noch gibt es kein Abkommen
Doch vorerst ist ohnehin Warten angesagt, denn bis jetzt wurde erst einmal eine Art hochdiplomatische Absichtserklärung besiegelt: Das eigentliche Handelsabkommen wird jetzt erst Paragraph für Paragraph geprüft und muss am Ende von den nationalen Parlamenten der EU ratifiziert werden. Indiens Premier Narendra Modi hofft auf ein Finish bis Anfang 2027.