Gerichtsstreit verhindert Anteilsausweitung

Dogan verzichtet auf Teilverkauf an Springer

Die türkische Mediengruppe Dogan verzichtet wegen des laufenden Steuerstreits mit der Regierung auf einen stärkeren Einstieg des deutschen Axel-Springer-Konzerns. Das Vorhaben könne nicht realisiert werden, zitierten türkische Medien das Unternehmen.

Bei der Dogan TV Holding, an der Springer bereits Anteile hält, werde es eine Kapitalerhöhung in Höhe von 385 Mio. Euro geben, ohne dass sich Springer daran beteilige. Der deutsche Medienkonzern hatte im November 2009 angekündigt, 29 % der Anteile an der Dogan-Holding ("Hürriyet", "Milliyet") zu kaufen. Voraussetzung sei aber, dass "laufende steuerliche und regulatorische Verfahren erfolgreich beigelegt werden". Springer ist bereits mit knapp 10 % an der Dogan-Holding beteiligt und hält 25 % an Dogan TV.

Dogan, die führende Mediengruppe der Türkei, hatte sich mit der Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan angelegt. Die Spannungen waren gestiegen, nachdem Dogan-Medien über einen Spendenskandal im Umfeld AKP berichtet hatten.

Die Behörden beschuldigen Dogan danach unter anderem, für Einnahmen, die beim Verkauf von Anteilen zwischen Unternehmen der Gruppe sowie an Axel Springer erzielt wurden, nicht ausreichend Steuern gezahlt zu haben. Wegen umstrittener Steuervergehen soll Dogan insgesamt 4,8 Mrd. Lira (2,33 Mrd. Euro) an Strafen zahlen. Der Streit wird vor türkischen Gerichten ausgetragen.