Fellner gegen "Regulierungswahn"

Medientage

Fellner gegen "Regulierungswahn"

ÖSTERREICH-Herausgeber kritisiert bestehende Presseförderung.

"Auf einem guten Weg" sieht "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner die heimischen Medien hinsichtlich ihrer Kontrollfunktion. Nicht zuletzt Korruptionsfälle wie etwa die Telekom-Affäre hätten gezeigt, dass die Medien "auch gegen Großinserenten" eine treibende Rolle gespielt und Aufklärungsarbeit geleistet hätten. Kritisch äußerte sich Fellner hingegen zur Presseförderung in ihrer aktuellen Form und Vorschlägen, der Staat solle regulierend in die Online-Welt eingreifen.

Kritik an bestehender Presseförderung
"Die Presseförderung geht derzeit in die völlig falsche Richtung", sagte Fellner heute, Dienstag, im Rahmen einer Podiumsdiskussion bei den Österreichischen Medientagen. Zwar habe die Vielfalt in der heimischen Medienlandschaft sowohl am Print- wie TV-Sektor zugenommen, aber in ihrer jetzigen Form seien die Förderungen, u.a. auch "das staatliche Gelddoping für den ORF", nicht richtig. Fellner schätze zwar die Arbeit des ORF, allerdings werden aus seiner Sicht die privaten Sender extrem behindert. Gleiches gelte auch für die Online-Medien, wobei er sich dezidiert gegen einen regulierenden Eingriff des Staates aussprach.

"Natürlich" seien die Verlage, die zu einem Gutteil ihre Inhalt gratis im Internet zur Verfügung stellen, selber Schuld, "weil sie lange das Internet verschlafen und geglaubt haben, das Printsystem bleibt erhalten", betonte Fellner. Wo im Zuge der Digitalisierung, die aus der Sicht des Herausgebers "unser gesamtes Leben, aber auch die Medienwelt und die Wirtschaft extrem verändern wird", nun die finanziellen Mittel zu lukrieren sind, ließ er zwar offen. Allerdings warnte er davor, diesbezüglich "eine Regulierungsdiskussion zu führen". Österreich sei ohnehin ein "überreguliertes Land".

"Enorme Zukunftschancen"
Statt einer nationalstaatlichen bzw. einer europaweiten Perspektive müsste dieses Thema weltweit angegangen werden. Die demokratischen Möglichkeiten des Internet würden "enorme Zukunftschancen" beinhalten, gleichzeitig müsse man aber der Gefahr von Monopolen begegnen. In diesem Zusammenhang sprach Fellner etwa Google oder Facebook an, die "nicht nur Inhalte und den Zugang, sondern quasi den User selbst besitzen". Aus österreichischer Sicht zu glauben, diesen Konzernen ein Regelwerk vorzuschieben, ist Fellner zufolge "wahnwitzig". Ein Regelwerk sei zwar notwendig, dafür brauche es aber zunächst eine "sehr ernsthafte Diskussion", die vor allem auf globaler Ebene geführt werden müsse.

Letztlich zog Fellner aber positives Resümee, orte er doch durch das digitale Geschäft "enorme Bewegung am Markt". Medienunternehmer müssten sich neuen Geschäftsmodellen gegenüber offen zeigen, um auch die Unabhängigkeit der Medien zu garantieren. "Vom staatlichen Regulierungswahn wird man sich verabschieden müssen", erklärte der Herausgeber.