Frühling und Herbst entwickeln sich zunehmend zu starken Reisezeiten. Auf der ITB in Berlin präsentierten Österreich Werbung, das Salzkammergut, Saalfelden Leogang und die Esterhazy Betriebe Strategien, wie Kooperation, Kultur und neue Angebote den Tourismus über das ganze Jahr stärken sollen.
ITB 2026: Österreich Werbung promotet Ganzjahrestourismus
Der österreichische Tourismus richtet sich strategisch neu aus: Weg von der starken Abhängigkeit von Sommer- und Wintersaison, hin zu einer stabilen Nachfrage über das gesamte Jahr. Beim Pressegespräch auf der ITB in Berlin stellte die Österreich Werbung gemeinsam mit den Regionen Salzkammergut und Saalfelden Leogang sowie den Esterhazy Betrieben vor, wie dieser Wandel gelingen soll. „Ganzjahrestourismus ist für uns eine strategische Zukunftsfrage. Es geht darum, Wertschöpfung zu stabilisieren, Nachfrage besser zu verteilen und Österreich ganzjährig thematisch klar zu positionieren“, sagte Astrid Steharnig-Staudinger, CEO der Österreich Werbung.
Holger Sicking (Leiter Tourismusforschung & Data Analytics, Österreich Werbung)
Frühling und Herbst gewinnen an Bedeutung
Die Zahlen zeigen, dass sich der Trend bereits deutlich abzeichnet. 2025 war nicht nur das nächtigungsstärkste Jahr, sondern auch das ausgewogenste in der Tourismusgeschichte des Landes. Bereits 28,1 Prozent aller Nächtigungen entfielen auf die Monate April, Mai, September, Oktober und November. Auch auf der Nachfrageseite wächst das Interesse. Laut Sommerpotenzialstudie 2025 wollen 7,7 Millionen Menschen in den europäischen Kernmärkten Österreich bewusst außerhalb der klassischen Hauptsaison erleben. Zwei Drittel der europäischen Sommerplanerinnen und -planer ziehen Reisen im Frühling oder Herbst in Betracht. „Ganzjahrestourismus bringt Stabilität, Planbarkeit und Wertschöpfung für Betriebe, Regionen und den Arbeitsmarkt. Die Daten zeigen, dass Österreich hier bereits auf einem guten Weg ist“, so Steharnig-Staudinger.
Salzkammergut nicht nur Sommerfrische-Destination.
Salzkammergut setzt auf „365 Tage Authentizität“
Wie dieser Wandel konkret umgesetzt wird, zeigt das Salzkammergut. Die Region, traditionell stark als Sommerfrische-Destination bekannt, hat ihre touristische Strategie neu ausgerichtet. „Wir haben die Saison als Zeitmaßstab abgeschafft. Statt 100 Tagen Hochbetrieb setzen wir auf 365 Tage Authentizität“, erklärte Stefan Brandlehner, Geschäftsführer der Salzkammergut Tourismus Marketing GmbH. Ziel sei nicht die maximale Anzahl an Gästen, sondern ein hoher Erholungswert für Besucherinnen und Besucher. Neben dem etablierten „Salzkammergut Advent“ rückt daher zunehmend auch die Zeit zwischen Jahresbeginn und Ostern in den Fokus der Angebotsentwicklung.
In Saalfelden Leogang denkt man nicht mehr nur in Saisonen.
Saalfelden Leogang denkt Tourismus neu
Auch die Region Saalfelden Leogang verabschiedet sich zunehmend von der klassischen Saisonlogik. Stattdessen setzt man auf eine ganzjährige Erlebnisstrategie. Zu den wichtigsten Säulen zählen der Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn, der Nordic Park Saalfelden sowie ein breites Angebot im Bike-, Wander- und Kulturbereich. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Epic Bikepark Leogang, der von Mai bis November geöffnet ist und als wichtiger Saisonverlängerer gilt.
Ergänzt wird das Angebot durch internationale Sportveranstaltungen wie die UCI Mountain Bike World Series, das Jazzfestival Saalfelden sowie durchgängige Wanderangebote und einen verlängerten Bergbahnbetrieb im Herbst. „Wir denken nicht mehr in Winter- und Sommersaison, sondern in 365 Tagen Erlebnisqualität“, sagte Martina Ellmauer von der Saalfelden Leogang Touristik GmbH. Entscheidend sei der enge Schulterschluss aller regionalen Akteure – von Hotellerie und Gastronomie bis zu Bergbahnen, Handel und Landwirtschaft.
Kultur als ganzjähriger Reiseanlass
Auch Kultur spielt eine immer wichtigere Rolle für den Ganzjahrestourismus. Die Esterhazy Betriebe haben seit Bestehen ihrer Stiftungen mehr als 250 Millionen Euro in Kulturtourismus und regionale Infrastruktur investiert. „Unsere kulturellen Angebote schaffen das ganze Jahr über Reiseanlässe und sprechen unterschiedliche Zielgruppen an“, erklärte Manuel Resch, Director Tourismus, Kultur und Veranstaltungen bei Esterhazy. Festivals, Ausstellungen und historische Schauplätze sollen Besucherinnen und Besucher unabhängig von der Jahreszeit anziehen. Gleichzeitig setzt das Unternehmen verstärkt auf nachhaltige Strukturen und regionale Wertschöpfung. Dazu wurde ein eigener Hospitality-Bereich aufgebaut, der Angebote aus Hotellerie und Gastronomie bündelt und stärker mit regionalen Partnerbetrieben vernetzt. Ziel ist es, Kultur, Kulinarik und Tourismus enger miteinander zu verbinden.
Kooperation als Schlüssel zum ErfolgEin zentraler Erfolgsfaktor für den Ganzjahrestourismus bleibt die Zusammenarbeit innerhalb der Regionen. Hotels, Gastronomie, Ausflugsziele und Produzenten müssen ihre Angebote stärker aufeinander abstimmen, um ganzjährig attraktive Erlebnisse zu schaffen. „Schulter an Schulter gehen ist leichter als Rücken an Rücken stehen. Kooperation ist im Ganzjahrestourismus besonders entscheidend“, sagte Steharnig-Staudinger. Die Beispiele aus den Regionen zeigen: Österreich ist bereits auf dem Weg zur Ganzjahresdestination – und Frühling sowie Herbst entwickeln sich dabei immer stärker zu eigenständigen touristischen Hochphasen.