Der russische Strabag-Aktionär Rasperia Trading Limited, dessen Aktionärsrechte sanktionsbedingt eingefroren sind, hat Anfang Mai in Kaliningrad eine weitere Zivilklage gegen den Baukonzern und sein Umfeld eingebracht.
Wie bei vorangegangenen Klagen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt - Rasperia will dieses Mal aber kein Geld von der russischen RBI-Tochter, sondern scheint es auf Besitz der Haselsteiner Familien-Privatstiftung in Russland abgesehen zu haben.
- Hier fährt Kanzler Stocker im Tuk Tuk durch Neu-Delhi
- Stadler: Bahn-Kraftzentrum in Obersiebenbrunn eröffnet
- WKStA: Wirtschaftskriminalität ist geradezu explodiert
In seiner am 5. Mai beim Handelsgericht von Kaliningrad eingebrachten Klage fordert Rasperia laut russischem Gerichtsregister eine Summe von etwa 31 Mio. Euro. Geklagt wurden die Strabag SE, vier Töchter oder Beteiligungen des Baukonzerns, die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und Hans Peter Haselsteiner als Strabag-Aktionäre sowie eher unerwartet eine SGS Scharmützelsee Golfhotel & Sportanlagen GmbH mit Sitz in Bad Saarow östlich von Berlin. Letztere wurde in der Vergangenheit als Tochterunternehmen von Haselsteiner bezeichnet, laut deutschem Unternehmensregister und Wirtschafts-Compass steht es nunmehr mehrheitlich im Besitz von Haselsteiners HPH Privatstiftung und der mit der Raiffeisen Holding Wien-Niederösterreich verbundenen Arion Immobilien & Development Privatstiftung.
Bekannte österreichische Orte in Moskau
Scharmützel selbst ist laut der russischen Spark-Datenbank aber auch Aktionär von zumindest drei Aktiengesellschaften in Moskau, deren Interessen von der aktuellen Rasperia-Klage betroffen sind und die jeweils über Immobilienbesitz vor Ort verfügen. Konkret genannt im Gerichtsregister werden AO Amerustroj, AO Wenski Dom (Wien-Haus) und AO Kerntner Chaus (Kärntner Haus), die diese deutsche Gesellschaft laut Spark unter anderem gemeinsam mit dem seit 2022 sanktionierten Moskauer Luftfahrtinstitut MAI besitzt. Beim Wien-Haus handelt es sich um ein bekanntes Businesszentrum im Moskauer Stadtzentrum, in dem sich einst österreichische Unternehmen eingemietet hatten, beim Kärntner Haus handelt es sich um jene Immobilie, in der die damalige Außenministerin Karin Kneissl bei ihrem Moskau-Besuch im März 2018 ein Österreich Institut eröffnete. Weiters von der Klage tangiert ist OOO Ranita, die zwei Strabag-Tochterfirmen gehört.
Nachdem das Kaliningrader Gericht bereits am 7. Mai beschlossen hatte, auch das neue Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen, werden Anträge und Entscheidungen nicht im Gerichtsregister veröffentlicht. Seit 2024 hat die zumindest ehemals vom Industriellen Oleg Deripaska kontrollierte Rasperia mit Verweis auf wirtschaftliche Schäden, die durch die Beschränkung von Aktionärsrechten im Strabag-Konzern erwachsen sind, erfolgreich bei der Raiffeisenbank Russland knapp 2,5 Mrd. Euro eingeklagt - Argument war jeweils eine "Verwandtschaft" der RBI-Tochter mit Strabag-Aktionären. Die nunmehr 31 Mio. Euro beziehen sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Vermögen der vom neuen Verfahren tangierten Gesellschaften in Russland, hinter der nach Rasperias Logik wohl ebenso "Verwandte" von Strabag-Aktionären stecken. Am 15. Mai verhängte das Gericht jedenfalls "Sicherstellungsmaßnahmen", die eine Veräußerung von Vermögen der betroffenen Firmen verhindern dürften. Für den 6. Juni ist in Kaliningrad eine erste reguläre Gerichtsverhandlung angesetzt.
Strabag: Beklagte teils ohne Vertretung vor Ort
Strabag sei über die Klage informiert und werde sich vor Ort geeignet vertreten lasse, informierte am Freitag eine Sprecherin des Baukonzerns auf APA-Anfrage. Derzeit finde die Koordination der externen Beratung statt, auch seien Formalia erforderlich, da einige neue Beklagte betroffen seien, da vor Ort noch nicht vertreten sind. "Zu weiteren Details können wir uns aufgrund der Vertraulichkeit des Verfahrens nicht äußern", erklärte sie.