Knalleffekt

VW-Skandal: Winterkorn tritt zurück

VW-Skandal: Winterkorn tritt zurück
© Reuters/Montage
Müller, Stadler und Diess sind die Favoriten für die Nachfolge.
OE24 auf Google bevorzugen

VW-Chef Martin Winterkorn tritt wegen des Abgas-Skandals zurück. "Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell", erklärte der 68-Jährige am Mittwoch im Anschluss an eine Sitzung des engeren Führungszirkels in Wolfsburg. Er habe daher den Aufsichtsrat des weltgrößten Autobauers gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden.

Auf der nächsten Seite finden Sie den LIVE-Ticker zum Nachlesen

+++ LIVE-Ticker +++

Welche Modelle sind genau betroffen?

Volkswagen hat über eine Rückrufaktion für die von der Abgas-Affäre betroffenen Dieselwagen noch nicht entschieden - genaue Informationen über die fraglichen Modelle gibt es bisher nicht. "Soweit sind wir noch nicht, wir kennen ja erst seit gestern die Zahl", sagte am Mittwoch ein Konzernsprecher der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Der Skandal um manipulierten Messungen bei Dieselfahrzeugen betrifft nach Konzernangaben weltweit insgesamt rund elf Millionen Fahrzeuge mit Motoren vom Typ EA 189. Fragen nach den im Einzelnen betroffenen Modellen blieben zunächst unbeantwortet. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter rief VW auf, alle Autos zurückzurufen und umzurüsten, die mit der Manipulationssoftware ausgerüstet sind.


Entschädigungen?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht Volkswagen in der Pflicht, mögliche von der Manipulationsaffäre betroffene Autofahrer in Deutschland zu entschädigen. Volkswagen müsse jeden betroffenen Verbraucher von Schäden freistellen, um Vertrauen zurückzugewinnen, und entweder "alle betroffenen Fahrzeuge nachrüsten" oder einen individuellen Anspruch auf Nachrüstung zugestehen, erklärte vzbv-Vorstand Klaus Müller am Mittwoch in Berlin. Zudem forderte er die Bundesregierung auf, Prüfverfahren und Autos in Zukunft stärker zu kontrollieren und zu regulieren. Bisher werde die Automobilindustrie in Deutschland mit "Samthandschuhen angefasst".


Deutsche Regierung fordert keinen Rücktritt des VW-Chefs

Die deutsche Regierung erhebt angesichts der Abgasaffäre keine Rücktrittsforderungen gegen Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Darüber habe die Regierung nicht zu entscheiden, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt am Mittwoch in Berlin. Er forderte den Konzern dazu auf, seine Kunden über die Affäre um manipulierte Abgaswerte in vollem Umfang aufzuklären und so Vertrauen zurückzugewinnen. Er habe bei Gesprächen mit VW Unterstützung für der Aufklärung festgestellt. Die deutsche Regierung wolle aktiv dafür sorgen, dass solche Manipulationen nicht mehr vorkommen


Blick auf die VW-Aktie

Die VW-Aktie stabilisierte sich nach ihren zweitägigen Kurssturz am Mittwoch etwas. Sie fiel zwar zunächst um bis zu zehn Prozent auf ein Vier-Jahres-Tief von 95,51 Euro, holte die Verluste aber wieder auf und notierte zeitweise 5,1 Prozent im Plus. Damit kostete die VW-Aktie aber immer noch rund ein Drittel weniger als vor Bekanntwerden der Affäre. Der Index für die europäischen Autobauer und Zulieferer büßte im gleichen Zeitraum zeitweise 15 Prozent ein und notierte am Mittwoch 1,4 Prozent höher.


Sie brachte den Fall ins Rollen: Gina McCarthy, Chefin der US-Umweltschutzbehörde EPA.


Erste Anzeigen

Die Affäre um manipulierte Abgaswerte bei VW zieht immer weitere Kreise. Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig sind nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums mehrere Strafanzeigen "aus der Bevölkerung" gegen Verantwortliche von VW eingegangen. In Betracht komme unter anderem Betrug zu Lasten von Autokäufern, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Anzeigen würden derzeit geprüft.


VW-Aktie fährt Achterbahn

Erstmals seit vier Jahren rutschte der Kurs heute unter die Marke von 100 Euro. Dann dreht die Aktie aber wieder ins Plus.


Personelle Konsequenzen

Im Mittelpunkt stehen personelle Konsequenzen aus der Affäre um manipulierte Messungen beim Schadstoffausstoß von Dieselmotoren. Dabei geht es auch um die berufliche Zukunft von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Dieser steht infolge des Skandals, der nach Konzernangaben rund elf Millionen Fahrzeuge betrifft, massiv unter Druck. Die für diesen Freitag geplante vorzeitige Verlängerung des Vertrags für den bestbezahlten DAX-Manager ist nach wie vor ungewiss.


VW engagiert Top-Anwälte

Im Abgas-Skandal hat die Volkswagen AG die bekannte US-Anwaltskanzlei Kirkland & Ellis LLP angeheuert. Das berichtete die Agentur Bloomberg am Dienstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf eine VW-Sprecherin. Die Kanzlei hatte den Ölkonzern BP nach der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Jahre 2010 mit elf Toten vertreten. Eine Sprecherin der Kanzlei lehnte eine Stellungnahme ab. Durch mögliche Klagen und Strafgelder drohen dem deutschen Autobauer Milliardenschäden. VW-Chef Martin Winterkorn hatte am späten Dienstagnachmittag öffentlich um Entschuldigung für Manipulationen von Abgastests bei VW-Dieselautos gebeten und rasche Aufklärung versprochen. Der Volkswagen-Konzern hatte zuvor bekanntgegeben, dass weltweit elf Millionen Wagen betroffen sind. VW bildet daher eine Milliarden-Rückstellung und hat eine Gewinnwarnung veröffentlicht.


VW-Aktie im freien Fall

Der Absturz der VW-Aktie hat sich am Mittwochmorgen unvermindert fortgesetzt. Nach Börsenstart in Frankfurt am Main verlor das Wertpapier des Konzerns aus Wolfsburg zeitweise 8 Prozent. Nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals bei Volkswagen hatte die Aktie am Montag und Dienstag insgesamt fast 40 Prozent verloren.


Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden