Frontal-Angriff

Wirbel um den 68. Opernball: Christian Mucha geht auf Bogdan Roščić los

Der Verleger wütet gegen den Staatsopern-Direktor, da dieser zwei Songs aus dem Broadway-Musical "West Side Story" spielen möchte.

Eine Woche vor dem 68. Opernball gerät Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić ins Visier scharfer Kritik. Christina W. Mucha, seit Jahren fixe Größe im gesellschaftlichen Kosmos rund um den Ball der Bälle, wirft dem Direktor vor, Wesen und Würde des Opernballs schleichend zu unterminieren. 

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Mucha spricht dabei nicht aus der Distanz, sondern aus eigener Erfahrung. „Nach meinem – gefühlt – 15. Opernballbesuch darf ich von mir wohl mit Fug und Recht behaupten, diesbezüglich ein ,Experte‘ zu sein.“ Dieser Befund bildet die Grundlage seiner Argumentation: Wer den Opernball nicht nur beobachtet, sondern seit Jahren finanziert, organisiert und lebt, kann sich auch ein Urteil erlauben.

Opernball als Netzwerker-Plattform

Der Opernball sei längst mehr als ein Tanzabend. „Das Ganze funktioniert nur dann, wenn man es wirtschaftlich betrachtet, den Opernball als Netzwerkplattform versteht“, schreibt Mucha – und verweist damit auf jene Gäste, die mit erheblichen Summen das Ereignis überhaupt erst möglich machen. Umso größer sei das Unverständnis, wenn diese Gruppe bei programmatischen Entscheidungen übergangen werde.

Auslöser der aktuellen Attacke ist Roščićs Ankündigung, beim Opernball neben Verdi auch zwei Songs aus der West Side Story spielen zu lassen. Für Mucha ein Affront. Denn „eigentlich gäbe es nur eine einzige Operette, die man in der Staatsoper hören will. Und das ist ,Die Fledermaus‘ von Johann Strauss.“ Die Wiener Staatsoper sei „der Hort der Oper und des Balletts“ – und der Ball heiße schließlich nicht Volksopernball, sondern Opernball.

Alexis F. Gonzalez präsentiert gemeinsam mit Ekaterina Mucha die Opernball-Robe

Alexis F. Gonzalez präsentiert gemeinsam mit Ekaterina Mucha die Opernball-Robe

© oe24

Mucha: "Roščić hört sich selbst gern reden"

Besonders scharf fällt der persönliche Seitenhieb aus. Roščić habe „jüngst wieder das getan, was er am liebsten macht: sich selber reden hören“. Zwar spreche er gut und habe auch etwas zu sagen, doch der Vorwurf bleibt: Der Direktor verliere den Blick für das Haus, in dem er tätig sei.

Mucha geht noch weiter und warnt vor einer schleichenden Verflachung eines Traditionsereignisses. „So verkitscht ein Traditionsereignis immer mehr“, schreibt er und fragt provokant, „was fällt dem Roščić dann im nächsten Jahr ein? Müssen wir uns dann auf die Original Oberkrainer einstellen? Oder auf DJ Ötzi?“

Die Attacke ist mehr als persönliche Polemik. Sie berührt eine Grundsatzfrage der Wiener Gesellschaft: Wie viel Modernisierung verträgt ein Ritual, das gerade von seiner Unveränderlichkeit lebt? Mucha positioniert sich klar auf Seiten der Bewahrer – nicht aus Nostalgie, sondern aus dem Anspruch heraus, dass Tradition Respekt verlangt.

Oder, wie sie Mucha es am Ende bitter pointiert zusammenfasst: „Früher hieß es: tu felix Austria nube, heute eher: Gute Nacht, Österreich.“

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