"Devious Maids" als Chance: "Es ist eine gute Zeit für Latinas"

Neue TV-Serie

"Devious Maids" erobern Österreich

Ana Ortiz und Judy Reyes in erster Serie im US-TV mit fünf Latinas in den Hauptrollen.

"Die Latina" in Hollywood ist laut, lebhaft und leidenschaftlich, heißt Maria und wird gern mit Salma Hayek, Eva Mendes oder Jennifer Lopez besetzt. In der am 7. April im ORF startenden TV-Serie "Devious Maids" stehen nun fünf Schauspielerinnen lateinamerikanischer Herkunft in der ersten Reihe. "Dabei saßen wir alle bis vor kurzem noch im Wartezimmer derselben Castings", sagt Ana Ortiz.

"Desperate Houswives"-Nachzieher
Mit Ausnahme von Newcomerin Edy Ganem kennen sich die Hauptdarstellerinnen der neuen TV-Serie "Devious Maids" über Dienstmädchen im schicken Beverly Hills aus der Feder von "Desperate Housewives"-Macher Marc Cherry schon lange. Judy Reyes und Dania Ramirez, beide dominikanischer Herkunft, und Ana Ortiz und Rosalyn Sanchez, beide mit puerto-ricanischen Wurzeln, saßen sich bei Castings für Film- und Fernsehrollen schon oft gegenüber. Zu besetzen gab es stets nur die "eine Rolle der Latina". Reyes ist hierzulande für ihre Rolle der Krankenschwester Carla Espinosa in der Kult-Serie "Scrubs" bekannt, Ortiz spielte die Schönheitssalonbesitzerin Hilda Suarez in "Ugly Betty", Ramirez war u.a. in "Heroes" und Sanchez in "Without a Trace" zu sehen. "Jetzt gemeinsam in einer Serie zu spielen, ist aufregend und wichtig für uns", sagt Ortiz im APA-Interview am Rande eines Set-Besuchs in Atlanta. "Und all diese Charaktere sind so auf uns Darstellerinnen zugeschnitten, dass es keine Konkurrenz gibt."

Latinas mit neuem Image
Noch vor 20 Jahren sei die Latina stets nur der "Sidekick" gewesen, sagt Ortiz. "Sie war das Dienstmädchen, die Prostituierte, die Freundin des Drogendealers - und ich habe all diese Rollen gespielt, und zwar verdammt gut!" In der Branche habe man der Schauspielerin und Sängerin damals nahegelegt, ihren Namen zu ändern, weil sie äußerlich auch "als Griechin oder Italienerin durchgegangen wäre". Heute steht die 43-Jährige mehr denn je zu ihrer Herkunft, schließlich würden Shows wie "Devious Maids", "Ugly Betty" oder auch "Desperate Housewives", die Eva Longoria zum Durchbruch verhalf, Latinas bessere Möglichkeiten bieten. "Es ist eine wirklich gute Zeit für Latinas in Hollywood", ist sich Ortiz sicher.

Neue Zielgruppe
Für Reyes sei "Devious Maids" nach dem Riesenerfolg von "Scrubs" die Chance, erneut Fernsehgeschichte zu schreiben - "mit etwas, das es zuvor noch nie gegeben hat: fünf Latinas als Hauptdarstellerinnen". Eine Neuheit im englischsprachigen US-Kabelfernsehen - inklusive lateinamerikanischer Autoren, Eva Longoria als Co-Produzentin und Inhalten, die sich spezifisch an Zuseher lateinamerikanischer Herkunft richten. "Unsere Hoffnung ist, dass es uns andere TV-Serien gleichtun und sehen, dass etwas Tolles daraus entstehen kann, wenn man mehr als nur eine Latina pro Show castet", sagt Reyes. Denn während Latinos 20 Prozent des TV-Publikums ausmachen, spiegeln sie sich nur in drei Prozent der Fernsehcharaktere wieder, schreibt die Journalistin Galina Espinoza in der Latino-Ausgabe der "Huffington Post". Schuld seien zuvor gescheiterte Formate und die mangelnde Risikobereitschaft der Network-Verantwortlichen.

Größte Minderheit in den USA  
Dabei ist die Zielgruppe riesig: Mit 53 Millionen stellen die Latinos die größte Minderheit in den USA dar, bis 2060 sollen es laut US-Census bereits 129 Mio. und damit 30 Prozent der US-Bevölkerung werden. In Kalifornien, wo "Devious Maids" angesiedelt ist, machen sie mehr als 50 Prozent der Einwohner aus. Die exponentiell wachsende Latino-Community speist sich mehrheitlich aus Einwandererfamilien aus Mexiko, Puerto Rico, El Salvador, Kuba, der Dominikanischen Republik oder Guatemala. Reyes, wie Kollegin Ortiz in New York City geboren, fühlt sich in der Heimat ihrer Eltern, der Dominikanischen Republik, noch immer tief verwurzelt. "Eine Latina zu sein bedeutet für mich, meine Eltern zu repräsentieren und alles, was sie beim Verlassen ihrer Heimat durchgemacht haben, um mir ein besseres Leben zu bieten", so die 46-Jährige.

Neue Chancen
Die Serie biete daher auch die Möglichkeit, Schicksale und Hoffnungen ebensolcher Familien zu erzählen. Anders als Reyes und Ortiz sind Ramirez und Sanchez nicht in den USA geboren. Ramirez war sechs Monate alt, als ihre Eltern nach Amerika gingen, und folgte ihnen als Zehnjährige nach. Mit der Rolle des naiven Dienstmädchens Rosie, das seinen kleinen Sohn in Mexiko zurücklassen musste, habe sie sich dementsprechend gleich identifiziert. "Das ist der Grund, warum ich diese Show machen wollte: Sie gibt mir die Chance, die Geschichte aus der Perspektive meiner Mutter zu erzählen", so Ramirez zur APA. "Diese Schicksale werden im Fernsehen selten ohne übertriebene Dramatik erzählt."

Schauspielerinnen veregssen ihre Wurzeln nicht
Die Erfahrungen in der Branche schweißen die Schauspielerinnen von "Devious Maids" nun auch am Set zusammen. "Wir reden ständig Spanisch zwischen den Takes, haben viel Spaß zusammen", erzählt Ramirez. Gemeinsam könne man nun mit dreidimensionalen, unterschiedlichen Charakteren das Vorurteil widerlegen, jede Latina sei gleich, und "unsere Gesellschaft damit einen großen Schritt vorwärtsbringen". Der nächste Schritt sei eine verstärkte Repräsentation hinter der Kamera, wie sie auch Eva Longoria demonstriert. Ramirez hat daher eine eigene Produktionsfirma gegründet. "Es geht darum, Türen zu öffnen", sagt die 34-Jährige. "Nicht nur für Latinas, sondern für Frauen im Allgemeinen. Für sie gibt es zu wenige gute Hauptrollen - und ich bin ganz für Frauenpower!"

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