Promis setzen auf Deutschkenntnisse

Sag's auf Deutsch

Promis setzen auf Deutschkenntnisse

RTL-Kampagne zeigt Wichtigkeit deutscher Sprachkennnisse auf.

"Sag's auf Deutsch" - so lautet der Titel einer Social-Spot-Kampagne, die seit Montag, 24. Oktober, im RTL-Programm eingesetzt wird. Zehn Prominente aus den Bereichen TV, Sport, Mode und Politik, alle mit Migrationshintergrund, geben in den 60- beziehungsweise 90-sekündigen Spots klare Statements dazu ab, wie wichtig gute Deutschkenntnisse für eine gelungene Integration in die Gesellschaft hierzulande sind. 

Sprache wichtig
Das zeigen auch die Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die RTL  zum Kampagnenstart veröffentlicht. Danach ist mit 93 Prozent die überwältigende Mehrheit der Bundesbürger der Ansicht, dass Ausländer, die in Deutschland leben, auch die deutsche Sprache gut beherrschen müssen. 91 Prozent der Befragten geben an, die deutsche Sprache zu sprechen, sei eine der wichtigsten Voraussetzungen, um Teil der deutschen Gesellschaft zu sein. Ebenfalls 91 Prozent sind der Überzeugung, dass die Beherrschung der deutschen Sprache der Schlüssel für einen beruflichen und sozialen Aufstieg ist. Ohne Deutschkenntnisse, zeigten sich 81 Prozent der Befragten überzeugt, könne man hierzulande nur schwer eine Arbeit findet.


Prominente Unterstützer

Fürsprecher in dieser Spot-Kampagne sind Box-Weltmeister Wladimir Klitschko, die SPD-Politikerin und Buchautorin ("Aufstand der Kopftuchmädchen") Dr. Lale Akgün, die Moderatoren Nazan Eckes ("RTL Explosiv"), Nina Moghaddam (RTL, Super RTL) und Kena Amoa ("RTL Exclusiv"), Sara Nuru (Fotomodell), Comedian Bülent Ceylan, die Schauspieler Erdogan Atalay ("Alarm für Cobra 11") und Francisco Medina ("Alles was zählt") sowie die Sängerin und Tänzerin Fernanda Brandao.

"Ohne Verständigung geht es nicht"
Die Initiative zur Kampagne "Sag’s auf Deutsch" kam von RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel, der 2008 bereits den RTL-Medienpreis com.mit Award ins Leben gerufen hat. Dieser fordert Schülerinnen und Schüler sowie Nachwuchsjournalisten jährlich zu einem Ideen-Wettbewerb auf, bei dem das Thema Integration filmisch aufgearbeitet werden soll. Peter Kloeppel: "Ziel der aktuellen Spot-Kampagne ist es, Menschen jeden Alters davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, dass man in Deutschland die deutsche Sprache spricht und versteht. Egal, ob im Kindergarten, in der Ausbildung, im Beruf oder im alltäglichen Miteinander – ohne Verständigung geht es nicht. Die Diskussion über das Thema Integration wollen wir kontinuierlich im RTL-Programm widerspiegeln. Die Spot-Kampagne ist wie der Com.mit Award ein Bestandteil dieser langfristigen Zielsetzung."

Lesen Sie auf der nächsten Seite das Interview mit Wladimir Klitschko


Zur Spot-Kampagne äußert sich Wladimir Klitschko im RTL-Interview:

Wladimir Klitschko, was hat Sie motiviert, sich für die Spot-Kampagne "Sag’s auf Deutsch" zu engagieren?
Wladimir Klitschko: Bei den meisten meiner Fernsehauftritte versuche ich mit gestischen Mitteln, dem Gegner zu erklären, wer der Stärkere ist. Allerdings haben mir meine Eltern schon früh beigebracht, dass man mit Worten viel härter zuschlagen kann als mit Fäusten. Unsere Welt ist global geworden und es gibt viele Menschen, die sich entscheiden, in diesem oder einem anderen Land leben zu wollen. Und natürlich müssen sie sich dort integrieren. Dafür trete ich ein. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass sie in einer geschlossenen Gesellschaft leben und nichts von der Außenwelt mitbekommen. Und für das Land bringt es auch gar nichts, solche Mitglieder der Gesellschaft zu haben, die nicht kommunizieren können.

Wie war das, als Sie 1996 nach Deutschland kamen?
Wladimir Klitschko: Ich war 20 Jahre alt, als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam. Und auch wenn ich weiterhin viel unterwegs war in den USA oder in der Ukraine, so wollte ich so schnell wie möglich die deutsche Sprache beherrschen, das war für mich irgendwie selbstverständlich. Ich habe dann versucht, weitgehend auf russische Zeitungen und russisches Fernsehen zu verzichten. Stattdessen habe ich versucht, mich mehr mit der deutschen Sprache zu beschäftigen.

Wie genau?
Wladimir Klitschko: Ich hatte eine deutschsprachige Freundin und ab da lief die Kommunikation ganz locker und viel entspannter und natürlich viel interessanter als beim Lernen.

Welche Unterstützung haben Sie generell erfahren?
Wladimir Klitschko: Allein hätte ich das nie geschafft. Ich bin daher all den Menschen, die mich damals nicht entmutigt, sondern unterstützt haben, mir gewisse Wörter und Sätze beigebracht haben, unendlich dankbar. Wenn ich zum Beispiel irgendjemand mit einem ganz gebrochenen Deutsch angesprochen hätte und ich wäre abgelehnt worden, hätte mich das total gehemmt. Ich finde es ganz wichtig, diejenigen zu unterstützen, die dabei sind, eine Sprache zu erlernen.

Was hat Ihnen noch geholfen, ein Gefühl für die Sprache zu bekommen?
Wladimir Klitschko: Im Auto habe ich viel Radio gehört, zuhause habe ich viel Fernsehen geschaut. Und ich habe besonders die Bild-Zeitung gelesen. Man sieht die Bilder und kann daraus den dazugehörigen Text erschließen. Dabei ist die Sprache ziemlich entspannt, locker und einfach – also nicht zu wissenschaftlich sondern genau die Sprache, die man auf der Straße benutzt.

Was hat Ihnen am Anfang besondere Schwierigkeiten bereitet?

Wladimir Klitschko: Vor allem mit den Ziffern kam ich nicht so ganz klar. 129 und 92 zum Beispiel, das war für mich ganz schwer zu beherrschen, weil man im Russischen wie im Englischen eine Ziffer nach der anderen spricht. Also Hundred-twenty-nine, ninety-two, statt wie im Deutschen die Ziffern zu drehen. Und dass man mit dem Verb am Ende eigentlich erst versteht, was eigentlich gesagt wird, war für mich auch ein schwieriger Lernprozess.

Gibt es Wörter, die Sie bei der Aussprache besonders zur Verzweiflung treiben?
Wladimir Klitschko: Die deutsche Sprache kennt sehr lange Wörter. Eines lese ich ganz oft, wenn ich am Bahnhof stehe: Wagenstandsanzeiger. Dieser Hang, aus drei oder vier Wörtern eines zu bauen, macht es manchmal schon sehr kompliziert und schwer. Aber man gewöhnt sich auch daran.

Wo sehen Sie sich in Puncto Sprachkompetenz heute?
Wladimir Klitschko: Deutsch ist schon eine schwere Sprache. Ich bin schon seit fünfzehn Jahren damit beschäftigt, aber ich bin noch lange nicht perfekt. Ich lerne immer noch täglich etwas dazu und es gibt immer noch Dinge, die ich nicht weiß und noch nie gehört habe. Ich glaube, es ist ein nie endender Prozess, eine Sprache vollkommen zu erlernen.

Denken Sie mittlerweile Deutsch?
Wladimir Klitschko: Wenn ich in Deutschland bin, dann bin ich in der Sprache und dann denke ich auch Deutsch, ohne dass ich es erst vom Russischen oder Englischen übersetzen muss. Aber manchmal komme ich schon etwas durcheinander, zum Beispiel bei den Interviews vor oder nach einem Kampf. Da muss ich, je nach Herkunft des fragenden Reporters, von einer Sprache in die nächste springen. Da kann es Momente geben, in denen das ein wenig durcheinander geht, aber verstehen tun mich am Ende doch alle.