Der Donnerstag war von Antrags-Scharmützeln im Landtag zum Standort des Schwerpunktklinikums geprägt. Abends die Veranstaltung "Ein Ort, ein Wort" statt, wo besorgte Bürger - diesmal im Retzerlandhof in Zellerndorf - zu Wort kamen, und den Beibehalt IHRES Notarztstützpunktes einforderten.
Die geplante Zusammenlegung der Spitäler Stockerau, Hollabrunn und Korneuburg an einem neuen Standort in Stockerau sorgt im Weinviertel für Unmut. Bei der ORF-NÖ-Diskussion "Ein Ort am Wort" trafen Befürworter und Kritiker der Gesundheitsreform gestern aufeinander.
Kritik an langem Anfahrtsweg
Das geplante Schwerpunktklinikum Weinviertel Süd mit rund 700 Betten soll gemeinsam mit dem Landesklinikum Mistelbach die Spitalversorgung der Region künftig auf zwei große Standorte konzentrieren. Kritik gibt es an der Hochwasserlage des gewählten Standorts "Alte Au" sowie an längeren Anfahrtswegen im Notfall. Besonders im Bezirk Hollabrunn wächst die Sorge vor Unterversorgung - auch wegen der geplanten Reduktion von Notarztstützpunkten.
Divergierende Arztmeinungen
Arzt Gunther Leeb machte die geografische Problematik deutlich: Aus dem nördlichen Weinviertel brauche man bereits jetzt eine Dreiviertelstunde bis zum nächsten Klinikum. Dem hielten Fachleute das Qualitätsargument entgegen: Ärztlicher Direktor Rainer Ernstberger betonte, dass Akutfälle wie Schlaganfälle an den bestehenden kleinen Standorten ohnehin nicht behandelt werden könnten.
Besonders emotional verlief die Debatte um die Notarztstützpunkte. Rudolf Preyer von der Initiative für den Erhalt des Notarztes in Retz warnte: "Der Wohnort darf nicht über Leben und Tod entscheiden.“ Der Stützpunkt in Retz sei "nicht aus Jux und Tollerei", sondern aus echtem Bedarf entstanden. Preyer forderte eine erneute Evaluierung der geplanten Schließung.
Notarzt-Zoff im Landtag: Debatte dreht sich im Kreis
Der Gesundheitsplan 2040+ lässt den niederösterreichischen Landtag nicht los. Auch am Donnerstag lieferten sich die Parteien ein Antrags-Scharmützel rund um die Notarztstützpunkte - mit überschaubarem Ergebnis. Die SPÖ forderte die plangemäße Umsetzung der Gesundheitsreform, wurde aber von ÖVP und FPÖ abgeblockt: Das sei ohnehin selbstverständlich. Ein SPÖ-Abänderungsantrag scheiterte ebenfalls. Die Grünen - die dem Gesundheitsplan als einzige Partei nie zugestimmt hatten - verlangten eine Vorrangausbildung für Notfallsanitäter als Notarzt-Ersatz. Auch sie blieben in der Minderheit.Das Fazit: Alle Anträge verfolgten letztlich dasselbe Ziel - die bestmögliche Gesundheitsversorgung der Niederösterreicher. Nur über den Weg dorthin streitet der Landtag munter weiter.