Gesundheitsminister auf dem Prüfstand
Mückstein-Plan: So geht's im Sommer weiter
Ausdauer-Pakete. Neo-Arbeitsminister Martin Kocher hält sich mit Laufen fit, seine Marathon-Bestzeit liegt bei drei Stunden und einer Minute. Auch Mückstein ist ein Läufer, absolvierte Marathons, darunter jenen in New York.
Im Fitnessstudio hält er seinen Körper fit. Konsequent. Coronabedingt muss jetzt vermehrt sein „geliebtes Bike“ herhalten. Offenbar braucht es das, um in Krisenzeiten „eine Herkulesaufgabe“ (Copyright Grünen-Chef Werner Kogler) zu bewältigen: Marathon-Männer. Sei es nun für das Arbeitsministerium oder das Gesundheits- und Sozialministerium.
Macher, Pragmatiker, hart in der Sache und Entscheidungsstärke
"Mann der Praxis"
Und Mückstein gilt als „Mann der Praxis“, der die „Kraft für das Amt mitbringt“ (noch einmal Kogler), als einer mit „klaren Kanten“, als „Macher“, als „einer, der anpackt“ und der „hart in der Sache“ sein kann, immer „extrem gut vorbereitet“. Als einer „mit Entscheidungsstärke“, der auch ein „Teamplayer“ ist. Er gilt ebenso als „unkonventionell“, als „Pragmatiker“, der „auch alternative Wege“ geht. So beschreiben ihn medizinische wie politische Wegbegleiter. Mückstein hatte unter anderem die Grünen-Fraktion in der Ärztekammer gegründet, verhandelte für die Grünen den Bereich Gesundheit mit der ÖVP und war zuletzt Anschobers politischer Berater.
Rebell und Pionier
Die Vorschusslorbeeren sind jedenfalls zahlreich vergeben. Mit dem Fazit: Dieser Mann kann Pandemie. Mückstein gilt auch als Rebell und Pionier. Er boxte mit Kollegen, gegen harten Widerstand, Österreichs erstes Primärversorgungszentrum durch. Das bietet Patienten durch ein Team aus Ärzten, Pflegern und Therapeuten mehr Behandlungsqualität und bessere Ordinationszeiten und entlastet vor allem auch die Spitalsambulanzen. Österreichweit gibt es nun 27 derartige Einrichtungen.
Zahlreiche Sozialprojekte
Sozialprojekte. Mückstein ist auch der Sozialminister. Und bei Sozialprojekten wissen Insider, dass er „für eine Sache brennt“. So hat er vor rund 15 Jahren als Chef des Neunerhauses in Wien die medizinische Versorgung von Obdachlosen neu aufgestellt. Ausgebildet in Substitutionstherapie, widmete er sich im Ganslwirt (dem jetzigen Jedmayer) in Wien den Drogenabhängigen und bietet die Therapie auch in seiner Praxis in der Mariahilfer Straße den Erkrankten an. Wer Hilfe benötigt, der bekommt sie.
Warum Arzt?
„Was braucht ein Arzt?“, haben ihn Kinder einmal gefragt (Mückstein ist selbst Vater zweier Töchter, 12 und 15 Jahre alt). Seine Antwort: „Den Willen, zu helfen.“ Und: „Genauigkeit.“ Und warum er Arzt geworden sei? „Ich wollte es schon mit 15, 16 Jahren.“ Es sei so ein schöner und angesehener Beruf. Nachsatz: „Und es entsteht viel Vertrauen zu den Menschen.“ Oft würde er mit einem Patienten gleich die ganze Familie behandeln. „Auf Englisch sagt man nicht Hausarzt, sondern ‚family doctor‘.“ Als das würde er sich auch sehen: als ein Familiendoktor.
Aufklärung
Corona-Leugner haben sich auf den neuen Minister bereits eingeschossen, sieht er doch Lockdowns als noch notwendiges Instrument an. Zum INSIDER sagte Mückstein: „Ich kann es verstehen, wenn man mit der Belastung nur so umgehen kann, indem man sie ignoriert. Aber dem Virus ist das egal. Es tut sich so nur leichter. Wir versuchen, die Menschen zu motivieren, sich an die Regeln zu halten. „Ich möchte kein Politiker werden“, hat Mückstein einmal gesagt. Im Angesicht der Pandemie hat er seine Einstellung geändert.
Wenige Tage vor seiner Angelobung sprach Gesundheitsminister Mückstein mit dem INSIDER-Magazin:
Im Gespräch mit Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein
Insider: Die psychische Belastung durch Corona ist groß. Ein Fünftel der Bevölkerung klagt über depressive Symptome. Beobachten Sie diese Entwicklung auch?
Mückstein: Absolut. Das ist ganz schlimm. Vor allem geht es hier auch um Patienten, die in der Regel erst Monate und Jahre später wirklich die Auswirkungen realisieren. Es gibt auch Menschen, die haben sechs Monate lang ihre Wohnung nicht verlassen, also ganz tragische Fälle. Allein lebende, psychisch kranke Menschen, die schlecht versorgt sind und die man nur schwer erreicht.
Insider: In dieser Saison wurde nur ein einziger Grippefall gemeldet. Das ist einmal zumindest ein positiver Aspekt.
Mückstein: Richtig. Es haben sich noch nie so viele Menschen gegen Grippe impfen lassen wie diesmal. Wir haben die Impfzahlen von acht Prozent auf das Doppelte gesteigert, was großartig war. Nur hätten wir es dieses Jahr gar nicht gebraucht. Es hatte sich im Herbst schon abgezeichnet. Die Menschen haben sich an die Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen gehalten. Damit ist die Grippe dieses Jahr ganz einfach nicht gekommen.
Insider: Wie geht es den Allgemeinmedizinern in der Pandemie?
Mückstein: Wir sind eine Berufsgruppe, die 15 bis 20, teils 25 Prozent Einbußen haben. Was nicht angenehm, aber im Vergleich zu anderen Berufsgruppen hinnehmbar ist. Denn wir haben in der Pandemie immerhin etwas zu tun gehabt.
Insider: In Ihrer Gemeinschaftspraxis werden sehr vielen Menschen getestet.
Mückstein: In der Praxis werden nur die symptomatischen Patienten getestet. Ansonsten kann sich jeder bekanntlich in Apotheken und öffentlichen Einrichtungen testen lassen. Das Testen halte ich für ein höchst wichtiges Werkzeug im Kampf gegen die Pandemie.
Insider: Ihre ganz persönliche Corona-Bilanz?
Mückstein: Es nützt nichts. Durchhalten und sich an die Regeln halten. Wir werden im Sommer bessere Zeiten haben und das Licht am Ende des Tunnels ist schon zu sehen.
Interview: Harald Brodnig
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