Gefährliches Signal

ÖVP tobt nach Ludwigs Rom-Reise

Wiens Bürgermeister würde mit dem Besuch eines besetzen Gebäudes ein "gefährliches Signal" senden. 

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat bei seinem Besuch in Rom am Donnerstagnachmittag ein seit Jahren besetztes Bürogebäude besucht. Er traf dort mit Vertretern der rund 130 Familien, darunter viele Migranten, die in dem Gebäude leben, und würdigte das Projekt als Modell städtischer Erneuerung. In dem Haus "Spin Time" wohnen mehr als 400 Menschen.

In Rom und italienweit gibt es diese Häuser, sie heißen auch "Centri sociali" und sind so etwas wie soziale Treffpunkte. Sie sind meist organisiert von linken Aktivisten. Vor allem den Rechtspopulisten in der Regierung sind sie ein Dorn im Auge.

ÖVP tobt nach Ludwigs Rom-Reise
© Filippo MONTEFORTE / AFP

Kritik am Ludwig-Besuch kam umgehend von der ÖVP. „Eine Hausbesetzung ist nichts anderes als die Enteignung privater Eigentümer durch die Hintertür – und wenn der SPÖ-Bürgermeister das als Vorbild feiert, sendet das ein gefährliches Signal“, so Gemeinderat Lorenz Mayer, Wohnbausprecher der Wiener Volkspartei.

„Wer privaten Eigentümern jeden Handgriff vorschreibt, gleichzeitig aber den eigenen Bestand verkommen lässt und dann noch Hausbesetzungen glorifiziert, hat das Grundprinzip verantwortungsvoller Wohnpolitik nicht verstanden“, kritisiert Mayer weiter.

Bewohnergemeinschaft von "Spin Time" verweist auf Wiens Wohnungspolitik

Die Bewohnergemeinschaft von "Spin Time" erklärte, Ludwigs Besuch sei ein wichtiges Signal für die soziale Bedeutung des Projekts und verwies auf die Wohnungspolitik Wiens. Zum Abschluss wurde Ludwig ein Brief der Bewohner vorgelesen. Darin warnte die Gemeinschaft vor den Folgen von Klimawandel und von Massentourismus, die Städte an ihre Grenzen brächten. Zugleich verwiesen die Bewohner auf Wien als Vorbild für soziale Wohnungs- und Stadtpolitik und regten einen weiteren Austausch zwischen Wien und Rom an.

Rom ist von erheblichen Wohnungsproblemen betroffen. Durch die zunehmende Verbreitung von Kurzzeitvermietungen ist das Angebot an Wohnungen für die Einwohner knapp geworden. Die Mieten sind stark gestiegen.

Am Donnerstag hatte Ludwig den Bürgermeister von Rom, Roberto Gualtieri, getroffen und die kürzlich eingeweihte U-Bahn-Station am Kolosseum besucht. Im Mittelpunkt des Gesprächs mit Gualtieri, an dem sich auch der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck, beteiligte, standen leistbares Wohnen, die Reform des EU-Vergaberechts sowie nachhaltige Mobilität und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Am Mittwoch hatten Ludwig und Ruck bei der Generalaudienz am Mittwoch Papst Leo XIV. getroffen.

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