Tilg tritt zurück

Tirol: Polit-Beben nach Millionen-Skandal um Pfusch-Tests

Die HG-Labtruck von Ralf Herwig machte über 50 % der Tests in Tirol.  Dabei waren aber 50 Prozent der Befunde falsch.

Rücktrittsreigen in Tirol: Nach dem überraschenden Rückzug von Tirols Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) gab kurz darauf auch Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) sein Polit-Aus bekannt. Tilg war im vergangenen Jahr im Zuge des Corona-Krisenmanagements stark unter Beschuss geraten, als er im ORF-Interview zur Causa Ischgl mehrmals wiederholte, "alles richtig gemacht" zu haben. Tilg kündigte in einer Aussendung an, nicht weiter in der Politik bleiben zu wollen. Stattdessen will der 53-Jährige als Professor für Medizintechnik und Medizininformatik an die Privatuniversität UMIT zurückkehren.  

LH Günther Platter (ÖVP) ließ bereits die Nachfolger verlauten: Landtagsvizepräsident Anton Mattle für Wirtschaft und Annette Leja für Gesundheit.
 

Millionen-Skandal

Die Rücktritte kommen damit unmittelbar nach Bekanntwerden eines Test-Skandals. Das Land Tirol hatte den Auftrag über die Abwicklung von PCR-Tests im Umfang von knapp acht Millionen Euro direkt und und ohne Ausschreibung der Wiener Firma HG Pharma erteilt. Ralf Herwig, ein umstrittener Urologe, der der "Testmeister" von Tirol ist, hat aber weder die fachliche Qualifikation noch Ausbildung, um die PCR-Tests zu interpretieren  Die HG Pharma - eine Tochterfirma der HG Labtruck -von Herwig hat von September bis März 220.000 PCR-Tests in Tirol durchgeführt. Das sind über 50 Prozent der Tests.

Woher er die Tests hatte, scheint nicht klar zu sein. Seine vermeintlichen Partner, die Procomcure Biotech, klagt ihn mittlerweile. Und auch die Kompetenz seiner Laborbefunde wird in Zweifel gezogen.

50 Prozent der Befunde waren falsch

Den starken Anstieg der südafrikanischen Variante im Jänner/Februar in Schwaz hatte die MedUni Innsbruck publik gemacht. Er alarmierte kürzlich wegen einer neuen Fluchtvariante, die in Tirol entstanden ist. Eine Mischform der britischen und südafrikanischen. Die ist zwar tatsächlich ein Problem, aber über 50 Prozent der Befunde, die er als Fluchtvariante ausgestellt hatte, waren falsch.

Für Befunde bräuchte der Mediziner, der derzeit aufgrund eines Disziplinarverfahrens nicht praktizieren darf, einen Fachkollegen. Ob also jemand für seine Firma die Befunde erstellte, ist nicht bekannt. Sein Vertrag läuft bis Juni 2021. Der Sitz der Firma ist in Kirchberg. Diese Woche findet in Wien gegen den deutschen Urologen ein Prozess wegen des Verdachts der Körperverletzung durch verpfuschte Operationen statt.  

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