Proteste

Uni-Aufstand: Mega-Demo legt Wiener City lahm

In Wien starten die Uni-Proteste gegen die geplanten Budget-Kürzungen. 

Die Universitäten protestieren mit einer Demo in Wien gegen ab 2028 geplante Kürzungen in ihrem Budget. Dazu aufgerufen haben Universitätenkonferenz (uniko), Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) und Arbeitnehmervertretungen. Tausende kamen um 13 Uhr zur Auftaktkundgebung an der Uni Wien, der Protestmarsch führt dann durch die Innenstadt zum Wissenschaftsministerium und vor das Bundeskanzleramt. Am Donnerstag gibt es Kundgebungen in Graz, Linz, Salzburg und Klagenfurt. 

Uni-Proteste
© oe24 / Rudolf Preyer

Bei brütender Hitze waren Delegationen der verschiedenen Wiener Universitäten und aus den Bundesländern zum Universitätsring gezogen, die ÖH sprach von 21.000 Teilnehmenden noch vor Beginn des Protestzugs. Auf Schildern wurde vor "Sparen bis zur Erkenntnislücke" und vor "dumb cuts" gewarnt, dazu wurden zeitlose Unidemo-Klassiker skandiert ("Wessen Bildung? Unsere Bildung"). Das bisherige Angebot der Regierung sei "inakzeptabel", betonte Uni-Wien-Rektor Sebastian Schütze in seiner Rede. Die Folgen wären ein drastischer Personalabbau, schlechtere Studienbedingungen, weniger Forschungsleistung und Innovationskraft. "Wir verlangen von dieser Bundesregierung jetzt einen verlässlichen Finanzierungspfad!" 

Uni-Proteste
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Auslöser des Protests sind Pläne der Bundesregierung für das kommende Doppelbudget (2027/28). Die uniko hatte zunächst Kürzungen von einer Mrd. Euro bei ihrem nächsten Dreijahresbudget (2028 bis 2030) befürchtet - eine Zahl, die Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) "frei erfunden" nannte. 2028 muss das Wissenschaftsministerium insgesamt 190 Mio. Euro kürzen und die Medizinunis sollen, anders als bisher, die Gehälter der Ärzte an den Unikliniken selbst bezahlen müssen. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) hat zuletzt mehrfach betont, dass sie insgesamt ein Plus anstrebt. Die endgültigen Summen sollen Ende Oktober feststehen. Für Schütze ist das allerdings zu spät. Die Unis bräuchten Planungssicherheit, und zwar jetzt. 

Uni-Proteste
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Rektoren wollen Budgetplus

Die Unirektoren fordern weiter ein Plus von 1,5 Mrd. auf 18 Mrd. Euro, alles andere bedeute "gravierende Einschnitte" für Studierende und in der Forschung. Die ÖH-Bundesvertretung befürchtet ebenfalls weiter milliardenschwere Einschnitte, Vorsitzende Selina Wienerroither (Verband Sozialistischer Student_innen/VSStÖ) warnte in ihrer Rede vor überfüllten Lehrveranstaltungen, schlechten Betreuungsverhältnissen und mehr Aufnahmeverfahren. Die Junos Studierenden waren bei der Demo mit einem Schild mit der Aufschrift "Rot macht Unis tot" vor Ort. Die ÖVP-nahe AktionsGemeinschaft (AG) hat Ministerin Holzleitner im Vorfeld ein "Kaputtsparen" der Unis vorgeworfen und ihren Rücktritt gefordert.

Unterstützung für die Protestaktionen kam am Mittwoch auch von den Vorsitzenden der Uniräte, quasi den Aufsichtsräten der Universitäten. Einsparungspotenzial gebe es in jeder Institution, das erwartete Budget-Minus bringe aber die Qualität der akademischen Ausbildung und die Arbeitsmarktchancen der Absolventen in Gefahr. "Es erscheint unvorstellbar, dass Universitätsräte den Rektoraten den Abschluss einer Leistungsvereinbarung empfehlen könnten, die einen solchen Substanzverlust umsetzt", warnten sie.

Auch die größten außeruniversitären Forschungsorganisationen haben auf ausreichend Mittel für die Unis gepocht. Universitäten und Forschungsinstitutionen seien kommunizierende Gefäße. "Eines ist ohne das andere weder zukunftsfähig noch international konkurrenzfähig", hieß es in einer Aussendung von Österreichischer Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Wissenschaftsfonds FWF und dem Institute of Science and Technology Austria (ISTA). Davor hatten bereits mehrere Landeshauptleute empört auf die Einsparungspläne reagiert, Oberösterreichs Thomas Stelzer (ÖVP) warnte etwa vor einem "Rückschritt mit Anlauf für den gesamten Standort". Beim Forschungsrat sah man in der aktuellen Debatte hingegen vor allem einen "Verteilungskampf" und plädierte für einen treffsicheren Einsatz von Mitteln, weniger Standorte und mehr Verbindlichkeit im Studium.

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