Wird Blatter für 90 Tage suspendiert?

FIFA-Skandal

Wird Blatter für 90 Tage suspendiert?

FIFA-Ethikkommission tagt am Freitag wegen Blatter und Platini.

Die Untersuchungskammer der FIFA-Ethikkommission fordert nach Angaben des persönlichen Beraters von Joseph Blatter eine 90-tägige Freistellung des Fußball-Weltverbandspräsidenten. Eine Entscheidung der rechtsprechenden Kammer stehe allerdings noch aus, sagte Klaus J. Stöhlker der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Ich habe vor fünf Minuten mit ihm gesprochen. Er wird morgen im Büro sein."

Die BBC hatte zuvor berichtet, dass Blatter bereits heute suspendiert wurde.

Endgültige Entscheidung am Freitag

Laut Stöhlker, der Blatter seit Jahren auch freundschaftlich verbunden ist, soll das Gremium unter dem Vorsitz des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert seine endgültige Entscheidung am Freitag treffen. Bis dahin dauert das Treffen der Ethikkommission in Zürich an. Sollte der 79-jährige Schweizer suspendiert werden, dürfte er keine fußballbezogene Aktivität mehr ausüben, sein ebenfalls umstrittener Vize Issa Hayatou würde vorerst das Amt übernehmen.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte vor knapp zwei Wochen ein Strafverfahren gegen Blatter unter anderem wegen des Verdachts der "ungetreuen Geschäftsbesorgung" eingeleitet. Auch auf UEFA-Präsident Michel Platini ist die Schweizer Justiz aufmerksam geworden. Im Korruptionsskandal um den Weltverband war der Franzose von den Behörden wegen einer von Blatter empfangenen Zahlung in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken als Auskunftsperson vernommen worden. Beide bestreiten die Vorwürfe.
 

Auch Platini droht Ärger
Ärger droht auch dem ins Zwielicht geratenen Platini. Im Korruptionsskandal um den Weltverband war der Franzose von den Schweizer Behörden als Auskunftsperson vernommen worden. Der UEFA-Chef muss nun den FIFA-Ethikern erklären, warum er für Dienste zwischen Jänner 1999 und Juni 2002 erst knapp neun Jahre später von Blatter bezahlt wurde. 2011 unterstützten die UEFA-Verbände unter der Führung von Platini den Schweizer im Wahlkampf gegen den Katarer Mohamed bin Hammam. Platini verteidigte die empfangene Zahlung mehrfach öffentlich. Bei einer Suspendierung wären seine Ambitionen auf das FIFA-Amt hinfällig.

Der frühere senegalesische Sportminister Diop betonte, dass das Gremium auch den Fall von Chung Mong-joon prüfen will. Der Südkoreaner strebt wie Platini die FIFA-Präsidentschaft an. Chung selbst rechnet mit einer Sperre durch die Ethikkommission und würde damit aus dem Rennen um Blatters Nachfolge ausscheiden. Chung werden Verstöße im Zusammenhang mit Südkoreas gescheiterter Bewerbung für die WM 2022 vorgeworfen. Er war bis 2011 auch Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee.