Joachim Löw

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DFB-Team erleichtert, Presse unzufrieden

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Schmelzer nach dem Dusel-Sieg: "Hier werden nicht viele gewinnen."

Joachim Löw hat nach Siegen der deutschen Nationalmannschaft schon glücklicher gewirkt. Das 2:1 am Dienstag in Wien gegen Österreich bescherte dem DFB-Team auf dem Papier zwar einen makellosen Start in die WM-Qualifikation, die Kritik dürfte nach dem Zittersieg im Happel-Stadion aber nicht leiser werden - ganz im Gegenteil: Deutsche Zeitungen schrieben von einem "Rumpel-Fußball" und "Dösi-Kick" und werden den Druck auf den Bundestrainer, der nach dem EM-Semifinal-Aus gegen Italien und der Testspiel-Niederlage gegen Argentinien ohnehin schon unter Druck steht, wohl weiterhin erhöhen.

"Hatten in manchen Situationen Glück"
Im Land des dreifachen Welt- und Europameisters wird es nicht gern gesehen, wenn man gegen die Nummer 49 der FIFA-Weltrangliste gehörig ins Straucheln gerät. "Aber die Österreicher haben gegen keine andere Nation mehr zu gewinnen als gegen Deutschland. Gegen uns sind sie immer besonders motiviert", rechtfertigte sich Löw. Allerdings gab der 52-Jährige in Anbetracht des Sitzers von Marko Arnautovic auch zu, dass die ÖFB-Auswahl unter ihrem Wert geschlagen worden sei. "Wir hatten in manchen Situationen Glück. In der Schlussphase hätte Österreich das 2:2 erzielen müssen."

Verbesserungspotential bei DFB-Elf
Löw machte seiner Mannschaft den Vorwurf, die Partie nach der 2:0-Führung nicht sicher nach Hause gespielt zu haben. "Da hätten wir das Match anders kontrollieren müssen." Auch die zahlreichen - oft durch das österreichische Pressing erzwungenen - Fehler im Spielaufbau ärgerten den früheren Tirol- und Austria-Trainer. "Wir haben nicht so gut von hinten rausgespielt und oft lange Bälle nach vorne geschlagen, was normalerweise nicht unser Spiel ist."

Deutsche Probleme mit Pressing
Dass es trotz der bescheidenen Leistung doch zum achten deutschen Sieg über Österreich in Folge kam, war laut Löw keine reine Glückssache. "In so einem Spiel muss man seine Chancen nützen. Der Unterschied war, dass wir das gemacht haben und ein Stück cleverer waren." Ähnlich sahen es auch seine Spieler. "Können erstmal zufrieden sein, weil wir aus zwei Spielen sechs Punkte geholt haben. Mit dem heutigen Spiel können wir natürlich nicht zufrieden sein, so wie wir agiert haben", meinte Philipp Lahm. "Wir kennen die meisten Spieler aus der Bundesliga, dass sie eine gute Mannschaft haben, wussten wir. Wir haben in den ersten 25 Minuten keine Lösung gefunden gegen das Pressing. Alle Torchancen haben daraus resultiert, dass wir nicht gut rausgespielt haben und Fehler gemacht haben", sagte der DFB-Teamkapitän.

Lob für Koller-Elf
"Hier werden nicht viele Mannschaften drei Punkte holen", meinte Marcel Schmelzer. Torhüter Manuel Neuer und Mittelfeldspieler Sami Khedira sahen nach dem Spiel in der Koller-Elf einen echten Kandidaten für ein WM-Ticket. "Man weiß, dass Österreich sich weiterentwickelt hat. Hier gewinnt nicht jede Mannschaft. Österreich war nicht bei der Europameisterschaft, aber sie sind auf jeden Fall ein Kandidat um zur WM zu fahren", sagte Neuer. Khedira: "Wenn die Österreicher weiter so spielen, werden sie in der Qualifikation ein sehr ernstes Wort mitreden. In Österreich zu bestehen, ist für eine deutsche Mannschaft nicht einfach, deshalb sind die drei Punkte sehr wertvoll."

Die Stimmen zum Spiel AUT vs. GER

"Wir haben ein sehr gutes Spiel gezeigt, aber schlussendlich haben wir keine Punkte. Wenn man verliert, ist man nie zufrieden. Aber wie die Spieler versucht haben, alles umzusetzen, diesen Weg müssen wir weitergehen. In der ersten Hälfte hatten wir viele Möglichkeiten, da hat die Ruhe und die Konsequenz gefehlt. Bei Deutschland sah man, dass sie Weltklasse sind, wie sie aus wenigen Möglichkeiten das Maximum herausgeholt haben."

"Eigentlich hatten wir nach dem 2:0 alle Voraussetzungen, das Ding in aller Ruhe zu Ende zu spielen. Durch Fehler haben wir uns aber selbst in Bedrängnis gebracht und am Ende hatten wir auch noch Glück. Von Österreich war ich nicht überrascht. Von allen Ländern der Welt will Österreich am meisten gegen uns gewinnen. Uns war klar, dass sie alles in die Waagschale werfen. Wir haben zu viele Abspielfehler gemacht, jede Chance von Österreich ist durch Eigenfehler zustande gekommen."

"Ich will Entschuldigung sagen ans ganze Land. Das war mein Fehler bei dieser Chance am Schluss. Ich habe den Ball super hereinbekommen, da gibt es keine Entschuldigung. Wir waren klar überlegen. Die Deutschen haben einen Elfer bekommen, ich weiß nicht, ob er gerecht war oder nicht, die haben wieder nur mit Glück gewonnen. Unsere Mannschaft hat sensationell gearbeitet, ist immer wieder aufgestanden, auch nach dem 0:2 und die Fans haben uns toll unterstützt."

"Es war das erwartet schwere Spiel. Wir haben einige Fehler gemacht und den Gegner zwei, drei Mal förmlich eingeladen. Da haben wir kein perfektes Spiel abgeliefert. Österreich hat an Größe gewonnen, wir hatten am Schluss richtig Glück."

"Gratulation an das Team, die Leistung war eine tolle. Wir können auch stolz sein auf das Publikum. Es hat halt gegen Deutschland wieder einmal nicht gereicht, aber wir können auf unserer Leistung aufbauen, ich bin für die WM-Qualifikation zuversichtlich."

"Diese Mannschaft hat Zukunft, sie ist auf einem guten Weg und wird aufsteigen."

"Von der Partie her waren wir sehr nah dran an einem Erfolg. Wir hätten schon sehr früh führen müssen. Wir haben umgesetzt, was wir die ganze Woche trainiert haben, wir haben den Deutschen ganz wenig Luft gegeben. Wir haben alles gemacht, nur nicht die Tore. Das 1:0 war billig. Jetzt stehen wir wieder mit leeren Händen da, das ist sehr bitter. Die Schiri-Leistung war aber auch nicht sehr gut. Er hätte auch für uns Elfer geben müssen. Wir sind aber selber schuld, wenn wir unsere Chancen nicht verwerten. Es ist bitter für uns gelaufen, die Mannschaft hat alles gegeben, die Zuschauer haben ein tolles Spiel gesehen. Hier entsteht was. Wir werden in den nächsten Spielen punkten und schauen positiv in die Zukunft."

"Das war ein Deja vu. Deutschland hatte drei Chancen, wir das Doppelte. Das heißt, dass wir die Punkte gegen die anderen Teams machen müssen, auch wenn wir heute gerne etwas mitgenommen hätten. Wir müssen nicht nur gegen große Gegner gut spielen, sondern auch gegen die sogenannten Kleinen unsere Leistung abrufen."

"Wir haben alle ein Deja vu wie schon vor 13, 14 Monaten. Die Enttäuschung ist sehr groß. Wir haben genug Chancen gehabt, auch zum Schluss. Wenn wir die nützen, gehen wir vielleicht mit einem Unentschieden vom Platz. Das ist sehr bitter und schade."

"Ich denke, dass wir mit drei Punkten sehr zufrieden sein können, aber nicht mit der Art und Weise, wie wir sie geholt haben. Wir waren 2:0 vorne und dann haben wir Österreich mit taktischen Fehlern wieder ins Spiel gebracht. Das darf nicht passieren. In der ersten halben Stunde war Österreich sehr aggressiv, wir haben gewusst, dass es nicht leicht wird."

"Wir sind mit den drei Punkten zufrieden, aber nicht mit dem Spiel. Wir haben im Aufbau viele Fehler gemacht, das darf uns nicht passieren. Aber am Ende stehen drei Punkte. Man darf nicht vergessen, dass sich Österreich weiterentwickelt hat, das ist eine gute Mannschaft. Deshalb hat der Sieg schon etwas zu bedeuten."

"In den ersten und 25 Minuten war Österreich überlegen, dazwischen hatten wir das Spiel im Griff. Dass Österreich ein gutes Team hat, haben wir schon in der letzten Qualifikation gesehen und das hat sich heute bestätigt. Wichtig war, das wir in Führung gegangen sind. Wir haben auch noch das 2:0 erzielt, aber Österreich hatte sogar noch Chancen.

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