Bickel: 'Schandmails & Hasspostings waren tief'

Rapid-Resümee

Bickel: 'Schandmails & Hasspostings waren tief'

Noch-Sportdirektor zeiht Fazit über seine Zeit beim Rekordmeister.

Fredy Bickel ist nur noch wenige Wochen bei Rapid als Sportdirektor tätig. Mit Saisonende verlässt der Schweizer nach zweieinhalb Jahren die Grün-Weißen. Die Zeit beim Rekordmeister beschreibt er im Interview mit dem Standard als sehr herausfordernd: "Ich habe mich oft hinterfragt. Musst du dich ändern? In der heutigen Welt, wo jeder um seinen Platz kämpft und sich viele selber in den Vordergrund stellen, bleibt das Wir-Gefühl auf der Strecke. Vielleicht muss man die Romantik reduzieren. Auch wenn es persönlich schwer fällt."

Einige von Bickels Transfers gingen in die Hose. Das größte Problem lag aber woanders: "Die Trainerwechsel. Jeder, zunächst Canadi, dann Djuricin und jetzt Kühbauer, hat die Mannschaft naturgemäß anders gesehen." Die Spieler mussten sich immer wieder neu einstellen. Die sportlichen Probleme hangen wie ein Damoklesschwert ständig über dem Team. Die Fans waren wütend. Bickel wurde der Reifen aufgeschlitzt, Trainer Djuricin rausgebuht. "Ja, mir wurden die Reifen aufgeschlitzt, aber das kann irgendjemand gewesen sein. Ich muss klar betonen, von den Ultras selbst bin ich immer anständig angegangen worden - eine gute Dialogbasis. Viel schlimmer sind die Leute rund um den Verein, die alles mit früher vergleichen. Was man da für Schandmails und Hasspostings kriegt, ist tief."

Der Abschied tue Bickel weh, doch sei es auch eine Erleichterung: "Es ist nun das erste Mal, dass ich es völlig ruhig angehe. Nach meiner Rücktrittserklärung sind umgehend fünf oder sechs Anfragen gekommen. Ich war gar nicht bereit, mit ihnen zu sprechen. Ich sehe mich im deutschsprachigen Raum, sicher nicht in Österreich. Nach Rapid gibt es hier nichts für mich." Denn: "Rapid war mit Abstand der bisher schwierigste Verein. Er ist sehr speziell, zieht dich zwangsläufig mit hinein." Bickel beklagt wie so oft bereits die Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung und Realität. Ein Lucas Galvao verdiene zum Beispiel in Ingolstadt, einem deutschen Zweitligisten, mehr als das Doppelte: "Man muss sich dann darüber bewusst werden, wo wir auf der Weltkarte des Fußballs stehen."