Sturm vor Euro-League-Auftakt mit Moralinjektion

Mammutaufgabe AS Monaco

Sturm vor Euro-League-Auftakt mit Moralinjektion

Sturm Graz kann mit dem vierten Liga-Saisonsieg im Gepäck die Reise zum Europa-League-Auftaktspiel bei AS Monaco antreten.  

Beim 2:1-Heimerfolg gegen Aufsteiger Austria Klagenfurt am Sonntag hoben sich die Hausherren den Siegtreffer bis zur 94. Minute auf. Umso größer war die Freude am Ende. "Der späte Sieg ist wichtig für die Moral und das Selbstvertrauen", betonte Sturm-Trainer Christian Ilzer. Dessen Gegenüber Peter Pacult ärgerte sich wieder einmal über den Schiedsrichter.

Innenverteidiger Gregory Wüthrich bewahrte sein Team vor dem dritten Remis in Folge nach einem 2:2 gegen die Austria und einem 1:1 gegen die Admira. "Es war natürlich eine Riesenerlösung und sehr wichtig für den Kopf. Es wäre bitter gewesen schon wieder Unentschieden zu spielen. Mental sind die drei Punkte super für uns", sagte der Goldtorschütze. Dadurch blieben die Grazer sieben Punkte hinter dem überlegenen Tabellenführer Salzburg erster Verfolger. Es läuft also weiter nach Wunsch für den Ligadritten der vergangenen Saison.

Ilzer: "Jon hat Stabilität reingebracht" 

Den Umschwung brachten die zuletzt angeschlagenen und daher nicht in der Startformation aufgebotenen "Joker" Jon Gorenc Stankovic und Otar Kiteishvili. "Mit Jon haben wir an Stabilität gewonnen und Otar hat Impulse gebracht", meinte Ilzer. Der Georgier war dank seiner Kreativität ein ständiger Gefahrenherd und leitete auch den entscheidenden Treffer mit ein. "Ich glaube, dass wir nach den letzten 20 Minuten der verdiente Sieger sind", schilderte der Steirer seine Sicht. Auf die gesamte Spielzeit gesehen sei der Erfolg vielleicht glücklich gewesen.

Sturm musste nach einem Blitztor von Christopher Cvetko (3.) früh einem Rückstand nachlaufen. "Wir haben uns durch das frühe Gegentor in eine schwierige Situation gebracht", sagte Ilzer. Besonders ärgerte er sich darüber, dass es nach einem ruhenden Ball gefallen war - einem Gemicibasi-Corner. "Es war das sechste Gegentor nach einer Standardsituation, das stört mich extrem, da müssen wir konzentrierter verteidigen", forderte der Ex-Austria-Coach. Nach dem Schock sei sein Team "langsam, zerfahren und nervös" gewesen. "Das war einfach zu wenig von uns. Es war lange Zeit kein gutes Spiel von uns."

Erlösung in der Nachspielzeit 

Immerhin gelang Jakob Jantscher (31.) mit einem verwandelten Handelfmeter trotzdem recht bald der Ausgleich. Jene Torgefahr, die sich Ilzer wünscht, strahlten die Gastgeber erst im Finish der Partie aus. Da lag das 2:1 richtiggehend in der Luft. Der erlösende Treffer fiel allerdings erst, als die Partie in der Nachspielzeit der Nachspielzeit war. Drei Minuten waren nur angezeigt gewesen. Deshalb war auch Pacult angefressen. "In der letzten Minute haben wir die Sekunden runtergezählt und den Schlusspfiff erwartet, der Schiedsrichter hätte auch zeitgerecht abpfeifen können."

Objektiv gesehen war die zusätzliche Minute aufgrund eines Wechsels in der Nachspielzeit plus Zeitspiel der Hausherren wohl gerechtfertigt. "Mit dem einen Punkt, den wir uns verdient hätten, wäre es Platz vier statt acht, das sieht optisch dann schon anders aus, aber der Schiedsrichter hatte was dagegen", verlautete der Wiener. Eine Niederlage mit so spätem Gegentor tue besonders weh, vor allem da man den Grazern gut Paroli habe bieten können. "Wir belohnen uns nicht für einen absoluten Kampf. Es ist traurig, dass wir hier nichts mitgenommen haben", gab Tormann Lennart Moser zu Protokoll.

Die Steirer hingegen können jetzt positiv in Richtung Monaco blicken. "Es wartet eine Riesenaufgabe auf uns, ich bin gespannt wie wir diese Herausforderung annehmen", so Ilzer. Er wollte vor der Vorbereitung auf das Duell mit dem Team von Trainer Niko Kovac einmal das Sonntag-Spiel emotional verarbeiten. Während sich der Chefcoach voll auf Klagenfurt fokussiert hatte, habe sein Trainerteam schon alles perfekt für die Donnerstagpartie vorbereitet.