Nach WM-Pleite

Keine Zukunft für Italiens Altstars

Generationswechsel bei Squadra Azzurra gefordert. Cannavaro warnt aber.

Nach dem größten WM-Debakel seiner Fußball-Geschichte sucht Italien nach Fehlern im System und einen Ausweg aus der Krise. Italiens WM-Versager haben sich in den Urlaub verabschiedet, die "Tifosi" müssen ihren Sommerferien einen neuen Sinn geben und Verbandspräsident Giancarlo Abete zerbricht sich den Kopf, wie das Comeback der Squadra ausschauen könnte.

Generationswechsel schwer
Einigkeit herrscht, dass der neue Nationaltrainer Cesare Prandelli einen Generationswechsel einläuten muss. Was Marcello Lippi nicht gelungen ist, wird aber auch ihm schwer fallen. "Es ist eine Ära zu Ende gegangen und in unserer neuen Generation sind keine wirklichen Ausnahmefußballer", sagt der mit 36 Jahren zurückgetretene Kapitän Fabio Cannavaro.

Etliche Altstars gehen
Neben Cannavaro und Lippi wird auch Gennaro Gattuso ("Wir haben gespielt wie Ziegen") seine Karriere im Team sicher beenden, mit Gianluca Zambrotta und Mauro Camoranesi dürften zwei weitere Weltmeister 2006 folgen. Dem Team erhalten bleiben sollen hingegen Gianluigi Buffon, Andrea Pirlo, Daniele De Rossi, Alberto Gilardino und Giorgio Chiellini. Die "neue Generation" könnten Spieler wie Riccardo Montolivo, einer der wenigen Lichtblicke in Südafrika, Antonio Cassano, Mario Balotelli oder Davide Santon bilden.

Probleme im Nachwuchs
"Wir haben Defizite im Nachwuchs", räumt Abete ein. Zwischen 1992 und 2004 wurde Italiens U21 fünfmal Europameister, jetzt bangt sie sogar um die Qualifikation. "Der WM-Misserfolg ist auch der Misserfolg unserer Clubs", behauptete Cannavaro. Statt auf junge italienische Spieler zu setzen, holen sie Ausländer. In der zu Ende gegangenen Saison kamen 42,9 Prozent der Fußballer in der Serie A aus dem Ausland - so viel wie nie zuvor. Inter Mailand gewann die Champions League im Finale gegen Bayern München ohne einen einzigen Italiener in der Startelf.

Talente chancenlos
Italiens Talente bekommen bei den Top-Clubs keine Chance, ihnen fehlen die Erfahrungen in großen, wichtigen Partien. "Meine Spieler hatten Angst", gab Lippi nach dem entscheidenden 2:3 gegen die Slowakei offen zu. Aber auch auf die Fankultur müsse man einwirken, mahnte Cannavaro. Manche Club-Chefs geben offen zu, dass sie von radikalen Fangruppen aus den eigenen Reihen erpresst werden. Gewalt ist in Italiens Stadien alltäglich. Die Regierung hat die Gesetze verschärft und verbietet Fans bei kritischen Partien die Reise zu Auswärtsspielen. Viel geändert hat sich nicht.

Fußball ist in Italien kein Familienfest, auch weil die Stadien veraltet und unattraktiv sind. In Rom und Mailand können sich die Clubs seit Jahren nicht mit den Politikern und Bürokraten auf gemeinsame Stadienprojekte einigen. Nur Juventus Turin baut derzeit eine eigene Fußballarena mit integriertem Vergnügungszentrum. Ohne moderne Stadien wird den Top-Clubs langfristig das Geld ausgehen, weil sie weder für Zuschauer noch für Sponsoren attraktiv sind.

Hoffen au Europameisterschaft
Mit den EM-Bewerbungen hoffte Abete auf einen Befreiungsschlag. Aber für 2012 und 2016 wurde Italien bei der UEFA abgelehnt. Und nun gerät nach dem WM-Debakel auch noch der Verband in Geldnot: Auf 20 Millionen Euro wird der Einnahmeverlust durch das Vorrunden-Aus bei der WM geschätzt. Sportlich droht Italien in der FIFA-Rangliste der Absturz von derzeit Platz 5 auf einen Rang zwischen 12 und 15. Damit wird Italien bei den nächsten Turnieren nicht mehr topgesetzt sein und könnte schon in den Gruppen auf Top-Teams treffen. Kein Wunder, dass Cannavaro warnt: "Ändert sich bei uns nicht einiges, werden wir unsere nächste WM erst in 25 Jahren gewinnen."

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