Meistertitel kommt Rapid teuer zu stehen

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Meistertitel kommt Rapid teuer zu stehen

Die Fans freuen sich schon auf die Meisterfeier, finanziell zahlt sich der 32. Titel für Rapid allerdings nicht aus.

Sollte Rapid am Sonntag im Heimspiel gegen SCR Altach den 32. österreichischen Fußball-Meistertitel fixieren, wäre der Jubel unter den Fans weitaus größer als beim Club-Kassier. In diesem Fall wären nicht nur Meisterprämien auszubezahlen, was wiederum die Sonderprämien der Geldgeber auffressen würde -, sondern einige Kicker würden auch an Wert steigen und für ausländische Vereine interessanter werden. Die Folge wäre die Abwanderung von begehrten Spielern oder höher dotierte Verträge.

Sponsoren schwierig zu bekommen
Als ökonomisches "Problem" will Rapid-Manager Werner Kuhn den möglichen Titelgewinn deswegen aber nicht bezeichnen. "Das ist für uns eine Chance, durch die dadurch entstehenden Emotionen die Rapid-Familie weiter aufzubauen." Eine Aufstockung der Sponsor-Einnahmen sei in so einer Phase jedoch ein schwieriges Unterfangen. "Ich hatte die besten Erfolge bei der Akquisition neuer Geldgeber in sportlich schwierigen Zeiten. Wenn wir Meister werden glaubt jeder, dass wir eh Geld genug haben", erklärte der Wiener, der nach eigenen Angaben das Hütteldorfer Budget in den vergangenen zehn Jahren von 1,2 auf derzeit 12 Millionen Euro erhöht hat.

Aus der Sicht des Club-Managements seien die ersten beiden Jahre nach einem Meistertitel die größte Herausforderung, "weil man da mit der Mannschaft einen 'Turnaround' machen muss, um die wirtschaftliche Gesundheit nicht zu gefährden", so Kuhn. Nach den jüngsten Titeln 1996 und 2005 gelang es nicht, die Meistermannschaft beisammen zu halten, und dass Ähnliches auch diesmal passieren könnte, hält Kuhn nicht für ausgeschlossen.

Spieler entwickeln
"Aber wir verstehen uns als Verein, der Spieler entwickelt und europareif macht. Ein Spieler, der sagt, 'Jetzt bin ich bei Rapid und aus', ist bei uns ohnehin fehl am Platz", betonte der Manager. Guten ausländischen Angeboten für Spieler habe man eben nur wenig entgegenzusetzen. "Wenn wir uns da einbilden, mithalten zu wollen, sind wir übermorgen wirtschaftlich tot."

Ablöse
Immerhin befindet sich Rapid in der glücklichen Lage, für fast alle aktuellen Kader-Spieler eine Ablöse kassieren zu können, denn nur die Verträge von Mario Bazina und Stefan Maierhofer enden im Sommer. "Mit Beiden laufen derzeit Gespräche", sagte Kuhn, der den 2009 auslaufenden Kontrakt von Sturm-Talent Erwin Hoffer "unbedingt noch vor der EURO" verlängern will.