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Pröll im Interview

Stadion-Hammer: Neue ÖFB-Arena in Niederösterreich?

Im oe24.TV-Interview spricht ÖFB-Präsident Josef Pröll Klartext zu einem Stadion-Neubau. 

oe24.TV: Herr Präsident, Hand aufs Herz: Nach einem Jahr im Amt – wie fällt Ihre Bilanz aus? Ist der Fußball-Dschungel härter als die Politik?
JOSEF PRÖLL: Ich bin seit Mai letzten Jahres dabei und ja, ich musste erst einmal ordentlich Konsolidierungsarbeit leisten – vor allem, was die Emotionen betrifft. Mein Ziel war es, die Gräben zwischen den Landesverbänden und der Bundesliga zuzuschütten. Dass wir jetzt unmittelbar vor der WM stehen, verdanken wir dem Teamchef und der Mannschaft, aber ich habe versucht, die nötige Ruhe für diesen sportlichen Erfolg reinzubringen. Überrascht hat mich ehrlich gesagt die enorme Öffentlichkeitswirkung – Fußball bewegt die Menschen in diesem Land massiv!

oe24.TV: Als Sie übernommen haben, lag beim ÖFB ja einiges im Argen. Gab es einen Moment, wo Sie sich gedacht haben: „Warum tue ich mir das an?“
PRÖLL: Überhaupt nicht! Im Gegenteil. Bei meiner einstimmigen Wahl in Bregenz habe ich gespürt: Alle wollen diesen Neustart. „Peoples Management“ ist im Fußball genauso wichtig wie in der Wirtschaft. Ich will keine persönlichen Geschichten aus der Vergangenheit mehr hören. Wir arbeiten nicht für Funktionäre, sondern für den Erfolg von Österreichs Frauen- und Männerfußball.

Stadion-Hammer: Neue ÖFB-Arena in Niederösterreich?
© oe24.TV

oe24.TV: Das Land ist im Fußball-Fieber, die WM in den USA steht vor der Tür. Was ist drin für unsere Burschen? Wie weit kommen wir?
PRÖLL: Die Euphorie ist riesig! Wer hätte gedacht, dass Freundschaftsspiele in Ghana oder Südkorea fast ausverkauft sind? Das zeigt: Die Menschen stehen hinter dem Team. Das klare Ziel ist das Überstehen der Gruppenphase. Danach ist in einem Entscheidungsspiel alles möglich. Aber erst einmal volle Konzentration auf Jordanien, Algerien und natürlich den Weltmeister Argentinien!


oe24.TV: Experten sagen, das Team könnte den dringend benötigten Aufschwung ins Land bringen. Spüren Sie diese gesellschaftliche Verantwortung?

PRÖLL : Absolut. Der Sport ist ein Signal: Wer hart trainiert und konsequent arbeitet, hat Erfolg. Ich hoffe, dass diese rot-weiß-rote Welle der Euphorie auch die Politik und die Wirtschaft ansteckt, damit wir mit Optimismus in den Sommer gehen.


oe24.TV: Ein heißes Eisen: Die WM-Prämie. Gibt es bei einem Titel den Mega-Scheck?
PRÖLL: Wir werden natürlich über ein Prämiensystem sprechen, das ist bei großen Turnieren üblich. Es wird Anreize geben, um so weit wie möglich zu kommen. Der WM-Titel wäre ein Traum – träumen darf man, aber wir bleiben realistisch und schauen erst auf die Gruppenphase.


oe24.TV: Marko Arnautovic hat ja bereits einen Staatsfeiertag gefordert, falls wir Weltmeister werden. Werden Sie das mit dem Bundespräsidenten verhandeln?
PRÖLL: (lacht) Marko hat den Mund ordentlich vollgenommen und das super platziert. Er wird das wohl selbst mit dem Bundespräsidenten zu Ende bringen müssen. Eine witzige Geschichte!


oe24.TV: Die Fans müssen für die USA tief in die Tasche greifen. Flüge, Hotels, Tickets – alles extrem teuer. Rechnen Sie trotzdem mit einem Ansturm?
PRÖLL: Trotz der Kosten und der geopolitischen Herausforderungen sehen wir ein riesiges Interesse. Die Kontingente für Österreich sind quasi ausgelastet. Viele verbinden das mit einem Familienurlaub. Nach 28 Jahren Abstinenz wollen die Leute einfach dabei sein.


oe24.TV: Reden wir über die Finanzen. Es hieß oft, der ÖFB sei klamm. Wie ist die Lage wirklich?
PRÖLL: Niemand muss sich Sorgen machen! Wir eröffnen Mitte Mai den neuen ÖFB-Campus in Wien-Aspern – ein echtes Kompetenzzentrum, das bereits ausfinanziert ist. Wir stehen solide und robust da, auch wenn wir natürlich moderner und digitaler werden müssen.

oe24.TV: Und das leidige Thema Nationalstadion? Das wird seit Jahren wie eine heiße Kartoffel hin- und hergeschoben. Kommt es jetzt endlich?
PRÖLL: Wir müssen weg vom reinen „Fußballstadion“. Wir brauchen eine Multifunktionsarena für Sport und Kultur, die sich auch wirtschaftlich rechnet. Das Happel-Stadion ist in die Jahre gekommen, das sieht jeder Besucher. Ich bin in Gesprächen mit dem Bund und der Stadt Wien. Es gibt auch private Investoren, die Interesse zeigen. Wir reden hier über eine satte dreistellige Millionen-Investition für die nächsten Jahrzehnte. Wien ist Favorit, aber auch Standorte in Niederösterreich sind im Gespräch.

oe24.TV: Zum wichtigsten Mann auf dem Platz: Ralf Rangnick. Sein Vertrag ist das Dauerthema. Bleibt er uns erhalten?
PRÖLL: Ich nehme das sehr ernst. Ich will die Verlängerung mit Ralf Rangnick! Er hat den österreichischen Fußball geprägt. Es gibt ein Eckpunktepapier, das wir besprochen haben. Es fehlen noch Details, aber ich bin optimistisch. Wir haben eine extrem tragfähige persönliche Basis. Es geht ihm nicht nur um Geld, sondern um die strategische Ausrichtung des ÖFB. In den nächsten Wochen werden wir eine Entscheidung verkünden – bis dahin gibt es keine Wasserstandsmeldungen.

oe24.TV: Letzte Frage, weil das Netz glüht: Wie gefallen Ihnen eigentlich die neuen Nationalteam-Trikots im „Kaffeehaus-Design“?PRÖLL: Ich finde sie spannend! Die Parabel mit dem Kaffeehaus ist gut gewählt. Mir gefallen sie – und sie sind definitiv dazu geeignet, in diesen Dressen erfolgreich zu sein!

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