Stürmer trafen in erster Runde erst fünf Mal aus dem Spiel heraus.
Die Fußball-WM 2010 in Südafrika ist trotz Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney oder Samuel Eto'o bisher kein Festival der Stürmer gewesen. Ganz im Gegenteil: Südafrika 2010 droht nach dem Motto "Safety First" sogar zur torärmsten Weltmeisterschaft der Geschichte zu werden. Nach der ersten Runde der Gruppenphase bzw. 16 Partien durften erst 25 Treffer bejubelt werden. Schlechter war der Schnitt zu diesem Turnierzeitpunkt noch nie.
Totale Torflaute
Mit einem Schnitt von 1,56 Toren pro Spiel liegt
die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent weit hinter Italien 1990
zurück, als mit durchschnittlich 2,21 Treffern die bisher wenigsten Tore bei
einer WM-Endrunde erzielt worden sind. Die FIFA sieht ihr Premiumprodukt
trotz vieler langweiliger Spiele aber nicht in Gefahr. "Es ist zu früh,
irgendwelche Schlüsse zu ziehen", lautet das Statement des Weltverbands.
Nur Deutschland schert aus
Erst eine einzige Mannschaft erzielte
mehr als zwei Tore, nämlich Deutschland beim 4:0 über Australien. Mehr als
zwei Tore in einem Spiel gab es dazu nur bei Brasilien - Nordkorea (2:1).
Sonst regiert der Minimalismus: Im ersten Viertel der insgesamt 64
WM-Partien gab es zwei torlose Spiele, fünfmal ein 1:0, fünfmal ein 1:1 und
zweimal ein 2:0. Nur vier der 32 Teams haben bisher mehr als ein Tor erzielt
- neben Deutschland und Brasilien nur Südkorea und die Niederlande.
Effizienz an oberster Stelle
"Ich denke, dass alle Teams, die
hier sind, effizient spielen müssen", sagte Brasiliens Trainer Carlos Dunga.
Die Zauber-Kicker des Rekordweltmeisters haben den neuen internationalen
Fußball-Kanon perfekt verinnerlicht. Strategischer Minimalismus wie beim 2:1
gegen Nordkorea bringt auch drei Punkte.
Damit liegt Südafrika 2010 nach 16 Spielen weit hinter der WM 2006 in Deutschland, der WM 1990 in Italien oder der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz. In Deutschland wurden in den ersten 16 Spielen 39 Treffer erzielt, mit 2,30 Toren wurde vor vier Jahren letztlich der zweitschlechteste WM-Schnitt gezählt. 1990 hielt man nach 16 Matches immerhin schon bei 34 Toren. Und mit Freude darf man sich an die Heim-EM vor zwei Jahren erinnern, als in Österreich und der Schweiz nach 16 Spielen schon 39 Treffer erzielt worden waren.
Bedingungsloser Angriff ist tabu
Ein Trend zeichnet sich auf
jeden Fall ab: Bedingungslose Offensive wird nicht als Erfolgsrezept
angesehen, die meisten Teams laufen mit nur einer Spitze ein. Das
4-2-3-1-System wird wohl die WM bestimmen. Und die Stürmer hatten bisher
meist Ladehemmung. Erst das neunte WM-Tor wurde von einem Angreifer erzielt.
Ghanas Asamoah Gyan traf gegen Serbien - per Elfmeter. Danach verteidigten
die deutschen Stürmer Miroslav Klose und Cacau ihren "Berufs-Stand". Der
Niederländer Dirk Kuyt zeigte immerhin sein Abstaubertalent, trotz der
Treffer von Japans Keisuke Honda und des Slowaken Robert Vittek kamen die
Stürmer aus dem Spiel erst zu fünf Treffern.
Zudem gibt es keine "Kleinen" mehr, die vom Platz geschossen werden. Die meisten WM-Spieler sind bei Topclubs in Europa unter Vertrag - taktische Naivität, die Tore begünstigt, gehört der Vergangenheit an. Seit 1994 in den USA sinkt der Schnitt bei jedem Turnier.