Am Ende überwog bei Kreiner die Freude

Kreiner "surfte" zu dritter ÖSV-Snowboard-Medaille

Als regierende Weltmeisterin Dritte hinter einer holländischen "Flachländerin" und einer Russin, die vorher noch nie am Podest gewesen war. So sehr Snowboarderin Marion Kreiner zunächst über Olympia-Bronze im PGS gejubelt hatte, so bittersüß schmeckte das Edelmetall bei genauerer Betrachtung. Als sie aber am Abend in Vancouver die Medaille umgehängt bekam, überwog bei der Steirerin Freude pur.

Immerhin hat Kreiner bei den Spielen 2010 die erst zweite Snowboard-Damenmedaille bei Olympia geholt. Und es war ihr eine besondere Ehre, dass die seit 1998 als "Solistin" geführte Gitti Köck das Sauwetter am Cypress Mountain ebenso nicht gescheut hatte wie ihr Vater oder die am Samstag am Cypress Mountain ebenfalls um Medaillen kämpfenden ÖSV-Herren, und sie alle im strömenden Regen die Daumen gedrückt hatten.

"Wenn zehn Schwimmen im Pool ist, dann gebe ich mir für heute auch zehn Punkte", witzelte Kreiner nach den "Wasserspielen" oberhalb von Vancouver. "Wie gut dass ich dafür schon im Sommer üben konnte", scherzte die 28-jährige Grazerin, die auch steirische Meisterin im Wakeboard ist. "Ich bin von der kleinen Zehe bis in die letzte Haarspitze pitschnass", erzählte sie nach der "Surferei" bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. "Aber die Medaille macht alles wieder trocken."

Die zunächst verhaltene Freude erklärte sich durch das Halbfinale. Bei 1,5 Sekunden Vorsprung hatte Kreiner im Retourlauf gegen die Russin Jekaterina Iljuchina eine Linie abseits des Sulzes gesucht und prompt den Stand verloren. Zwar übernahm sie trotz dieses Stehers nochmals die Führung, ein weiterer Fehler bedeutete aber um 0,14 Sek. das Aus.

"Was ich mir danach gedacht habe, ist nicht schreibbar", diktierte sie den Journalisten. "Nur Vierte zu werden ist noch blöder als das, was mir passiert ist." Statt im großen Finale um Gold zu kämpfen, musste Kreiner alle Nerven bewahren um wenigstens Bronze zu holen. "Bei zehn Läufen ist immer ein Fehler drin, meiner passierte im blödesten Moment", so Kreiner. Im kleinen Finale schaltete sie dann das Hirn aus. "Ich bin nur noch gefahren, habe nichts mehr mitgekriegt, wollte nur noch diese Medaille holen."

Die zweite Damen-Medaille der Geschichte sei aber enorm wichtig, betonte die Grafik-Designerin aus Graz. "Sie bestätigt, was wir in den vergangenen Jahren gezeigt haben. Da waren doch einige Weltmeistertitel und Gesamtweltcupsiege. Keine Medaille wäre wirklich eine Enttäuschung gewesen."

Das mit der "Flachländerin" war natürlich eine relative Sache. Denn Nicolien Sauerbreij gehört seit Jahren zu den besten Boarderinnen der Welt. "Sie ist zwar nicht immer die Schnellste, aber eine der Konstantesten bei uns. Bei solchen Bedingungen war mit ihr zu rechnen", zog Kreiner den Hut vor der ersten Snowboard-Olympiasiegerin aus den Niederlanden.

Dass ihre Bezwingerin Iljuchina nach der ersten russischen Snowboard-Medaille für Sotschi 2014 bereits großmundig Gold für das enorm starke Damenteam aus dem Land des kommenden Olympia-Gastgebers ankündigte, wirkte auf Kreiner förmlich elektrisierend. "Das reden wir uns in vier Jahren aus."

Wo Kreiner ihre Olympia-Medaille aufbewahren wird, wollte oder konnte sie vorerst nicht verraten. Selbst die WM-Goldene liegt aus Angst vor Einbrechern zu Hause gut versteckt in einer Schublade. Kreiner: "Ich habe noch keinen passenden Ort gefunden. Vielleicht sollte ich mir jetzt etwas überlegen."