Wind-Lotterie konnte Federer nicht stoppen

US Open

Wind-Lotterie konnte Federer nicht stoppen

Schweizer auch im Viertelfinale gegen Söderling souverän.

Trotz der anhaltenden Wind-Lotterie haben die Favoriten bei den US-Tennis-Open nichts anbrennen lassen. In ihren Viertelfinalspielen zeigten sich die Topfavoriten Roger Federer und Caroline Wozniacki trotz der heftigen Windböen auch am Mittwoch (Ortszeit) sattelfest und zogen überzeugend in die Vorschlussrunde ein.

US Open-Titel
Federers Weg zu seinem sechsten US Open-Titel gleicht bisher sogar einem Spaziergang. Im Viertelfinale gegen Robin Söderling wurde selbst der eher kritisch eingestellte John McEnroe endgültig zum Federer-Fan. "Ich werd' verrückt", brüllte die Tennis-Legende als ESPN-Experte ins Mikrofon, als der Schweizer im dritten Satz seines 6:4,6:4,7:5-Sieges gegen den Schweden beim Stand von 5:5 in die Defensive gedrängt wurde und dennoch mit einem gefühlvollen Heber den Punkt machte. Weniger spektakulär, aber ebenso überzeugend zog auch Wozniacki mit 6:2,7:5 gegen die ungesetzte Linz-Starterin Dominika Cibulkova aus der Slowakei ins Halbfinale ein.

35 Grad Hitze
Federer fegte die Nummer fünf der Weltrangliste bei böigen Bedingungen eindrucksvoll vom Centre Court. Der Schweizer präsentiert sich wie schon zuletzt gegen Jürgen Melzer nervenstark, unglaublich effizient und wetterfest. Ob 35 Grad Hitze oder starke, ständig wechselnde Winde - Federer findet immer eine passende Antwort. "Spiele im Wind sehe ich als Herausforderung und als Möglichkeit, anders zu spielen. Ich habe diese Bedingungen lange Zeit nicht gemocht, aber jetzt macht's mir Spaß", verriet er nach dem Einzug in sein 26. Grand-Slam-Halbfinale.

Tennis-Thron
Von Revanche-Gedanken gegen Söderling wollte der Weltranglisten-Zweite nichts wissen. Der Skandinavier hatte ihn im Viertelfinale der French Open in vier Sätzen besiegt und somit seine Serie von 23 Halbfinal-Teilnahmen in Folge bei Grand-Slam-Turnieren beendet. Damit war auch Federers 285 Wochen lange Regentschaft auf dem Tennis-Thron vorbei. Der Eidgenosse verpasste zudem die Einstellung von Pete Sampras' Allzeitrekord um eine Woche.

16. Sieg im 16. Abendspiel
"Ich brauche keine Revanche, um mich zu motivieren. Dazu liebe ich es viel zu sehr, in diesem Stadion und vor diesen Leuten zu spielen. Und ich liebe Tennis - das reicht aus, um für eine Nacht wie diese heiß zu sein", betonte Federer. Beim 16. Sieg im 16. Abendspiel der US Open war der 29-Jährige gnadenlos effektiv. Während Söderling im ersten Satz vier Breakpunkte vergab, genügte Federer eine Chance. Im zweiten Durchgang nahm er dem langen Schweden das Service zum 3:2 ab, obwohl sein Kontrahent bereits mit 40:0 vorn lag.

5:3-Führung
"Roger kann bei Wind sehr gut spielen, bewegt sich gut, steht immer an der richtigen Stelle", so Söderling. Ihm reichte im dritten Durchgang selbst eine 5:3-Führung nicht, um Federer den ersten Satzverlust des Turniers zuzufügen. Der Aufschlag sei der Schlüsselpunkt gewesen, befand Federer. Und mit seinem ersten Service schlug er nicht nur 18 Asse, sondern machte auch 50 von 58 Punkten. "Starker Wind oder Hitze - egal, was kommt, ich kann damit umgehen", meint der Superstar vor dem Halbfinale am Samstag gegen Novak Djokovic selbstbewusst.

Federer-Fluch
Der Serbe hatte in einer bizarren, weil vom Wind beeinträchtigen Partie, mit Gael Monfils beim 7:6(2),6:1,6:2 keine Mühe und will endlich seinen Federer-Fluch von Flushing Meadows besiegen. 2007 verlor er im Finale, die beiden Vorjahre jeweils in der Vorschlussrunde gegen den fünfmaligen US Open-Champion. Djokovic hat aber heuer noch keinen Top-10-Spieler geschlagen.

Immobilien-Tycoon
Auf dem Weg zu ihrem ersten Grand-Slam-Titel konnte sich Caroline Wozniacki über prominenten Besuch in ihrer Box am Spielfeldrand freuen. Dort saß überraschend Milliardär und Immobilien-Tycoon Donald Trump. "Er hat meinen Berater angerufen und gefragt, ob da noch Platz ist. Vielen Dank Mister Trump für ihre Unterstützung", sagte Wozniacki nach ihrem Sieg gegen Cibulkova über die Stadion-Mikrofone. Im Halbfinale gegen Wera Swonarewa könnte sie Trumps Anfeuerung erneut gut gebrauchen. Ihre Bilanz gegen die Russin lautet 2:2, das bisher letzte Duell ging verloren.