So hat Kuljic bei Harntests getrickst

Kurioses Geständnis

So hat Kuljic bei Harntests getrickst

Blasentee zur Verschleierung von Kokainsucht: Ex-Kicker packte im Gericht aus. 

Der Staatsanwalt bezweifelte, ob bei Sanel Kuljic eine therapiebedürftige Suchtmittelergebenheit überhaupt vorliegt. Er verwies darauf, dass die Anklagebehörde zunächst ein Suchtmittelverfahren wegen Eigenkonsums gegen den Ex-Sportler zurückgelegt hatte, weil dieser regelmäßig Harnproben abgab, in denen sich keine Suchtgift-Spuren nachweisen ließen.
 
"Ich hab' getrickst", räumte Kuljic ein , "ich hab' einen Tag vorher immer Tee getrunken. 18 Liter Blasentee. Damit waren die Tests negativ." Das Geld für das Kokain, das er konsumierte, hätte er ohne seine Frau nicht aufbringen können, legte der frühere Nationalspieler dar. Sein Einkommen von zuletzt 1.300 Euro monatlich sei zur Gänze für Drogen draufgegangen. Die "sonstigen Ausgaben" habe zur Gänze seine Partnerin bestritten.
 

Mehrere Jahre im Gefängnis

Kuljic war wegen seiner Verwicklung in den bisher größten Wettskandal im heimischen Sport - die versuchte Manipulation von 18 Spielen der ersten und zweiten österreichischen Fußball-Liga zwischen November 2004 und Oktober 2013 - im Herbst 2014 wegen schweren Betrugs, Erpressung und Nötigung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Im März 2017 wurde er wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Die offenen rund eineinhalb Jahre bekam der 42-Jährige von Richterin Mariella Noe in der heutigen Verhandlung nicht widerrufen, so dass er vorerst nicht "nachsitzen" muss.
 
Kuljic, der seit längerem von Drogenfahndern überwacht worden sein dürfte, war am 20. September 2019 in der Boutique seiner damals schwangeren Frau in Wien-Döbling festgenommen worden. Seither saß er in der Justizanstalt Josefstadt in U-Haft.
 
Vom heutigen Schuldspruch mitumfasst waren auch der illegale Besitz eines Teleskop-Schlagstocks und einer Faustfeuerwaffe. Letztere hatte Kuljic im Geschäft seiner Frau verwahrt. Die Schusswaffe habe er sich zugelegt, "weil ich Sachen aufdecken wollte", erläuterte der 42-Jährige. Er sei daraufhin bedroht worden. Unmittelbar vor seiner Festnahme hatte er behauptet, in der Fußball-Bundesliga fänden weiterhin Spielmanipulationen statt. Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) und der laut Kulijc primär betroffene Verein wiesen das zurück und leiteten rechtliche Schritte gegen den 42-Jährigen ein.