"Letzter Mohikaner" rettet ÖSV-Lazarett

Ski-WM

"Letzter Mohikaner" rettet ÖSV-Lazarett

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Nach Ausfällen von Raich, Hirscher und Reichelt hofften alle auf Schörghofer.

Philipp Schörghofer ist am 12. März 2010 der Knopf aufgegangen. Beim Weltcup-Finale, ausgerechnet in Garmisch -Partenkirchen, hatte der Salzburger als Riesentorlauf-Dritter erstmals ein Weltcup-Podest besteigen dürfen. "Da habe ich gelernt, wie man aufs Stockerl fährt", erinnert sich der 28-Jährige. Die Lehren daraus führten ihn auch am Freitag in Garmisch-Partenkirchen wieder in die Top-Drei, Schörghofer eroberte im WM-Riesentorlauf Bronze und somit nach Silber im Teambewerb bereits seine zweite Medaille in Bayern.

Schalter umgelegt
Im März 2010 hat Schörghofer für sich selbst beschlossen, dass er kein "Platzfahrer" mehr sein möchte. "Mit schön runterfahren reißt du nichts", lautet seitdem das Motto des Filzmoosers, der bei Trainern und Konkurrenten ästhetische Höchstnoten für seinen Fahrstil einheimst. Beim Saison-Start in Sölden war Schörghofer zur Halbzeit Dritter, doch es musste wegen Nebel abgebrochen werden.

Heimsieg in Hinterstoder
Danach fuhr der Fan von Fußball-Meister Red Bull Salzburg als Neunter in Beaver Creek und Siebenter in Adelboden zweimal in die Top-Ten, ehe dann mit dem Sieg ausgerechnet im Heimrennen in Hinterstoder der bisher einzige Weltcup-Sieg gelang. Sehr zur Freude für seinen Fanclub, der zu den lautesten im Weltcup zählt, und Freundin Nina, die in Filzmoos als Skilehrerin arbeitet.

Großes Golftalent
Wäre Schörghofer nicht Skifahrer, würde der Absolvent der Hotelfachschule Bad Gastein wohl im von der Familie betriebenen Hotel Weinpress arbeiten. Talent hat Schörghofer aber auch auf dem Golfplatz, mangelndes Training ließ sein Handicap aber zuletzt wieder von vier auf sieben rutschen. Ein weiteres Hobby ist das Pokern, das Schörghofer vor allem in Europacup-Zeiten recht intensiv betrieben hat. Im Weltcup-Tross pokert er am liebsten mit seinen Serviceleuten, Reinfried Herbst und Trainer Christian Höflehner, das (aufgrund seiner Skimarke rote) Pikass auf seinem Rennhelm steht für seine Leidenschaft.

Karriere von Verletzungen begleitet
Seit Nachwuchszeiten quälte sich Schörghofer mit kleineren Knieverletzungen, die ihn auf seinem Weg in den Europacup aber nicht bremsten. 2005 erlitt der Riesentorlauf-Bronzemedaillengewinner der Junioren-WM 2003 eine Knorpelfraktur im rechten Knie, die ihn ein Jahr außer Gefecht setzte. Am 17. Dezember 2006 bestritt er in Alta Badia sein erstes Weltcuprennen, wurde im Riesentorlauf 43. 2008 passierte ein Meniskusriss (links).

Nach dem Weltcup-Finale im März 2009 in Aare (Platz fünf) knickte der Salzburger beim Stiegen-Rauf-Laufen um und riss sich das Band im Gelenk zwischen Mittelfuß und erstem Fußwurzelknochen (rechts). Bis April 2010 war Schörghofer deshalb mit Platte und sechs Schrauben im Fußgelenk unterwegs. In Zukunft will Schörghofer nicht mehr nur Riesentorläufer sein, mit Super-G, Super-Kombination und/oder Slalom möchte er sich weitere Standbeine aufbauen.

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