Ammann vor WM-Auftakt als Tiefstapler

Oslo

Ammann vor WM-Auftakt als Tiefstapler

Schweizer spielt Aufregung um Wunderanzug herunter, setzt sich bescheidene Ziele.

Eigentlich ist es nur der Sieg bei der Vierschanzen-Tournee, der ihm wirklich noch fehlt. Will man in der ausgezeichneten sportlichen Zwischenbilanz des vierfachen Olympiasiegers Simon Ammann wirklich ein Haar in der Suppe suchen, dann findet man noch keine WM-Goldmedaille von der Normalschanze. Mit WM-Gold 2007 vom großen Bakken, sowie Silber 2007 und Bronze 2009 jeweils von der kleinen Schanze hat der Schweizer aber schon einen kompletten Medaillensatz in der Vitrine hängen.

Keine großen Sprüche
Wartet man auf einen großen Spruch des Meisters der psychologischen Kriegsführung, dann ist man vor den 48. Nordischen Titelkämpfen in Oslo aber enttäuscht. Vor der vergangenen Tournee hatte Ammann seinen Sieg mit "Ich werde die Tournee gewinnen" provokant angekündigt, sich am Ende aber Thomas Morgenstern geschlagen geben müssen. Auch im Gesamt-Weltcup gelang der zweite Coup nicht.

Heuer immer das Nachsehen
"Die Tournee war sicher für mich ein toller Versuch, es mit einer richtigen Maxime zu beginnen. Ich habe jetzt aber einige Erfahrungen durch den Winter gesammelt. Ich bin Weltcup-Zweiter, war auch Tournee-Zweiter, das war sehr nahe", sagte Ammann vor Beginn der Weltmeisterschaften, die für die Springer am Freitag mit der Normalschanzen-Qualifikation starten. Man müsse aber beachten, dass er im Dezember und Anfang Jänner viel getestet habe. Dies soll sich nun auf der Schanze zeigen, hofft er.

Ziel ist eine Medaille
"Mein Ziel wäre sicher eine Medaille und wenn es möglich wäre zu gewinnen, wäre es natürlich perfekt für mich. Ich brauche aber ein bisschen Platz im Kopf auch und ich werde mir nicht so viel Druck machen", erklärte der Eidgenosse, der am 25. Juni 30 Jahre alt wird.

Keine Rede von "Wunderanzug"
Von der teilweise vor allem im Boulevard produzierten Aufregung um seinen neuen "Wunderanzug" für die WM distanzierte sich Ammann, dies ist auch nicht Teil seines Spiels mit der Konkurrenz. "Ich denke, das ist etwas behaftet vom letzten Jahr", erinnert Ammann an seine revolutionäre Bindung just vor den Olympischen Spielen. "Viele Leute suchen ein bisschen danach, dann gab es eine Nachricht, die hat gewaltige Wellen geworfen, ich muss mich ein bisschen davon distanzieren."

Natürlich werde man wettbewerbsfähig an den Start gehen. Neue Anzüge für Großereignisse haben aber viele Nationen im Talon. "Das erwartet man auch von einem Profi. Für mich ist das letzte Puzzleteil immer noch der Mensch und dieses Jahr habe ich genug lernen müssen, dass es wirklich an mir selbst liegt. Wenn ich die Tagesform habe, dann kann ich fast alles erreichen." Aber die genauen Neuerungen wollte der vierfache Olympiasieger freilich trotzdem nicht ausbreiten.

Holmenkollen liegt Ammann
2002, 2007 und bei der Generalprobe im Vorjahr hat Ammann auf dem Holmenkollen, also der großen Schanze, schon gewonnen. Eine besondere Beziehung zum WM-Schauplatz hat er also. "Die hat auch Adam Malysz. Es wäre natürlich fantastisch, wenn wir auf dem Podest stehen könnten. Die österreichischen Skispringer sind extrem stark, vielleicht gibt's auch die eine oder andere Überraschung." Sein Fokus ist aber ein ganz klarer: "Ich versuche zu springen, bis es nur noch mich und die Schanze gibt."