Streit

Jetzt legt sich Trump mit dem Papst an

US-Präsident Donald Trump hat das Oberhaupt der Katholischen Kirche, Papst Leo XIV., in einem außergewöhnlichen Akt attackiert.  

Der Papst sei "schrecklich" in Bezug auf Außenpolitik, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. Trump schrieb, der Papst sollte "dankbar" sein, da er nur Papst geworden sei, weil er US-Amerikaner sei und man damit besser mit Trump umgehen könne. Der Papst wies die Kritik zurück. US-Bischöfe reagierten bestürzt.

"Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan", behauptete Trump. Der US-Präsident, der sich häufig bei seiner Politik auf den christlichen Glauben bezieht, schrieb weiter, er wolle keinen Papst, der es in Ordnung finde, dass der Iran eine Atomwaffe besitze. Er wolle keinen Papst, der denke, dass es schrecklich sei, dass die USA Venezuela angegriffen hätten.

Trump reagiert auf Predigt des Papstes

Trumps heftige Kritik folgt auf eine Predigt des Papstes am Samstag, in der dieser ein Ende von Kriegen gefordert hatte. "Schluss mit dem Krieg!", hatte das Oberhaupt von weltweit etwa 1,4 Milliarden Katholiken bei einem großen Friedensgebet im Petersdom in Rom gesagt. An die Regierenden richtete der Papst in seiner Predigt einen direkten Appell: "Haltet ein! Es ist Zeit für den Frieden!" Der Pontifex sprach von "Allmachtsfantasien, die um uns herum immer unberechenbarer und aggressiver werden".

Am 28. Februar hatten die USA und Israel den Iran angegriffen, der seinerseits mit Gegenangriffen reagierte. Derzeit gilt eine Waffenruhe. Zuletzt hatten sich die Friedensappelle des sonst zurückhaltenden Papstes vor allem mit Blick auf den Iran-Krieg verschärft. Die harschen Drohungen von Trump gegen den Iran verurteilte Leo - der erste Papst aus den USA - ungewöhnlich scharf und nannte sie "wirklich inakzeptabel".

Papst: Kein Angriff gegen irgendjemanden

Papst Leo XIV. wies am Montag die Kritik Trumps zurück. "Was ich sage, ist keineswegs als Angriff auf irgendjemanden gemeint", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Flug nach Algerien, der ersten Station einer Afrika-Reise. "Ich bin kein Politiker. Ich lade alle Menschen dazu ein, Brücken für Frieden und Versöhnung zu bauen und nach Wegen zu suchen, um Krieg zu vermeiden." Zugleich betonte Leo: "Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung."

"Die Botschaft des Evangeliums ist ganz klar: 'Selig sind die Friedfertigen.' Ich werde mich nicht scheuen, die Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Meine Botschaft auf eine Stufe mit dem zu stellen, was der Präsident hier zu tun versucht, bedeutet, die Botschaft des Evangeliums nicht zu verstehen. Und es tut mir leid, das zu hören, aber ich werde weitermachen mit dem, was ich für die Mission der Kirche halte", sagte der Papst an Bord des Flugzeugs.

US-Bischöfe reagierten bestürzt

Der US-Bischofskonferenz-Vorsitzende Paul S. Coakley verurteilte die Verbalattacke Trumps. "Ich bin bestürzt darüber, dass der Präsident derart abfällige Worte über den Heiligen Vater gewählt hat", hieß es in einer von der katholischen Bischofskonferenz in Washington am Sonntag (Ortszeit) veröffentlichten kurzen Mitteilung nach Angaben der Nachrichtenagentur Kathpress. Der Papst sei weder ein Gegner des US-Präsidenten noch ein Politiker. "Er ist der Stellvertreter Christi, der aus der Wahrheit des Evangeliums spricht und für das Heil der Seelen eintritt", so der Erzbischof von Oklahoma City.

Als "Deklaration der Ohnmacht" ordnete indes ein Vatikan-Offizieller die Trump-Worte ein. Der Jesuit Antonio Spadaro von der Spitze der Kulturbehörde des Vatikans, schrieb Montagfrüh in Sozialen Medien: "Wenn politische Macht eine moralische Stimme attackiert, dann liegt es oft daran, dass sie diese Stimme nicht in ihre Schranken weisen kann." Weiter schrieb der Ex-Chefredakteur der einflussreichen Jesuitenzeitschrift "La Civiltà Cattolica": "In diesem Sinn ist die Attacke eine Deklaration der Ohnmacht. Weil sie nicht in der Lage ist, diese Stimme ungehört zu machen, versucht die Macht, sie zu delegitimieren. Aber indem sie das tut, erkennt sie indirekt ihr Gewicht an."

Auch Meloni kritisiert Trump

Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni, die als Vertraute Trumps in Europa gilt, kritisierte die Worte des US-Präsidenten scharf. "Ich halte die Worte von Präsident Trump gegenüber dem Heiligen Vater für inakzeptabel. Der Papst ist das Oberhaupt der katholischen Kirche, und es ist richtig und selbstverständlich, dass er den Frieden anmahnt und jede Form von Krieg verurteilt", reagierte Meloni laut Medienangaben.

Solidaritätserklärungen erhielt der Papst auch von Aussenminister und Vizepremier Antonio Tajani. "Ich habe größten Respekt gegenüber dem Heiligen Vater. Er ist ein starker, entschlossener Mann, er spricht über Glauben, er spricht über Frieden seit dem Tag, an dem er zum Papst gewählt wurde. Ich glaube an seinen Gedanken und teile ihn zutiefst - ich sage das als Christ -, wenn er sagt, dass Frieden eine Angelegenheit ist, die das Engagement eines jeden von uns betrifft", so Tajani.

Ähnlich sieht die Lage Vizepremier Matteo Salvini. "Wenn es eine Person gibt, die sich für das Thema Frieden und die Lösung von Konflikten einsetzt, dann ist es Papst Leo. Den Papst anzugreifen - ein Symbol des Friedens und geistliches Oberhaupt von Milliarden Katholiken - erscheint mir weder sinnvoll noch klug", sagte der Lega-Chef.

Kritik ertönte auch von der Opposition."Mit den Angriffen und Drohungen gegen den Papst treibt Trump die Methode der Arroganz, die ihn bisher geprägt hat, über jede Grenze des Erträglichen hinaus", kommentierte die sozialdemokratische Oppositionschefin Elly Schlein.

Auch die italienische Bischofskonferenz verteidigte den Papst. In einer von internationalen Konflikten und Spannungen geprägten Zeit sei dessen Stimme ein "starker Aufruf zur Würde des Menschen, zum Dialog und zur Verantwortung". Sie hoffe, "dass alle Respekt für seine Person und sein Amt zeigen".

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