29. April 2010 12:24
"Wenn wir Geld haben, hängt hier ein Picasso" Dieser
Spruch ziert den Stiegenaufgang der Salzburger Villa von DJ Ötzi. Gut
möglich, dass dort nicht ein Werk des Surrealisten Platz findet, sondern ein
"echter Ötzi". Gerry Friedle (39), so Ötzi
bürgerlich, ist unter die Maler gegangen. Seit Herbst werkt der
erfolgreichste Austropop-Star der Gegenwart (12 Millionen verkaufte CDs) mit
dem anerkannten Pop-Art-Maler Günther Edlinger.
In ÖSTERREICH zeigt er nun erstmals seine Bilder. "Für mich hat die Malerei
etwas Befreiendes. Diese Kunst nimmt mir den Druck, den ich mir für meine
Musik auferlege. Mit dem Pinsel habe ich meine Muse gefunden."
"Schwieriger als Musik"
Seit Monaten schon ist das
coole Atelier in einem futuristisch anmutenden Glasrundbau im Norden
Salzburgs die Zweitheimat des Chartstürmers. "Drei bis vier Wochen" dauert
der Entstehungsprozess vom Skizzenblock bis zum fertigen Werk. Alleine vom
Auftragen der Acryl-Schicht bis zum Finale vergehen schon fünf Tage. "Das
ist keine schnelle Kunst, wie die Popmusik. Hier ist schon auch viel innere
Ruhe gefragt", erläutert Friedle.
Auch deshalb hat er eines seiner Werke, die er fast immer als Dreier-Paket
in den Farben Rot-Gelb-Grün fertigt, Warten auf den Eisberg getauft. Was in
seiner Schlichtheit doch an Picasso erinnert, wurde "durch die Geschichte
der Osterinseln inspiriert", versucht Friedle seinen Minimalismus zu
erklärten, "die Malerei ist viel schwieriger in Worte zu fassen, als die
Musik."
Aufarbeitung
Sind aktuell die Themen Plus Minus sowie Mann und
Frau die zentralen Inhalte, so startete Ötzi
anders in die Malerei. Sein allererstes Bild zeigt ein rausgerissenes Herz,
das eine Mauer durchschlägt. "Dieses Bild musste raus, sonst wären weitere
nie möglich geworden. Ich musste erst mein Herz in die Hand nehmen und die
Mauern der Vergangenheit ablegen."
Hat Ötzi zwei seiner Werke bereits in der Raiffeisenfiliale am Salzburger
Residenz-Platz ausgestellt, so werkt er gerade an einer Auftragsarbeit für
ein Krankenhaus. "Dabei möchte ich meine Bilder gar nicht mehr hergeben.
Einen Song will man mit allen Menschen teilen, doch die Malerei ist etwas zu
Persönliches. Hier bin ich ganz der Gerry und so gar nicht der DJ
Ötzi."