Neue Erkenntnis
Aida ist älteste Kaffeekette der Welt
Die Geschichte der weltweiten Kaffeekultur muss umgeschrieben werden und Wien steht dabei im Rampenlicht. Eine mehrjährige internationale Recherche des britischen Branchenjournalisten Mark Lane vom Fachmagazin "The Moodie Davitt Report" brachte eine erstaunliche historische Erkenntnis ans Licht. Aida ist die erste und älteste noch bestehende Kaffeehauskette der Welt. Bereits im Jahr 1913 entwickelte der Gründer Josef Prousek ein Konzept mit mehreren Standorten unter einer gemeinsamen Marke und einheitlichen Produkten. Damit war das Wiener Familienunternehmen den bekannten Ketten aus Übersee um Jahrzehnte voraus. "Mein Urgroßvater hat 1913 eine Idee geschaffen, die die Gastronomie später weltweit prägen sollte", erklärt Dominik Prousek, der das Familienunternehmen heute in der vierten Generation leitet.
Vom einfachen Lehrling zum visionären Unternehmer
Die Wurzeln dieser Erfolgsgeschichte liegen in sehr bescheidenen Verhältnissen. Josef Prousek wurde im Jahr 1883 in Nordböhmen als Sohn eines Schusters geboren. Als junger Mann zog er nach Wien, wo er eine Lehre als Zuckerbäcker begann. Durch sein außergewöhnliches Geschick fiel er in seinem Betrieb schnell auf. Als der damalige Eigentümer in den Ruhestand ging und keinen Nachfolger hatte, übernahm der junge Prousek das Geschäft kurzerhand selbst.
Er besaß zwar kein eigenes Kapital, überzeugte aber mit dem Versprechen, den Kaufpreis im Lauf der Zeit zuverlässig zurückzuzahlen. Um das Unternehmen schneller voranzubringen, eröffnete er bald weitere Filialen im Wiener Stadtgebiet. Überall gab es dieselben Produkte und dieselbe Gastlichkeit. Weil die harte Arbeit kaum Zeit für die Liebe ließ, gab Prousek ein Inserat in der Zeitung auf. Daraufhin meldete sich ein Fleischhauermeister aus Bruck an der Leitha, der seine Tochter Rosa verheiraten wollte. Die beiden wurden daraufhin nicht nur im Leben, sondern auch im Geschäft ein fixes Paar. Gemeinsam bauten sie den Betrieb in den folgenden Jahren im großen Stil aus.
"Aida ist für mich die Geschichte eines Mannes, der durch Fleiß, Handwerk und den Mut, größer zu denken als andere, aus wenig sehr viel gemacht hat", betont Dominik Prousek.
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Unverwechselbares Rosa prägt Stadtbild
Das markante Rosa der Filialen ist heute ein bekanntes Markenzeichen. Die Farbe war jedoch keine Erfindung moderner Werbeagenturen, sondern geht direkt auf die Mitgründerin Rosa Prousek zurück. Gemeinsam mit ihrem Ehemann legte sie das Fundament für das Wiener Traditionsunternehmen.
Vor dem Zweiten Weltkrieg zählte der Betrieb bereits 11 Filialen in Wien. Der Krieg brachte massive Zerstörungen, doch die Familie baute das Unternehmen aus eigener Kraft wieder auf. In den schweren Nachkriegsjahren produzierte man unter anderem Donuts und Speiseeis für die in Wien stationierten US-amerikanischen Soldaten. "In jedem Stück Kuchen, in jeder Cremeschnitte und in jeder Tasse Kaffee steckt mehr als ein Jahrhundert Wiener Handwerk und Familiengeschichte“, beschreibt Dominik Prousek den Wert der Marke.
Technische Pionierleistung auf der Wollzeile
Bereits in den Anfängen wurde in den Lokalen Kaffee serviert, damals allerdings noch traditionell aufgegossen. Im Jahr 1946 schrieb Felix Prousek, der Sohn des Gründerehepaars, schließlich österreichische Gastronomiegeschichte. Er nahm in der Filiale auf der Wollzeile die erste echte Espressomaschine Österreichs in Betrieb. Die charakteristische Kaffeeinsel in der Mitte des Lokals erinnert bis heute an diesen historischen Moment.
Ein wesentlicher Unterschied zu den großen Ketten aus Übersee bleibt bis heute die eigene Produktion. Im Jahr 1974 übersiedelte die Backstube von der Porzellangasse nach Floridsdorf. Dort werden die Tortenböden, Cremen und Marmeladen nach hauseigenen Rezepten handwerklich hergestellt. Die landwirtschaftlichen Zutaten wie Mehl, Butter und Eier stammen fast ausschließlich von österreichischen Bauern. "Unser Fundament sind die eigene Produktion in Wien, unsere Rezepturen und das damit verbundene Konditorhandwerk“, hält Dominik Prousek fest.
Große Auszeichnungen auf der weltweiten Bühne
Dass sich die Wiener Tradition erfolgreich exportieren lässt, beweisen die Standorte in Berlin, München und Saudi-Arabien. Am Berliner Hauptbahnhof und am Flughafen München wird das traditionelle Handwerk mit den schnellen Anforderungen moderner Reisender kombiniert.
Dieser Mut zur Internationalisierung bringt dem Familienunternehmen regelmäßig renommierte Auszeichnungen ein. Der Standort am Münchner Flughafen wurde bei den FAB Awards 2025 als bestes To-Go-Angebot Europas prämiert. Im selben Jahr folgte bei den Pepsi European QSR Franchise Awards die Auszeichnung zur Kaffeemarke des Jahres, bei der sich der Wiener Betrieb gegen mehr als 300 europäische Konkurrenten durchsetzte. Bis zum Jahr 2027 ist am Flughafen Wien bereits die Eröffnung einer dritten Filiale geplant. "Wir wollen die Coffee-Shop-Industrie nicht mit noch mehr Standardisierung verändern, sondern mit dem Gegenteil", führt Dominik Prousek den zukünftigen Weg des Traditionsbetriebs aus.
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