"Yesteryear"
Caro Claire Burke "YESTERYEAR": Je gestriger, desto besser
Podcasterin und Journalistin Caro Claire Burke hat mit Yesteryear ein ganz aktuelles Thema zu einem Roman verarbeitet. Ihr Debütroman dreht sich um die ehrgeizige Natalie Mills, die als Influencerin im Bereich der "Tradwives" die erfolgreichste von allen ist. Sie lässt sich beim Backen, beim Eier einsammeln, beim Sonnenuntergang mit ihren Liebsten filmen, bastelt daraus süßlichen Content. Doch eines Tages wacht sie auf und findet sich an einem anderen Ort wieder: in der Vergangenheit, die sich nicht so verklären lässt wie ihre gewohnte Realität.
Das sind Tradwives
Tradwives auf TikTok und Instagram geben Einblick in ihr Leben, das stark an die Biederkeit der 1950er Jahre erinnert, ein ursprünglicheres, vermeintlich einfacheres, eben traditionelles Leben verklärt. Sie widmen sich der Aufzucht (vieler) Kinder, kneten träumerisch ihren Sauerteig und besinnen sich auf die scheinbar einzig wahren Werte: Familie und Gott zu ehren. Dabei bleiben (Frauen-) Rechte jedoch gerne auf der Strecke. Wer sich zur Thematik tiefer einlesen möchte, dem ist Bullshit mit Blümchenkleid von Barbara Haas (Ueberreuter) wärmstens empfohlen.
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Ballerina-Farm als Inspiration
Yesteryear-Protagonistin Natalie ist stark inspiriert von einer realen Tradwife: Hannah Neeleman, die mit ihrer Ballerina-Farm ein Millionenunternehmen führt, das sich aber anfühlen soll wie der idyllische Biobauer von nebenan. Ihre vielen Kinder patzen Schlagobers aus, helfen beim Melken und tapsen recht fröhlich durch die Videos.
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Soweit so romantisch, doch was nicht gezeigt wird, ist alles, was hinter den Kulissen stattfindet. Und das könnte ohne die Unterstützung vieler Menschen und finanzieller Ressourcen so nicht stattfinden. Denn, wer zwei bis neun kranke Kinder am Schoß sitzen hat, kann schlecht seinen Sauerteig filmen.
Illusion der "perfekten" Mutter
Burke rechnet in ihrem Buch mit diesem gefährlichen Trend ab und zwar auf bissige und kluge Art. Gefährlich ist er nicht, weil wir nicht träumen sollten von einem anderen, beschaulicheren Leben, sondern weil es in dieser Form eine Illusion ist, für die allermeist Frauen bezahlen. Stichwort: "Perfekte" Mutteransprüche.
“"Schreiben ist Befreiung oder zu Grunde gehen"”
Caro Claire Burke
Die Autorin im Interview mit ihrem Verlag: Caro Claire Burke hat Ende 2024 aus einer Laune heraus begonnen, im Netz über Feminismus und Tradwives zu reden. Sie bekam viel Aufmerksamkeit für ihre Äußerungen und wachte eines Morgens mit der Idee zu ihrem Roman im Kopf auf.
Mit welchen Fragen oder Gefühlen hast du dich beim Schreiben von Yesteryear auseinandergesetzt oder beschäftigt?
BURKE: Ha! Wie viel Zeit haben wir? Sagen wir einfach, ich finde mich in jeder Figur dieses Romans wieder. Ich bin mir noch nicht sicher, ob die Entscheidung, über das Patriarchat, den religiösen Extremismus und strukturell erzwungene Frauenfeindlichkeit zu schreiben, für mich eine emotionale Befreiung ist oder ob ich langsam daran zu Grunde gehen werde. Das bleibt abzuwarten.
Yesteryear liest sich, als ob es geschrieben wurde, um darüber zu sprechen. Was sollen deine Leser*innen aus diesem Wechselspiel mitnehmen?
BURKE: Ich habe keine konkreten Erwartungen, wie die Leute auf meinen Roman reagieren oder was sie mitnehmen sollen. Für mich persönlich gibt es wiederum kein interessanteres Thema als die große Performance von Weiblichkeit. Ich denke, ich werde den Rest meines Lebens darüber sprechen.
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