Total irre

Darum verkaufen Supermärkte JETZT schon Weihnachtsgebäck

Hände halten eine Packung Lebkuchen im Supermarkt vor einem Regal mit weiteren Packungen.
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Wer Ende August durch die Gänge eines Supermarkts schlendert, könnte meinen, Weihnachten stehe vor der Tür: Zwischen Grillfleisch und Sommerobst türmen sich plötzlich Lebkuchen, Dominosteine und Spekulatius in den Regalen. Doch warum tun uns die Supermärkte das an?
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Die Sonne scheint, der Sommer zeigt sich noch einmal von seiner warmen Seite und in den Supermarktregalen kündigt sich bereits Weihnachten an. Zwischen Badehose und Sonnencreme stehen plötzlich Lebkuchen, Spekulatius und anderes Weihnachtsgebäck. Jedes Jahr aufs Neue sorgen die weihnachtlichen Aufbauten mitten im Hochsommer für Kopfschütteln. Wer hat bei 30 Grad schon Lust auf Lebkuchen? Doch der frühe Start in die Weihnachtssaison kommt nicht von ungefähr. Dahinter stecken ganz konkrete Gründe.

Das Gesetz der "Kalenderwoche 35"

Man mag es kaum glauben, aber der frühe Startschuss ist im Einzelhandel quasi ein ungeschriebenes Gesetz. Die Auslieferung von herbstlichem Gebäck beginnt bei den Produzenten oft punktgenau zur 35. Kalenderwoche, also genau Ende August beziehungsweise Anfang September.

Lebkuchenmännchen und Lebkuchenhäuser in Folie auf einem Weihnachtsmarktstand.
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Für den Handel ist dies der logische Schnitt zwischen Sommer- und Wintersortiment. Wenn Grillkohle, Wasserpistolen und leichte Sommer-Snacks allmählich aus den Aktionsregalen verschwinden, braucht der Supermarkt neue Hingucker. In der Branche spricht man zu diesem Zeitpunkt oft noch gar nicht von "Weihnachtsgebäck", sondern pragmatisch von „Herbstgebäck“.

Der heimliche Heißhunger

Auf Social Media gehen fast täglich Videos von kopfschüttelnden Kunden viral. Unter Beiträgen mit meterhohen Lebkuchentürmen häufen sich Kommentare wie "Das ist doch verrückt!" oder „Viel zu früh!“. Umfragen bestätigen diesen Unmut: Rund 60 bis 70 Prozent der Konsumenten finden den Verkauf ab August oder September störend.

Doch hier kommt der Plot-Twist: Supermärkte würden den Lebkuchen nicht in ihre Verkaufsräume rollen, wenn er dort monatelang nur als Staubfänger dienen würde. Marktleiter berichten immer wieder von einem erstaunlichen Phänomen: Gerade in den ersten zwei bis drei Wochen nach dem Verkaufsstart schießt der Absatz rasant in die Höhe. Der Grund: Nach acht Monaten "Lebkuchen-Abstinenz" greifen selbst die schärfsten Kritiker heimlich zu, sobald ein kühlerer Regentag aufzieht.

Die Supermarkt-Strategie

Wer früher startet, hat eine längere Verkaufsphase. Jeder zusätzliche Monat im Regal bedeutet mehr potenziellen Umsatz für Supermärkte und Discounter. Dabei geht der Handel in Wahrheit taktisch vor: Ende August machen Lebkuchen, Spekulatius und Baumkuchen den Anfang. Marzipan, teure Pralinen, Schoko-Nikoläuse und Adventkalender rücken meistens erst einige Wochen später nach.

Nächste Station: Herbst

Viele Panettones in verschiedenen Verpackungen sind in einem Geschäft auf Regalen ausgestellt.
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Neben den wirtschaftlichen Interessen gibt es noch einen spannenden psychologischen Faktor. Nach den langen Monaten der Hitze, der drückenden Luft und dem gesellschaftlichen Zwang zur "Urlaubs- und Freibadlaune" sehnen sich viele Menschen innerlich nach Vertrautheit. Lebkuchen und Dominosteine spenden nach der langen Sommermonotonie Halt und geben Orientierung. Der Duft von Zimt, Nelken und Schokolade flüstert unserem Gehirn zu: Es ist okay, sich mit einer Tasse Tee auf die Couch zu kuscheln.

Egal, ob Sie zur Fraktion "Weihnachts-Grinch" gehören oder Sie sich schon im August heimlich die erste Packung Zimtsterne in den Einkaufswagen legen, die verfrühte Lebkuchen-Saison wird uns wohl erhalten bleiben.

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