Charity-Aktion

Extrem! Deutsche schwamm von Frankfurt nach Köln

© Daniel Toni Jais
Die Marburgerin Nathalie Pohl schwamm in vier Tagen von Frankfurt nach Köln – 200 Kilometer lang durch Main und Rhein für den guten Zweck. Was die 31-Jährige antreibt.
OE24 auf Google bevorzugen

Als Nathalie Pohl am 11. August kurz nach sechs Uhr morgens am Frankfurter Holbeinsteg in den Main sprang, begann für sie eine Challenge, die selbst in ihrer außergewöhnlichen Karriere Neuland bedeutete. Vier Tage, zwei Flüsse, rund 200 Kilometer bis nach Köln: Mit ihrer "RIVERS: Frankfurt to Cologne"-Challenge setzte die Extremschwimmerin nach Weltrekorden wie der Durchquerung der Straße von Gibraltar (2016), des Jersey-Kanals (2020) oder der Umrundung Ibizas (2025) ein neues Highlight in ihrer Karriere. Doch anders als bei ihren Rekordjagden auf den Weltmeeren stand diesmal nicht die sportliche Bestmarke im Mittelpunkt. Die deutsche Sportlerin will Aufmerksamkeit dafür schaffen, dass noch immer zu viele Kinder nicht sicher schwimmen können. Weshalb Tourstopps entlang der Strecke, die Pohl in Etappen schwamm, aus der sportlichen Herausforderung zugleich eine Charity-Aktion für die Schwimmausbildung von Kindern machten.

Spendenstand im Ziel: 616.000 Euro. Wenige Stunden später erreichte man die grandiose Summe von 735.000 Euro. © Daniel Toni Jais

Vier Tage extreme Belastung

Motivationsschub. Schon der Auftakt zeigte, dass diese Reise anders werden würde als Pohls bisherige Abenteuer. Nach neun Stunden und 18 Minuten endete die erste Etappe an der Schleuse in Kostheim – nachts wurde pausiert. Mehr als 36.000 Euro waren zu diesem Zeitpunkt bereits zusammengekommen. Vor allem die vielen Menschen am Ufer berührten die 31-Jährige. "Ich bin wirklich sprachlos", zeigte sie sich von den vielen Fans beeindruckt.

“Die Ocean‘s Seven waren nie das Ende meiner Reise, sondern erst der Anfang...”

Nathalie Pohl

Im Alter von fünf Jahren begann Nathalie Pohl zu schwimmen - heute zählt sie zu den besten Extremsportlerinnen der Welt. © Daniel Toni Jais

Schmerzen und Rückschläge

Niedrige Wasserstände auf dem Rhein, starke Strömungen, Hitze und Algen verlangten Pohl und ihrem Team, mit dem sie sich abwechselte, viel ab. Im Bereich der Loreley etwa musste ein rund 27 Kilometer langer Abschnitt ausgelassen werden, weil keine Schwimmgenehmigung vorlag. Nach zwei Tagen spürte auch die Extremsportlerin die Belastung. "Heute merkt man schon ein bisschen die Muskeln", lachte sie. Doch gleichzeitig trugen sie die Begegnungen am Ufer weiter. Eine Schulklasse, die sie anfeuerte, habe ihr einen "extra Motivationsschub" gegeben. Mit Schmerzen und Rückschlägen umzugehen, hat die Athletin, die im Alter von fünf Jahren zu schwimmen begann und mit 19 Jahren an einer Bodenseequerung teilnahm, schon früh gelernt. 2015 scheiterte ihr erster Versuch, den Ärmelkanal zu durchqueren. Ein Jahr später kehrte sie zurück und schaffte es. Es folgten einige der berüchtigtsten Meerengen der Erde: Gibraltar, die Tsugaru-Straße in Japan, der Kaiwi Channel vor Hawaii und die Cookstraße in Neuseeland.

Mit ihren Rekorden im Freiwasser – wie etwa die Umrundung von Ibiza – sorgt Nathalie Pohl immer wieder für Aufsehen. © Daniel Toni Jais
In ihrem Buch "Im Meer bin ich zu Hause" (Polyglott, 22,99 Euro) beschreibt die Extremschwimmerin ihren außergewöhnlichen Karriereweg. © Polyglott

"Im Meer bin ich zu Hause"

Gerade letztere wurde zu einer ihrer härtesten Prüfungen. Erst beim dritten Anlauf gelang 2023 die Durchquerung. 2024 folgte schließlich der Nordkanal zwischen Nordirland und Schottland – und damit die Vollendung der legendären Ocean’s Seven. Pohl wurde zur ersten deutschen Frau, der dies gelang. Doch: "Die Ocean’s Seven waren nie das Ende meiner Reise, sondern erst der Anfang", so Nathalie Pohl, die in ihrem Buch "Im Meer bin ich zu Hause" ihre unfassbare Geschichte erzählt. Der Schwimmsport habe ihr neben Erfolgen vor allem "Freundschaften, Sinn und die Möglichkeit" gegeben, ihre Stimme für Frauen und Kinder einzusetzen. Genau dafür steht ihr RIVERS-Projekt und die für sie vielleicht sogar bisher wichtigste Strecke, auf der jeder Kilometer zählte – und schließlich 735.000 Euro für Kinder-Initiativen brachte.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden