Brei war gestern

Flüssigkeitstropfen und 3-D-Schnitzel für Senioren

Mehrere farbige Flüssigkeitstropfen auf weißen Löffeln und in einer Glastasse auf einem Tablett.
© APA/HARALD SCHNEIDER
In einer Forschungsküche der Wiener "Häuser zum Leben" wurden sogenannte Flüssigkeitstropfen entwickelt, um insbesondere Senioren sowie Palliativpatienten mit Kau- und Schluckbeschwerden die Flüssigkeitsaufnahme zu erleichtern.
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Es gibt sie in mehreren Farben, sie sehen spacig aus und werden auch in exotischen Geschmacksrichtungen wie Cranberry oder Ananas produziert: die Flüssigkeitstropfen. Da sie in einer Forschungsküche entworfen wurden, liegt der Schluss nahe, dass es sich um Astronautennahrung oder um extravagante Haubengerichte handelt. Tatsächlich dienen sie jedoch dazu, ältere Menschen zu versorgen - nicht zuletzt in den immer heißer werdenden Sommern.

Ein Koch präsentiert auf einem Tablett verschiedene farbige Flüssigkeitstropfen in Löffeln.
In der Forschungsküche der Häuser zum Leben werden spezielle Ernährungskonzepte für Menschen mit Demenz und Schluckbeschwerden erarbeitet. © APA/HARALD SCHNEIDER

Entwickelt wurden die bunten Kugeln in einer futuristisch anmutenden Kochstube im Haus Tamariske, einer Senioreneinrichtung der "Häuser zum Leben" in Wien-Donaustadt. Man könne damit jedes beliebige Getränk und jede Geschmacksrichtung herstellen, erläuterte Forschungsküchenchef Michael Zoufal im Gespräch mit der APA. Waren zunächst klassische Fruchtsäfte im Angebot, gibt es sie inzwischen sogar mit Gemüsegeschmack. In der Weihnachtszeit wurde auch bereits mit - antialkoholischen - Punsch-Kreationen experimentiert.

Für Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden

Gedacht sind die Tropfen vor allem für Palliativpatienten mit Kau- und Schluckbeschwerden. Wer annimmt, dass die Betroffenen möglichst flüssige Nahrung essen bzw. trinken sollten, irrt. Diese könne von den Betroffenen oft nicht richtig aufgenommen werden, erläuterte Diätologin Julia Frittum. Der Flüssigkeitstropfen hingegen schmelze langsam im Mund. Dies komme Menschen zugute, die nicht mehr schnell schlucken könnten.

Flüssigkeitstropfen auf Löffeln und zwei Gläser mit Fertiggerichten auf einer Arbeitsplatte.
Spezielle sogenannte Flüssigkeitstropfen in verschiedenen Formen und Geschmacksrichtungen und Fertiggerichte in Gläsern. © APA/HELENA ECKEL

Geeignet sind sie auch für Bewohnerinnen und Bewohner, die an Demenz leiden. Diese können die Tropfen einfach mit der Hand greifen. Es besteht dabei keine Gefahr, etwas zu verschütten. Der Durstlöscher zergeht erst im Mund. Die Kugelform ist beliebt, aber nicht zwingend, betont man. Möglich sind viele Form-Varianten, also etwa auch Würfel oder größere Portionen, von denen kleine Bissen abgeschnitten werden können.

Zwei mundgerechte Häppchen unter einer Glasglocke auf einer schwarzen Platte.
Mundgerechte Lebensmittel aus den Häusern zum Leben. © APA/HARALD SCHNEIDER

Eingedickt wird der Flüssigkeitstropfen durch Erhitzen mit einem pflanzlichen Geliermittel samt anschließender Abkühlung. Im Sommer kommt die innovative Kost häufiger zum Einsatz, ergänzend zu anderen Maßnahmen, die der Dehydrierung vorbeugen sollen - wie etwa das Führen von Trinkprotokollen.

Schnitzel aus dem 3-D-Drucker

In der 2024 eröffneten Forschungsküche werden - wie der Name bereits sagt - Produkte entwickelt, die später den Bewohnerinnen und Bewohnern der Senioreneinrichtungen kredenzt werden. Zubereitet werden diese dann meist in einer der 30 Großküchen der "Häuser zum Leben". Auch gaumenweicher Kuchen, leicht genießbares Brot sowie eigene Shakes gehören zum Portfolio.

Ein 3D-Drucker stellt mundgerechte Lebensmittel auf einer Platte her.
Das Schnitzel aus dem 3-D-Drucker. © APA/HARALD SCHNEIDER

Sogar ein 3-D-Lebensmitteldrucker steht in der Forschungsküche zur Produktentwicklung zur Verfügung. Damit werden etwa täuschend echt aussehende Schnitzel oder gefüllte Paprika aus pürierten Massen geformt. Bewohnerinnen und Bewohner, die die Originale nicht mehr essen können, soll damit erspart werden, ständig nur Brei vorgesetzt zu bekommen.

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